Beat Hürlimann baut am Greifensee seit zwei Jahren Weisse Lupinen an, unter anderem zur Herstellung von Kaffee. Doch die letzte Ernte verlief bitter: Die Pilzkrankheit Anthraknose vernichtete drei Viertel seines Ertrags.
Dazu kommen strenge Vorgaben zu Bitterstoffen, den sogenannten Alkaloiden. «Die erste Herausforderung ist der Anthraknose-Befall – die kann zu einem Totalausfall führen», erklärt der Landwirt. «Die zweite Herausforderung sind die Bitterstoffe, die beim Erntegut einen gewissen Wert nicht übersteigen dürfen.»
Züchtung der vielversprechendsten Lupine
Genau diese zwei Hürden stehen im Zentrum der Züchtungsarbeit von Miriam Kamp. Sie arbeitet für den gemeinnützigen Verein GZPK, der sich auf sogenannte Nischenkulturen spezialisiert hat. Das sind Pflanzenarten, die auf dem freien Markt gegenüber kommerziell dominanten Sorten wie Weizen oder Mais zunehmend vernachlässigt werden.
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Bild 1 von 4. Die Samen der Lupine sind eine gute Proteinquelle für Mensch und Tier. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. Miriam Kamp vom gemeinnützigen Verein GZPK will die vielversprechendste Sorte finden. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 4. Landwirt Beat Hürlimann baut die Pflanzen für den Lupinenkaffee an. Doch eine Pilzkrankheit hat ihn drei Viertel der letzten Ernte gekostet. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Gelingt eine marktreife Sorte, könnte die Lupine der Sojabohne Konkurrenz machen. Bildquelle: SRF.
Im Rahmen des Projekts LuZIA wird die Arbeit vom Bundesamt für Landwirtschaft finanziell gefördert. «Wir suchen Pflanzen mit positiven Eigenschaften und kombinieren sie», erklärt Miriam Kamp. «Zum Beispiel eine Pflanze mit sehr tiefen Bitterstoffgehalten, die wir mit einer kreuzen, die widerstandsfähig und resistent gegen Pilzkrankheiten ist.»
Auf den Versuchsfeldern wachsen derzeit 70 verschiedene Lupinentypen. Die vielversprechendsten Pflanzen werden per markergestützter Selektion, also anhand genetischer Merkmale, für die nächste Zuchtgeneration ausgewählt. Bis eine Sorte offiziell angemeldet und marktreif ist, vergehen noch etwa fünf Jahre.
Potenzial für die Ernährung von Mensch und Tier
Das Potenzial ist gross: Die Lupine ist trockenheitsresistent und standhaft gegenüber Starkwetterereignissen. Das sind Eigenschaften, die angesichts des Klimawandels an Bedeutung gewinnen. Ihre tiefen Wurzeln fixieren Stickstoff im Boden und machen sie zu einer wertvollen Pflanze in einer vielfältigen Fruchtfolge.
Agrarökologie-Dozent Roman Grüter fasst es so zusammen: «Die Lupine hat grosses Potenzial. Sie ist sehr proteinhaltig und kann als Alternative zu Soja als Tierfutter eingesetzt werden – aber auch für die menschliche Ernährung, für vegane Milch oder Fleischersatz.»
Gelingt die Züchtung, wäre die Lupine ein Baustein für eine Schweizer Landwirtschaft, die weniger abhängig von Soja-Importen ist – und besser gewappnet gegen die Risiken des Klimawandels.