Worum geht es? Für den Bundesrat ist die Mehrwertsteuer die Lösung für die zwei grössten Finanzprobleme. Er will sowohl die 13. AHV-Rente als auch die Aufrüstung der Armee mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer bezahlen. Insgesamt würde so die Mehrwertsteuer um 1.5 Prozentpunkte auf 9.6 Prozent steigen. Die Pläne sind hochumstritten: Im Fall der AHV streiten sich National- und Ständerat seit über einem Jahr, wobei diese Woche ein Vorentscheid fällt. Im Fall der Armee zeigt eine Umfrage im Auftrag des «Blick», dass die Bevölkerung die höhere Mehrwertsteuer zurzeit deutlich ablehnt.
Was bedeuten die Pläne für die Haushalte? Eine um 1.5 Prozentpunkte höhere Mehrwertsteuer kostet die Haushalte gemäss einer Schätzung der Bundesbehörden zwischen rund 300 und rund 1400 Franken pro Jahr.
Entscheidend ist, wie viel ein Haushalt verdient, wer im Haushalt lebt und wie alt die Bewohnerinnen und Bewohner sind. Je nach Zusammensetzung gibt ein Haushalt unterschiedlich viel Geld für verschiedene Budgetposten aus. Singles hätten Nachteile, denn Einpersonenhaushalte würden verhältnismässig stark belastet:
Verhältnismässig besser weg kommen Rentnerhaushalte und Familien. Bei kleineren Einkommen müssten sie fast gleich viel drauflegen, bei höheren Einkommen zahlen Rentnerinnen und Rentner etwas mehr:
Wie sozial ist die Erhöhung der Mehrwertsteuer? Auf den ersten Blick ist eine höhere Mehrwertsteuer deutlich unsozialer als verschiedene diskutierte Alternativen: Höhere Lohnabzüge zum Beispiel würden Leute mit hohen Einkommen deutlich stärker treffen als eine höhere Mehrwertsteuer. Umgekehrt zahlen bei der Mehrwertsteuer auch ältere Menschen mit, während höhere Lohnabzüge einzig die Erwerbstätigen treffen.
Wie stark wären tiefe Einkommen belastet? Einkommensschwache Haushalte geben den Grossteil ihres Geldes für mehrwertsteuerfreie Leistungen aus. Dazu gehören die Miete oder die Krankenkassenprämien. Laut Berechnungen des früheren Preisüberwachers und SP-Nationalrats Rudolf Strahm zahlt das einkommensschwächste Fünftel der Gesellschaft für rund zwei Drittel seiner Ausgaben keine Mehrwertsteuer. Beim einkommensstärksten Fünftel ist es umgekehrt: Dort fällt auf über zwei Drittel der Ausgaben die Mehrwertsteuer an. Für Strahm gilt die Mehrwertsteuer zu Unrecht als unsozial. Doch er stösst innerhalb des eigenen linken Lagers auf Widerspruch: Die SP hält ihm entgegen, dass Kleinverdiener und die Mittelklasse mit einer höheren Mehrwertsteuer viel mehr zahlen müssten, als wenn die gleiche Summe über höhere Lohnabzüge beschafft würde.
Wann fällt die Entscheidung zur Mehrwertsteuer? Das Parlament entscheidet voraussichtlich dieses Jahr. Die Debatten über die Erhöhung zugunsten der Armee und zugunsten der AHV laufen unabhängig voneinander. Bei der AHV möchte der Nationalrat wie der Bundesrat die Mehrwertsteuer um 0.7 Prozentpunkte erhöhen – allerdings befristet (siehe Box oben). Der Ständerat möchte einen Mix aus höheren Lohnabzügen und einer höheren Mehrwertsteuer. Noch ist unklar, welche Seite sich durchsetzt. Bei der Armee zeichnet sich bereits im Parlament grosser Widerstand ab gegen die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Mehrere alternative Lösungen liegen auf dem Tisch – doch keine scheint zurzeit mehrheitsfähig. Für Änderungen bei der Mehrwertsteuer braucht es zwingend eine Volksabstimmung.