Aus der Küche riecht es nach Tomatensauce. Heute gibt es Spaghettiplausch in der Gassenküche Brugg AG. Seit gut einem Monat ist sie jeden Freitag geöffnet. Von 13 bis 16 Uhr wird in den Räumen unter der katholischen Kirche Mittagessen serviert. Randständige oder suchtkranke Menschen erhalten kostenlos eine warme Mahlzeit. In der Küche und im Service arbeiten Freiwillige.
Meistens seien vier Helferinnen und Helfer im Einsatz. Mehr seien willkommen, sagt Christoph Hörmann. Er arbeitet für den Pastoralraum Brugg-Windisch und leitet das Projekt. Heute amtetet er als Küchenchef. Der Spaghettiplausch sei der Wunsch eines Klienten gewesen.
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Bild 1 von 4. Rund ein Dutzend Menschen kamen Ende April für ein Mittagessen in die Gassenküche – Tendenz steigend. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. In der Küche und bei der Essensausgabe der Gassenküche helfen Freiwillige. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 4. Auch wer erst mal einen Kaffee trinken will und sich noch nicht an den Mittagstisch getraut, ist in der Gassenküche willkommen. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Die Gassenküche befindet sich unterhalb der katholischen Kirche in Brugg. Das Angebot ist bis Herbst befristet, mit Aussicht auf Verlängerung. Bildquelle: SRF.
Hilfe zur Selbsthilfe
Langsam füllen sich die beiden Esstische. Rund ein Dutzend Männer und Frauen sind es heute. Jede Alterskategorie ist vertreten. Alkohol und Drogen sind im Essraum verboten. So steht es in den Hausregeln. Wer sie nicht befolgt, erhält Hausverbot. Und wenn es nicht anders geht, wird die Polizei geholt. Die Regeln würden aber bisher gut eingehalten, so Christoph Hörmann. Generell sei die Gassenküche gut angelaufen.
Froh über das Angebot ist zum Beispiel Kilian Meier. Er hat mehrere Entzüge hinter sich. «Ich bin zum vierten Mal da. Die Gassenküche ist eine Hilfe, damit man nicht weiter in den Sumpf hinunterfällt und sich über Wasser halten kann.» Neben einem Essen gebe es hier Hilfe zur Selbsthilfe.
Gassenküche löst nicht alle Probleme
Gespräche seien nicht zu unterschätzen, findet auch Helferin Sonia Gambella. Sie weiss aus eigener Erfahrung, was Sucht anrichten kann. Die Klienten könnten in der Gassenküche zusammensitzen und auch über Probleme sprechen. «Und wenigstens haben sie eine warme Mahlzeit. Sonst essen sie den ganzen Tag nichts.»
Lösen könne die Gassenküche die Probleme dieser Menschen aber nicht. «Sie deckt nur einen Teil des Grundbedarfs. Süchtige kann man aber nicht vom einen zum anderen Ort schicken. Sonst findet man sie immer wieder auf der Strasse. Es braucht einen betreuten Raum oder ein Haus. Das wäre ein Anfang.»
Angebotslücken im Aargau
Ob und wann es in Brugg ein solches Angebot gibt, ist schwer abzuschätzen. Im Aargau arbeitet man noch an einer Lösung, die der Kanton mitfinanzieren kann. Und gestartet wird dereinst wohl mit kleineren Projekten, und nicht mit einem ganzen Haus für Suchtkranke.
Erst Ende 2025 hat die Aargauer Regierung eine neue Suchtstrategie verabschiedet. Bisher setzt der Kanton vor allem auf Prävention und Therapie. Bei der Schadensminderung gebe es Lücken, bilanziert der Regierungsrat. Hier bestünden Angebotslücken, «wodurch fachlich bewährte Ansätze fehlen, um den Konsum im öffentlichen Raum wirkungsvoll aufzufangen.» Dazu gehören beispielsweise eine Gassenküche oder Konsumationsräume für Suchtkranke.
Die Gassenküche der katholischen Kirche in Brugg ist bis Herbst befristet. Wenn es bis dann kein anderes Angebot gibt, soll sie, wenn möglich, weitergeführt werden.