Wir befinden uns in einem Solarium, irgendwo im Kanton Solothurn. Es sind bereits zwei Besucherinnen in dem Studio, als Stephan Christ mit seinem kleinen Koffer das unbediente Solarium betritt. «Ich mache meine Kontrollen jeweils, ohne mich vorher anzumelden», sagt Christ. Er ist Sektionsleiter in der Lebensmittelkontrolle im Solothurner Gesundheitsamt.
Es ist die Aufgabe des diplomierten Ingenieurs für Biotechnologie, zu überprüfen, ob sich die Bräunungsstudios an die gesetzlichen Vorschriften halten. Die Solarien sind verpflichtet, Schutzbrillen anzubieten oder sicherzustellen, dass Minderjährige die Geräte nicht benutzen können.
Diese Kontrolle ist schnell erledigt: Im Studio ist alles in Ordnung. Der nächste Schritt führt direkt zur Sonnenbank. Hier packt Stephan Christ seinen Koffer aus, installiert seinen Laptop und seine beiden Messgeräte. «Ich habe ein Breitband-Radiometer und ein Spektral-Radiometer. So kann ich die UVA-, die UVB- und die Gesamtstrahlung messen», sagt er.
Mit viel Sonnenschutz auf der Sonnenbank
Mit vier Fünflibern setzt er das Gerät in Betrieb und macht seine Messungen. Zuerst misst er an verschiedenen Stellen der Liegefläche, um den am meisten strahlenden Bereich zu eruieren. Für die Messungen hat Stephan Christ sein Gesicht gründlich mit Sonnencrème eingerieben, er hat seinen Kopf bedeckt, trägt Handschuhe und eine Schutzbrille. Danach dauert es rund zwei Minuten, bis die Messwerte auf dem Laptop angezeigt werden.
Bis ins Jahr 2019 gab es in der Schweiz keine gesetzlichen Vorschriften dazu, wie stark ein Solarium sein darf. Erst als die Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdung durch nicht-ionisierte Strahlung und Schall in Kraft trat, wurden Obergrenzen festgelegt.
Die Hälfte strahlt zu stark
In den Jahren 2022 und 2023 gab es in der ganzen Schweiz erste Kontrollen. Stephan Christ erinnert sich: «Die Beanstandungsquote lag damals im Kanton Solothurn bei rund 50 Prozent, die Grenzwerte wurden teilweise massiv überschritten.» Stephan Christ kann Geräte, welche die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllen, sperren oder eine sofortige Wartung anordnen. Im schlimmsten Fall müssen fehlbare Betreiber mit einer Strafanzeige rechnen.
Jetzt läuft schweizweit die zweite Kontrollrunde. Im Kanton Solothurn überprüft Stephan Christ in allen 26 Studios, Fitnesscentern oder Hotels, die eine Sonnenbank anbieten, zumindest ein Gerät, in der Regel das stärkste. «Bei rund der Hälfte der kontrollierten Solarien waren die Strahlenwerte auch dieses Mal zu hoch», sagt Stephan Christ.
Also keinerlei Besserung? Doch, denn die anderen Vorgaben, insbesondere der Jugendschutz, wurden strikt eingehalten. Und ausserdem: «Viele Strahlungswerte liegen zwar noch über dem Grenzwert, aber oft nur noch ein wenig darüber.» Darüber hinaus erlebt Stephan Christ, dass sich die Betreiberinnen und Betreiber der Studios verantwortungsbewusst verhalten und bestrebt seien, die Vorgaben einzuhalten.
In der Zwischenzeit hat sich auch bei der vorliegenden Kontrolle etwas getan: Der Laptop hat sich bemerkbar gemacht und zeichnet verschiedene Kurven auf einer Tabelle, die der Laie nicht zu interpretieren vermag. Deshalb erklärt uns Stephan Christ: «Die Grenzwerte sind hier eingehalten. Alles im grünen Bereich.»