Trockene Böden, tiefe Gewässerpegel, wenig Regen: Die Hitze der letzten Wochen liess die Waldbrandgefahr in der Schweiz in die Höhe schnellen. Das Bundesamt für Umwelt stuft sie vielerorts als gross oder sehr gross ein.
Wenn ein Waldbrand ausbricht, braucht es Unmengen an Wasser, um das Feuer zu löschen. Dabei könnten die Anlagen in den Bergen, die im Winter Kunstschnee produzieren, im Ernstfall auch im Sommer eine wichtige Rolle spielen.
Gedanken in diese Richtung werden in Schweizer Skiregionen gemacht. Das zeigt etwa das Beispiel Adelboden Lenk im Berner Oberland. Hier gibt es einen Speichersee, von dem Wasserleitungen ins ganze Skigebiet führen. Über diese Leitungen werden im Winter die Schneekanonen mit Wasser gespeist.
«Im Sommer hätten wir auch die Möglichkeit, das Wasser durch diese Leitungen herunterzulassen», sagt Stefan Buchs, der Betriebsleiter der Bergbahnen Adelboden Lenk. Dort, wo es gebraucht würde, könnte die Feuerwehr das Wasser anzapfen. Und Löschhelikopter könnten auch direkt Wasser aus dem See holen.
Bisher wurde die Möglichkeit noch nicht gebraucht
Wenn irgendwo in der Region ein Brand ausbrechen würde, könnte die Feuerwehr mit den Bergbahnen Kontakt aufnehmen. «Hier oben kennt jeder jeden, da sind die Wege kurz», so Buchs. Man könne das Wasser bei Bedarf innert kurzer Zeit kilometerweit ins ganze Gebiet liefern.
Bisher wurde von dieser Möglichkeit noch kein Gebrauch gemacht. Aber es sei gut, für den Ernstfall einen solchen Plan in der Hinterhand zu haben, sagt der Berner Feuerwehr-Inspektor Christian Bieri: «Es ist wichtig, zu wissen, wie man im Ernstfall reagieren kann.» Der Kanton habe die Beschneiungsanlagen deshalb in seinen Einsatzplanungen vorgesehen.
Wenn wir mit unserem Wasser etwas verhindern können, sind wir niemandem böse.
Um im Brandfall schnell genug reagieren zu können, sorgt der Kanton auch dafür, dass das Wasser auf verschiedene Speicher verteilt ist. «Wir pumpen das Wasser zwischen verschiedenen Speicherseen hin und her», sagt Bieri. So könne man sicherstellen, dass jede Region genügend Wasser hat.
Doch was ist, wenn tatsächlich einmal ein Waldbrand gelöscht werden muss? Hiesse das, dass die Skigebiete im Winter kein Wasser mehr haben, um zu beschneien? Der Betriebsleiter der Bergbahnen Adelboden Lenk, Stefan Buchs, sieht da kein Problem: «Da bräuchte es schon einen riesigen Brand, damit alles Wasser aufgebraucht würde.»
Ausserdem hätten die Bergbahnen selbst auch ein Interesse daran, dass ein Feuer in ihrem Gebiet möglichst schnell gelöscht würde. «Wenn wir mit unserem Wasser etwas verhindern können, sind wir vielleicht im Winter etwas knapper dran – aber trotzdem wären wir da niemandem böse», so Buchs. Er wage aber zu behaupten, dass die Speicherseen im Herbst nicht leer sein würden – selbst wenn es einen Brand gäbe.