Vor einem Jahr zerstörte der Bergsturz von Blatten grosse Teile des Walliser Dorfs. Die Schweiz kennt solche Katastrophen seit Jahrhunderten: Erdbeben, Bergstürze oder Hochwasser haben ganze Regionen geprägt.
Mit jedem Naturereignis hat sich auch der Umgang mit Naturgefahren verändert. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat historische Ereignisse zusammengestellt, die dabei besonders bedeutend waren.
Auswahl des Bundesamts für Umwelt: historische Naturgefahren
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Bild 1 von 4. 1356: Erdbeben in Basel. Das Erdbeben vom 18. Oktober 1356 liess die Stadt Basel beben: Mit einer Magnitude von 6.6 auf der Richterskala war dies das grösste historisch dokumentierte Erdbeben in der Schweiz . In einigen Quellen wird von bis zu 2000 Todesfällen ausgegangen. Die tatsächlichen Schäden sind nicht eindeutig geklärt. Bildquelle: imago images/Album/Fine Art Images.
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Bild 2 von 4. 1515: Flutwelle im Bleniotal bei Biasca. 1513 wurde durch einen Bergsturz ein Damm im Bleniotal bei Biasca gebildet. Zwei Jahre später brach dieser. Die entstandenen Flutwellen wälzten sich über Bellinzona bis in den Lago Maggiore. 200 bis 600 Menschen hatten ihr Leben verloren, rund 400 Gebäude wurden zerstört. Bildquelle: Wikipedia/Johannes Stumpf.
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Bild 3 von 4. 1806: Bergsturz in Goldau. Er ist neben dem Basler Erdbeben die bisher grösste Naturkatastrophe in historischer Zeit: der Bergsturz von Goldau im Jahre 1806. Es starben 457 Menschen und 323 Tiere. Bildquelle: Keystone/PHOTOPRESS-ARCHIV/STR.
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Bild 4 von 4. 1868: Überschwemmungen beidseits der Alpen. 1868 kam es in weiten Teilen der Schweiz zu schweren Überschwemmungen. Besonders betroffen waren Regionen entlang des Rheins sowie südlich der Alpen. 50 Menschen starben, die Schäden beliefen sich auf rund 14 Millionen Franken. Der Lago Maggiore erreichte mit 199.98 Meter den höchsten bekannten Wasserstand. Bildquelle:
Früher fühlten sich die Menschen Naturkatastrophen weitgehend ausgeliefert; sie galten oft als Schicksal oder als Strafe Gottes. Erst mit der Zeit begannen die Behörden, Naturgefahren systematischer zu untersuchen und Schutzmassnahmen aufzubauen.
1868: Naturgefahren werden zur nationalen Aufgabe
Besonders prägend waren die schweren Überschwemmungen von 1868. Sie führten dazu, dass sich die Schweiz erstmals national um eine Forst- und Wasserbaugesetzgebung kümmerte.
Mit der Bundesverfassung von 1874 erhielt der Bund mehr Kompetenzen beim Hochwasserschutz und beim Schutz der Bergwälder. In den folgenden Jahrzehnten wurden Flüsse korrigiert, Dämme gebaut, Hänge stabilisiert und Lawinenverbauungen errichtet.
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Bild 1 von 2. Das Regulierwehr Port im Nidau-Büren-Kanal wurde zwischen 1936 und 1939 gebaut. (1938). Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str.
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Bild 2 von 2. Der Kanal gilt als grösster Eingriff in den Schweizer Flussbau und ist das Kernstück der Juragewässerkorrektion. (1955). Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Max Kraft.
Danach folgte eine trügerische Ruhe: Ab etwa 1875 wurde die Schweiz von keinen grossen Naturkatastrophen heimgesucht. Diese sogenannte rund 100-jährige Ereignislücke trug dazu bei, dass das Katastrophenrisiko im Verlauf des 20. Jahrhunderts fast vollständig vergessen ging.
1987: «Paradigmenwechsel»
Erst die schweren Unwetter im Alpenraum im Sommer 1987 führten erneut zu einem Umdenken. Der Schaden betrug fast 1.3 Milliarden Franken. Fachleute kamen zum Schluss: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Die Gefahrenprävention wurde wieder Thema.
Das Bafu spricht damals von einem Paradigmawechsel «von der reinen Gefahrenabwehr hin zu einer Risikokultur». Als Folge der Analysen wurden 1991 und 2025 die Bundesgesetze angepasst. Risiken sollen nun früher erkannt, besser geplant und breiter gedacht werden – ein «integrales Risikomanagement».
In den folgenden Jahren gewannen Gefahrenkarten, Raumplanung, Warnsysteme, Information der Bevölkerung und Notfallkonzepte an Bedeutung. Heute überwachen Behörden zahlreiche Hänge, Flüsse und Gletscher permanent. Die Bevölkerung wird über Plattformen informiert und gewarnt.
2025: Blatten zeigt den neuen Umgang mit Naturgefahren
Der Bergsturz von Blatten vor einem Jahr hat gezeigt, wie stark sich der Umgang mit Naturkatastrophen verändert hat: Der Berg wurde überwacht, die Gefahr früh erkannt und das Dorf rechtzeitig evakuiert.
Der Klimahistoriker Christian Pfister sagt, die Schweiz sei heute gut vorbereitet auf bekannte Naturgefahren. Sorgen bereiten ihm jedoch seltene Extremereignisse, die seit Jahrhunderten nicht mehr vorgekommen seien.
Besonders kritisch seien lang anhaltende Hitze- und Trockenperioden. Der emeritierte Professor für Klimageschichte der Universität Bern verweist auf das Extremjahr 1540: Damals sei es während des ganzen Jahres in ganz West- und Mitteleuropa extrem warm und trocken gewesen. Es habe grosse Probleme bei der Wasserversorgung und Landwirtschaft gegeben, zahlreiche Wälder hätten gebrannt.
Pfister fordert deshalb, dass sich Behörden stärker mit seltenen Extremereignissen auseinandersetzen. Denn vorbereitet sei die Schweiz vor allem auf Katastrophen, die in der Geschichte häufig vorgekommen sind.