Gripen: Drei Schweizer Piloten trainieren in Schweden

Schweizer Armeepiloten üben bereits seit Monaten in Schweden mit dem Gripen: Luft-, Erdkampf und Aufklärung. Das zeigt die «Rundschau»-Reportage über eine schwedische Luftwaffenbasis. Für Sicherheitsexperten ist dieses Vorgehen «vollkommen unüblich», für Bundesrat Maurer «courant normal.»

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Kampf um den Gripen

13 min, aus Rundschau vom 16.4.2014

Seit September 2013 wohnt der erfahrene Schweizer Testpilot Martin Hess auf der Luftwaffenbasis F7 Wing im westschwedischen Såtenäs. Täglich ein- bis zweimal ist Hess mit dem Gripen in der Luft. Noch bis im Juni wird er von schwedischen Fluglehrern in allen Waffensystemen eingeführt. Hess trainiert Luftkampf, Erdkampf und Aufklärung.

Vor allem den Erdkampf möchte die Luftwaffe wieder trainieren. Dies ist unter Experten angesichts der aktuellen Bedrohungslage für die Schweiz umstritten. Verteidigungsminister Ueli Maurer entgegnet im «Rundschau»-Gespräch, man werde acht der neun Gripen auf Erdkampf vorbereiten, weil heute das Instrument fehle, Ziele auf grosse Distanzen punktgenau zu treffen. Darauf verzichten könne man nur, wenn jemand ihm garantiere, dass bis 2050 nichts passiere.

«Vollkommen unüblich»

Martin Hess, der in der Schweiz F/A-18 fliegt, hat den Auftrag, nach Abschluss seiner dreivierteljährigen Ausbildung in Schweden, selber Schweizer Piloten auf dem Gripen C auszubilden. Die ersten Miet-Maschinen werden im Herbst 2016 an die Schweiz ausgeliehen. Für den deutschen Sicherheitsberater und Rüstungsexperten Lutz Unterseher, ist dieses Vorgehen «vollkommen unüblich». Für Verteidigungsminister Maurer sind solche Austausche «courant normal.»

«Schon 32 F/A-18 sind mehr als genug»

Unterseher ist zudem überzeugt, dass die Schweiz mit ihrer Flotte von 32 F/A-18 bereits heute mehr als genug Flugzeuge für den Luftpolizeidienst hat. Da könnte man gar noch ein paar «einmotten» sagt Unterseher.

Testpilot Hess entgegnet, nur beim Kauf des Gripen könne man künftig wieder eine 24-Stunden-Bereitschaft bei der Luftwaffe erreichen. Verteidigungsminister Maurer weist darauf hin, dass ohne den Gripen nach der graduellen Ausmusterung der F/A18 ab 2025 ein Loch in der Luftwaffe entstehen würde: «Es geht um die Sicherheit der Schweiz, das Renommee und das Image des Landes.»

Baltikum: Luftpolizeidienst für andere Staaten

Als Beispiel für modernen Luftpolizeidienst mit wenigen Flugzeugen und im internationalen Verbund nennt Unterseher die Überwachung des Baltikums durch die Nato (im Rahmen der Baltic Air Policing Mission, BAP).

Dort übernimmt seit 2004 immer ein anderer Nato-Staat den Luftpolizei-Dienst für einige Monate. Litauen, Estland und Lettland haben selber keine Kampfflugzeuge mehr. So leistete etwa 2009 Tschechien den Luftpolizeidienst mit 14 Gripen also mit einer sechsmal kleineren Flotte als die Schweiz. «Aus diesem kleinen Potenzial konnte man sogar noch Flugzeuge abgeben, um die baltischen Republiken aus der Luft zu sichern» sagt Unterseher.

Für Testpilot-Hess ist es denkbar, dass die Schweizer Luftwaffe mit anderen Staaten zusammen trainiere. «Aber den eigenen Luftpolizei-Dienst sichern wir mit unseren Mitteln», so Hess.

Fast viermal so viele Flugzeuge wie Österreich

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Bildlegende: In Zukunft soll die Schweizer Armee mit dem Gripen und dem F/A-18 über 54 Kampfjets verfügen. SRF

Die Schweiz wird mit dem Gripen und dem F/A-18 künftig noch über 54 Kampfflugzeuge verfügen. Zum Vergleich: Österreich hat nur 15 Eurofighter.

Im Interview mit der «Rundschau» sagt der Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, Brigadier Karl Gruber, für den luftpolizeilichen Dienst würden die wenigen Flugzeuge «in beschränktem Masse» ausreichen. Weil Österreich momentan nicht «unmittelbar militärisch» bedroht sei, verzichte man auf Luftverteidigung vor feindlichen Angriffen und beschränke sich auf Luftpolizeidienst.

Für die Hochrüstung der Luftwaffe hätte man zehn Jahre Vorlaufzeit, glaubt Gruber. «Allerdings gibt es jetzt die ersten Diskussionen darüber, ob mit der Ukraine diese zehn Jahre nicht begonnen haben.»

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Die Position von Ueli Maurer

Mehr zum Gespräch mit Bundesrat Maurer finden Sie hier.

Verteidigungsminister Ueli Maurer sagt, man könne aus historischen Gründen Österreich nicht mit der Schweiz vergleichen. Die Siegermächte des 2. Weltkrieges hätten es dem Land lange untersagt, in die Luftwaffe zu investieren. «Österreich ist das schlechte Beispiel. So dürfen wir es nicht machen.» Den Gripen nicht zu kaufen, würde zu Zuständen wie im Nachbarland führen: wichtiges Know-how würde abgebaut, dass man sich dann später wieder teuer einkaufen müsse. Wenn schon, sei ein Vergleich mit Belgien und den Niederlanden angebracht, die gleich viele oder mehr Flugzeuge als die Schweiz hätten, so ein sichtlich emotional aufgeladener Maurer im «Rundschau»-Gespräch.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Gespräch: Ueli Maurer

    Aus Rundschau vom 16.4.2014

    Bundesrat