Es gilt als schwerstes Flugzeugunglück auf Schweizer Boden: Der Flugzeugabsturz einer britischen Chartermaschine in Hochwald SO im April 1973. 108 Personen sind dabei gestorben, 37 überlebten. Die Solothurnerin Marlène Vögtli hat sich nach dem Unglück jahrelang um Überlebende und deren Angehörige gekümmert und hält bis heute Kontakt zu betroffenen Familien.
Dafür ist Vögtli nun in einem Festakt in der Residenz des britischen Botschafters mit der Ehrenmedaille «British Empire Medal» geehrt worden. Die Medaille wird für zivile oder militärische Leistungen vergeben, an etwa 300 Personen pro Jahr.
Marlène Vögtli erhält die Medaille für ihre «Unterstützung und ihr Engagement für britische Staatsangehörige in besonders herausfordernden und schwierigen Situationen».
Gemeint ist damit die Anerkennung ihrer aussergewöhnlichen, langjährigen und kontinuierlichen Unterstützung der britischen Überlebenden sowie der Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes in Hochwald von 1973.
Für sie sei es einfach klar gewesen, dass sie den betroffenen Menschen helfe, erklärt Vögtli gegenüber SRF. «Ich finde, es gehört sich, dass wir diesen Leuten den Respekt erweisen, wenn sie hierherkommen.»
Marlène Vögtli war in Australien, als sich der Unfall ereignete, kehrte jedoch im darauffolgenden Jahr in ihre Heimatgemeinde Hochwald zurück. Da sie hervorragend Englisch spricht, bat der damalige Gemeindepräsident sie, bei der Kommunikation mit den britischen Überlebenden und Angehörigen zu helfen.
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Bild 1 von 3. Die englische Chartermaschine stürzte in Hochwald SO ab. Der frisch gefallene Schnee erschwerte die Bergungsarbeiten. Bildquelle: Keystone/Str.
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Bild 2 von 3. Bergungsarbeiten bei der Unglücksmaschine von Hochwald: im Vordergrund die Trümmer eines Propellers der Vickers Vanguard 952. Bildquelle: Keystone/Str.
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Bild 3 von 3. Der Trauergottesdienst nach dem Unglück, in der Kirche St. Mauritius in Dornach aufgenommen am 12. April 1973. Noch heute gibt es regelmässig Gedenkfeiern. Bildquelle: Keystone/Str.
Das sei 1974 gewesen, erinnert sich Vögtli, zur Einweihung der Gedenkstätte in Hochwald. Sie habe sich um die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer gekümmert, habe übersetzt, mit ihnen geredet, ihnen geholfen.
Bis heute sei sie ihre Ansprechperson geblieben. Dazu habe sie mitgeholfen, Veranstaltungen an den Jahrestagen zu planen.
Beverly Wood ist Marlène Vögtli dankbar für ihre Arbeit. Die Britin ist die Tochter einer Überlebenden des Flugzeugabsturzes und war schon zweimal an einer Gedenkfeier in Hochwald – zum 30. Jahrestag zusammen mit ihren Eltern und zum 50. Jahrestag mit Ehemann und Töchtern.
Der Flugzeugabsturz sei im Leben ihrer Mutter immer präsent gewesen, schliesslich habe sie schwere Verletzungen davongetragen, erzählt Beverly Wood SRF.
Aber auch in der Gemeinschaft sei das Unglück nicht vergessen. Es tauche immer wieder auf: «Es ist eine so kleine, eng verbundene Gemeinschaft. Wir kannten viele Leute an Bord. Das hört einfach nie wirklich auf.»
In den 53 Jahren seit dem Flugzeugabsturz entwickelten sich Freundschaften zwischen Marlène Vögtli und den Familien. «Das sind Kontakte, die ich bis jetzt pflege», erzählt Vögtli, die auch schon auf Besuch in England war.
Unterdessen seien viele gestorben, aber sie sende manchen immer noch regelmässig Chatnachrichten oder E-Mails, vor allem mit Bildern der Gedenkstätte: «Das Denkmal ist wirklich sehr, sehr schön. Ich schicke immer Fotos, wenn ich hier durchgehe, und zeige, wie es aussieht. Sie sind immer begeistert.»