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Fund aus dem Mittelalter Adelssitz in Gelterkinden entdeckt

In Gelterkinden ist ein jahrhundertealtes Rätsel gelöst: Archäologen haben das sagenumwobene Weiherhaus identifiziert – einen Adelssitz aus dem späten Mittelalter.

Dass die Baselbieter Archäologie überhaupt in Gelterkinden gräbt, hat mit einem jahrzehntealten Verdacht zu tun. Schon 1936 stiess der Gelterkinder Kunstmaler und Heimatforscher Fritz Pümpin an der Rünenbergerstrasse auf Mauerreste.

Er war überzeugt, dass es sich um das Weiherhaus handle – jenes Gebäude, das der Chronist Aegidius Tschudi um 1540 als Ruine beschrieben hatte und das einst als Sitz einer lokalen Adelsfamilie diente.

Wir hatten bisher keine Idee, wie die ursprünglichen Wasserburgen aussahen. Dieser Fund hilft uns, das herauszufinden.
Autor: Reto Marti Baselbieter Kantonsarchäologe

Seit November legt die Archäologie Baselland das Steingebäude systematisch frei. Die Anlage misst 14 Meter in der Breite und mindestens 18 Meter in der Länge und war vermutlich einst von einem Wassergraben umgeben.

Übersichtsbild der Grabung
Legende: Seit Wochen legen die Archäologinnen und Archäologen Stück für Stück des alten Gebäudes frei. SRF/Sedrik Eichkorn

Solche befestigten Weiherhäuser prägten vermutlich die Baselbieter Täler im Spätmittelalter. Einige entwickelten sich später zu Schlössern – etwa in Pratteln, Binningen oder Bottmingen. Vergleichbare Anlagen finden sich auch in anderen Kantonen, etwa im Aargau.

Das Wasserschloss Hallwyl im Kanton Aargau.
Legende: Ein erhaltenes Wasserschloss – wie hier das Schloss Hallwyl im Kanton Aargau – zeigt, wie adelige Wohnsitze einst mit Wassergräben befestigt waren. Keystone/GAETAN BALLY

Mitten in der Grabung steht Kantonsarchäologe Reto Marti zwischen den Mauern, die einst ein mehrstöckiges Steinhaus getragen haben.

Das war nicht nur ein einfaches Bauernhaus, sondern das Zuhause von Adeligen.
Autor: Reto Marti Baselbieter Kantonsarchäologe

Für ihn ist klar: «Ein so massives Steinhaus mit derart starken Mauern aus dem Spätmittelalter – das ist eine neue Kategorie von Fund. Man merkt sofort, dass es sich nicht um ein einfaches Bauernhaus handelt, sondern um den Wohnsitz von Adeligen.»

Kantonsarchäologe Reto Marti steht unter dem Zelt, das die Grabung schützt. Er trägt einen grossen Hut.
Legende: Kantonsarchäologe Reto Marti sagt über den Fund: «Dieses ursprüngliche Weiherhaus zeigt uns erstmals, wie solche frühen Wasserburgen tatsächlich ausgesehen haben.» SRF/Sedrik Eichkorn

Tatsächlich zeige die Grabung für die Forschenden eine Entwicklung, die im Baselbiet kaum je so klar nachgewiesen werden konnte. Der Fund liefere erstmals ein klares Bild davon, wie frühe Wasserburgen im Baselbiet ausgesehen haben könnten. «Das Baselbiet ist ein Burgenland», sagt Marti. «Als die gesellschaftlichen Verhältnisse stabiler wurden, zogen die Adeligen von den Höhenburgen ins Tal und bauten solche Weiherhäuser.» Die Anlage in Gelterkinden zeige diesen Wandel exemplarisch.

Überblick über den Ort der Grabung. Im Hintergrund Häuser. Ein Zelt schützt die Grabung vor Regen.
Legende: Während neunzig Jahren stand die Vermutung im Raum, dass sich das Haus der Herren von Gelterkinden an der heutigen Rünenbergerstrasse befinde: Nun ist das bestätigt. SRF/Sedrik Eichkorn

Grabungsleiter Jan von Wartburg spricht von einer klassischen Rettungsgrabung: Auf dem Grundstück soll bald eine Tiefgarage entstehen. «Wir graben nur noch dort, wo gebaut wird. Das ist die letzte Chance, die Geschichte dieser Mauern festzuhalten.» Zwar sei seit 1936 bekannt gewesen, dass hier besondere Strukturen liegen. «Aber erst jetzt wissen wir, was es wirklich ist.»

Ein Mann hält auf der ausgestreckten Hand eine alte Kachel mit ornamentalen Verzierung.
Legende: Mittelalterliche Ofenkacheln zeugen vom damaligen Wohnkomfort – das Weiherhaus war beheizt. SRF/Sedrik Eichkorn

Die Mauern sind an einigen Stellen fast einen Meter dick. «Daran erkennt man sofort den Herrensitz», sagt von Wartburg. Ein Ofen, Kachelfragmente und der Hinweis auf einen Wassergraben passen ins Bild des späten Mittelalters.

Brandspuren deuten zudem auf ein abruptes Ende hin. «Dieses Haus ist abgebrannt», erklärt er. Ob dies im Zusammenhang mit den kriegerischen Auseinandersetzungen von 1444 steht – als die Farnsburg angegriffen wurde –, bleibt unklar.

Ein Mann gräbt auf der Grabung. Er kniet auf Holzplanken.
Legende: Archäologinnen und Archäologen dokumentieren die Mauern des mittelalterlichen Weiherhauses in Gelterkinden – eine Notgrabung, bevor auf dem Gelände eine Tiefgarage entsteht. SRF/Sedrik Eichkorn

Zwischen den Mauern finden sich auch kleine Zeugnisse des Alltags: Unter einem Lehmboden kam ein Topf zum Vorschein – «leider ohne Schatz», wie Jan von Wartburg schmunzelnd sagt. Dafür zwei schwere, geschmiedete Äxte, die nun sorgfältig im Depot aufbewahrt werden.

Regionaljournal Basel, 30.1.2026, 17:30 Uhr ; 

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