Zehn Jahre dauerte es, bis der Mörder der jungen Valentina verurteilt werden konnte. Die italienische Medizinstudentin wurde im April 2016 in Genf getötet. Das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS blickt mit dem Genfer Polizisten Olivier Juillard auf aussergewöhnliche Ermittlungen zurück.
Valentina war an einem Abend im April 2016 auf dem Heimweg in Genf. Sie ahnte nicht, dass ihr ehemaliger Partner im Dunkeln auf sie wartete. Djiby B. schlug ihr mit einer Eisenstange mehrfach auf den Kopf und floh anschliessend.
Die Kriminalpolizei nimmt die Spur auf. Doch der mutmassliche Täter war untergetaucht. «Ich stiess 2018 zu diesem Fall, als Kolleginnen und Kollegen der Kriminalpolizei zu mir sagten: ‹Wir kommen nicht mehr weiter›», erzählt Olivier Juillard. «Es ist unsere Pflicht als Polizisten, solche Fälle zu Ende zu führen – aus Respekt gegenüber den Opfern und der Justiz.»
Die Spur nach Senegal
Als Juillard den Fall Valentina 2018 wieder neu aufnimmt, reist er nach Senegal, ins Herkunftsland des Verdächtigen.
Menschliche Beziehungen sind der Schlüssel bei solchen Ermittlungen.
Der Einsatz ist heikel. Rund zwanzig Rechtshilfegesuche aus der Schweiz waren zuvor unbeantwortet geblieben. In enger Zusammenarbeit mit der Genfer Kriminalpolizei und mit Unterstützung der Staatsanwaltschaft gelingt es Juillard jedoch, die senegalesischen Behörden von der Bedeutung des Falls zu überzeugen.
«Menschliche Beziehungen sind der Schlüssel bei solchen Ermittlungen», sagt Juillard.
In Dakar nimmt die senegalesische Gendarmerie die Ermittlungen auf. Die Behörden stellen fest, dass Djiby B. seit seiner Rückkehr vier verschiedene Identitäten benutzt hatte.
Rückschläge und Verzögerungen
Im März 2020 steht die Festnahme kurz bevor. Dann bricht die Covid‑19‑Pandemie aus. Die Grenzen schliessen, die Ermittler müssen Dakar mit einem der letzten verfügbaren Flüge verlassen.
Ein neuer Versuch folgt 2023. Die senegalesische Gendarmerie bereitet eine Festnahme vor, indem sie sich als Käufer eines Fahrzeugs ausgibt, das der mutmassliche Täter verkaufen will. Doch Unruhen in Dakar zwingen die Behörden, den Einsatz abzubrechen.
Eine Woche nach seiner Rückkehr nach Genf erhält Juillard eine Nachricht aus Dakar: «Der Vogel ist im Käfig.» Sieben Jahre nach der Tat wird Djiby B. auf einer Baustelle von der senegalesischen Gendarmerie festgenommen.
Urteil und Berufung
Der Prozess findet Ende 2025 im Senegal statt. Djiby B. bestreitet die Tat und beschuldigt andere Personen. Doch die auf der Tatwaffe gesicherten DNA‑Spuren überführen ihn.
Das Gericht verurteilt ihn zu lebenslanger Haft wegen Mordes mit besonderer Grausamkeit. In Senegal ist bei dieser Strafe keine vorzeitige Entlassung vorgesehen, ausser durch eine präsidentielle Begnadigung nach 20 Jahren. Diese ist bei Tötungsdelikten in der Regel ausgeschlossen.
Kurz nach dem Urteil legt Djiby B. jedoch Berufung ein. Ein neues Verfahren soll in den kommenden Monaten stattfinden. Der Anwalt der Familie von Valentina betont, die Beweislage sei so erdrückend, «dass kein Risiko besteht, dass die Schuld im Berufungsverfahren infrage gestellt wird».