Velochaos oder zu wenige Plätze? Rund um den Bahnhof Bern stehen jeden Tag Hunderte Velos. Um diese parkieren zu können, hat die Stadt Bern vier überdachte Velostationen bauen lassen. Ausgelastet sind diese aber nur zur Hälfte. Trotzdem will die Stadt eine geplante Velostation noch vergrössern. Kostenpunkt: 12.5 Millionen Franken.
Die Situation ist die folgende: Laut Stadt sind die vier Stationen im Schnitt zur Hälfte ausgelastet. An Spitzentagen zu rund 70 Prozent, an schlechten Tagen sind weniger als 20 Prozent der Veloparkplätze in Gebrauch.
Politiker sind sich uneinig
Für SP-Stadtrat Lukas Schnyder ist klar: Künftig werde es rund um den Bahnhof Bern zu wenig Veloparkplätze haben. «Heute muss man rundherum parkieren. Man will schnellstmöglich auf den Zug gehen.»
SVP-Stadtrat Janosch Weyermann dagegen empfindet den Zustand rund um den Bahnhof zurzeit als unbefriedigend, wie er sagt. Er bezweifle, dass eine Velostation mit 50-prozentiger Auslastung rentabel sei.
Immer mehr Leute nutzen die Velostationen.
Darum gehe es gar nicht, entgegnet der Verkehrsplaner der Stadt Bern, Jurgen Mesman. Velostationen seien ein wichtiges Angebot einer Stadt. «Für uns ist wichtig, dass die Nutzung der Velostationen immer mehr zunimmt. Diesen Trend nach oben stellen wir in unseren Beobachtungen fest.» Es bestehe noch Luft nach oben, diese werde sich aber in den nächsten Jahren füllen.
Velos sollen versorgt sein
Das Ziel der Stadt Bern sei klar: Der öffentliche Raum solle den Fussgängerinnen und Fussgängern und der Aussenbestuhlung zustehen, sagt Jurgen Mesman. Dies klappe noch nicht wie gewünscht. Es brauche deshalb mehr Platz.
Geplant ist ein Neubau beim Bahnhof Richtung Länggasse mit 675 Plätzen. Dazu hat die Stadtberner Stimmbevölkerung bereits Ja gesagt. Offen ist noch, ob die neue Velostation ein zweites Untergeschoss für 12.5 Millionen Franken erhalten soll. Dies würde zusätzliche 520 Plätze schaffen.
Die Stadt könne von der Gelegenheit profitieren, dass der Bahnhof umgebaut wird. «Rund um den Bahnhof ist es nicht einfach, neue Veloabstellplätze zu planen und zu realisieren. Wenn man auf das SBB-Bauprojekt aufspringen kann, ist es viel effizienter, als eine komplexe Neuplanung zu starten», so der Verkehrsplaner der Stadt Bern.
Schlussendlich entscheidet die Stadtberner Stimmbevölkerung im September, ob sie den Neubau erweitern will oder nicht.
Professor unterstützt Vergrösserung der Velostation
Der Platz rund um die Bahnhöfe in der Schweiz sei begehrt, bekräftigt auch ein Experte. Alexander Erath ist Professor für Verkehr und Mobilität an der Fachhochschule Nordwestschweiz und sagt, der Bahnhof sei mehr als nur ein Umsteigepunkt.
Man baut eine Velostation für die Stunden, in welchen die grösste Nachfrage besteht.
«Der Bahnhof ist ein städtischer Knoten, wo man sich die Haare schneiden und die Nägel machen lassen kann.» Der Bereich rund um den Bahnhof solle ein attraktiver Ort sein und genügend Platz für Fussgängerinnen und Fussgänger haben, so Erath. «Für herrenlose Velos hat es je länger je weniger Platz.» Deshalb macht es aus seiner Sicht Sinn, mehr und grössere Velostationen zu bauen.
«Man baut schlussendlich so, dass die Velostation für die 30 Stunden pro Jahr, in denen die Nachfrage am grössten ist, ausreicht. Für den Rest des Jahres ist die Station dann halt nicht voll.» Dies liege in der Natur der Sache von Verkehrsinfrastrukturen, sagt der Verkehrsexperte Alexander Erath.