Mit dem Sieg gegen Kolumbien hat die Schweizer Nati einen historischen Erfolg erzielt. Zum ersten Mal in der Fussball-Neuzeit steht die Schweiz in einem WM-Viertelfinal. Letztmals war dies an der Heim-WM 1954 der Fall. Doch damals war die (Fussball)-Welt eine ganz andere. Ein Vergleich.
Neuheit TV-Fussball
1954 schaute bei einer WM noch nicht die ganze Welt zu. Aber erstmals wurden die Spiele im Fernsehen übertragen. Da Fernsehapparate in heimischen Stuben zu dieser Zeit aber noch rar waren, wurden viele Spiele in Restaurants geschaut – eine frühe Form des Public Viewings also. Die Technik war logischerweise noch auf einem ganz anderen Stand. So wurde die Übertragung des WM-Finals zwischen Ungarn und Deutschland mit lediglich drei Kameras durchgeführt.
Dass das Zeitalter der TV-Unterhaltung noch in den Kinderschuhen steckte, zeigt auch ein Blick auf die Zuschauerzahlen: Je nach Quelle schauten zwar 1954 stattliche 40 bis 90 Millionen Menschen die Übertragungen vor den Schwarz-Weiss-Geräten, verglichen mit den 5 bis 6 Milliarden Zuschauern, die die Fifa für die WM 2026 prognostiziert hat, ist das aber noch ein bescheidener Wert. Eine wichtigere Rolle spielte damals noch das Radio: Der legendäre Kommentar von Herbert Zimmermann zum Finale zwischen Deutschland und Ungarn wurde erst später mit TV-Bildern unterlegt.
Der Messi kam aus Ungarn
Ein Blick auf die 16 Teilnehmermannschaften von 1954 (die WM war noch recht überschaubar) zeigt, dass die Hackordnung in der Fussballwelt noch eine andere war. Das absolute Nonplusultra war das ungarische Team um Superstar Ferenc Puskás, das dramatisch gegen Deutschland im Finale verlieren sollte. Ungarn bleibt in diesem Jahr aber nur die Zuschauerrolle und wartet sogar seit 1986 auf eine WM-Teilnahme.
Für den WM-Dritten von 1954, Österreich, war die diesjährige Teilnahme an den Sechzehntelfinals schon ein Erfolg. Und für den 54er-Weltmeister Deutschland scheint ein neues «Wunder von Bern» derzeit in weiter Ferne. Übrigens: Von den damaligen Viertelfinalisten sind nur noch zwei im aktuellen Turnier im Rennen: England und die Schweiz. Der aktuelle Viertelfinalgegner der Schweiz, Argentinien, war nicht an der WM dabei.
Die WM 1954 in Bildern
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Bild 1 von 9. Das «Wunder von Bern»: Die WM 1954 ist insbesondere in Deutschland in die Geschichtsbücher eingegangen. Die deutsche Mannschaft holte im Final im Berner Wankdorf gegen Ungarn sensationell den WM-Titel. Im Bild: Captain Fritz Walter und Trainer Sepp Herberger im Triumph auf den Schultern von begeisterten Anhängern. Bildquelle: KEYSTONE/Photopress-Archiv/STR.
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Bild 2 von 9. In Deutschland wird der WM-Titel auch als Beginn einer neuen Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg gedeutet. Auf das «Wunder von Bern» folgten das deutsche Wirtschaftswunder und die Rehabilitierung Deutschlands in der Welt. Im Bild: Deutsche Spieler bei einem Emfpang im ausverkauften Berliner Olympiastadion. Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/AP/Str.
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Bild 3 von 9. Die Helden ihrer Zeit: Ungarns Ferenc Puskás und der Deutsche Fritz Walter führen ihre Teams in den WM-Final im Wankdorf. Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/AP/Str.
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Bild 4 von 9. Auch die Technik war eine andere: Ein Funktionär mit Funkgerät und ein Pressefotograf im Wankdorf-Stadion. Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str.
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Bild 5 von 9. Ultras aus dem Osten: Österreichische Fans feuern ihre Mannschaft im Spiel gegen die Tschechoslowakei an. Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str.
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Bild 6 von 9. Gediegen diniert: Deutsche Spieler im Speisesaal des Hotels Belvedere in Spiez. Die deutsche Mannschaft bezog während der WM im Berner Oberland Quartier, wo der legendäre «Geist von Spiez» enstanden sein soll. Bildquelle: Keystone/AP Photo.
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Bild 7 von 9. Macht sich lang wie Gregor Kobel: Der Schweizer Goalie Eugène Parlier rettet im Viertelfinal gegen einen heranstürmenden Österreicher. Trotzdem verlieren die Schweizer mit 5:7. Es ist das torreichste Spiel der WM-Geschichte – bis jetzt. Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str.
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Bild 8 von 9. Handshake vor der Entscheidung: Der italienische Captain Pandolfini und der Schweizer Roger Bocquet beim Spiel in Basel. Die Schweiz gewinnt 4:1 und zieht ins Viertelfinal ein. Der grösste Erfolg der Schweizer Nati – bis jetzt. Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str.
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Bild 9 von 9. In letzter Sekunde: Der österreichische Goalie Kurz Schmied mit einer Parade im Vorrundenspiel gegen Uruguay im Zürcher Hardturm-Stadion. Gespielt wird auch in Bern, Lausanne, Genf, Basel und Lugano. Bildquelle: KEYSTONE/AP Photo.
Tickets an der Abendkasse
Während die Spiele 2026 trotz anfänglicher Bedenken meist ausverkauft sind, blieben 1954 immer wieder Plätze frei. Zwar war das Finale zwischen Ungarn und Deutschland im Berner Wankdorf restlos ausverkauft, doch bei anderen Spielen hielt sich das Interesse in Grenzen. Für alle Schweizer Gruppenspiele hätte man noch Billette an der Abendkasse kaufen können. Und sogar der legendäre Viertelfinal gegen Österreich war auf der Pontaise in Lausanne nicht ausverkauft – heute undenkbar.
Ein anderes Regelwerk
Auch das Fussball-Regelwerk war 1954 ein anderes. Während Murat Yakin mit bis zu fünf Auswechslungen die Taktik seiner Mannschaft anpassen kann, durften vor 72 Jahren keine Spieler ausgetauscht werden. Besonders hart spürte dies der österreichische Torwart Kurt Schmied im Viertelfinale gegen die Schweiz. Der Schlussmann bekam bei über 40 Grad auf der Lausanner Pontaise einen Sonnenstich und war teilweise orientierungslos. Die Schweiz ging mit 3:0 in Führung, verlor aber letztlich spektakulär mit 5:7. In der Schlussphase brach auch der Schweizer Verteidiger Roger Bocquet zusammen. Das Spiel ging als «Hitzeschlacht von Lausanne» in die Geschichtsbücher ein.