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Hoffnung für Wasserwerke Putzanlage säubert erstmals Leitungen von Quagga-Larven

Wenn Seewasser zu Trinkwasser aufbereitet wird, sind Quaggamuscheln ein Problem. Ihre Larven verstopfen die Leitungen. Am Bielersee gibt es jetzt eine Lösung.

Sie ist klein und gefrässig und vermehrt sich rasant schnell: Die Quaggamuschel – eingeschleppt aus dem Schwarzen Meer – droht in Schweizer Gewässern, Ökosysteme aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Quaggamuschel auf Gitter in schlammigem Wasser.
Legende: Als kleine Larven gelangen die Quaggamuscheln leicht an schwer zugängliche Orte – zum Beispiel Wasserleitungen in grosser Tiefe. KEYSTONE/Gaetan Bally

Auch Seewasserwerke, die Seewasser zu Trinkwasser aufbereiten, bleiben von der Invasion nicht verschont. Die winzigen Larven gelangen in Leitungen, wachsen zu Quaggamuscheln heran, verstopfen die Leitungen und verursachen Millionenschäden. Vom Genfer- bis zum Bodensee sucht man Möglichkeiten, die Muscheln einfach und effizient aus Leitungen zu verbannen. 

Das Seewasserwerk in Ipsach hat jetzt eine Putzanlage entwickelt, die Quaggamuschel-Larven aus den Leitungen entfernt, welche Wasser aus dem See in das Wasserwerk transportieren.

Ziel ist eine monatliche Reinigung, weil die Muschel so keine harte Schale entwickeln kann.
Autor: Roger Gloor Bau- und Betriebsverantwortlicher Energie Service Biel

Das Kernstück der Anlage ist eine Art überdimensionaler Pfeifenputzer. Dieser wird mit Druck in die Wasserrohrleitung im Seebereich geschoben. Dort schabt er die Larven der Muschel an den Innenwänden ab und lässt sie am Ende des Rohrs durch ein Sieb wieder in den See hinaus. Auf dem Weg zurück wird die Leitung noch ein zweites Mal geputzt.

Putzmaschine für Quaggalarven von Energie Service Biel.
Legende: Das neue Seewasserwerk in Ipsach bei Biel ist noch nicht fertig gebaut – die Reinigungsanlage drinnen ist aber bereits im Einsatz. SRF/Désirée Sauter

Seit Anfang des Jahres reinigt Energie Service damit die Leitungen regelmässig. «Einmal pro Monat ist das Ziel, weil die Muschel in diesem Zeitraum keine harte Schale entwickelt», sagt Roger Gloor, zuständig für den Bau und den Betrieb der Anlage.

Reinigung dieser Art ist eine Premiere

2015 wurde im Genfersee die schweizweit erste Quaggamuschel gesichtet. Seither läuft der Kampf gegen ihre Ausbreitung. In allen befallenen Schweizer Seen werden in aufwendigen Aktionen Taucher in die Tiefe geschickt, um sogenannte Ansaugkörbe an Rohrleitungen freizukratzen.

Auf eine Methode mit Boot und Taucher wollten wir verzichten.
Autor: Anna Schiff Projektleiterin neues Seewasserwerk

Die Methode am Bielersee – das sogenannte bidirektionale Reinigungssystem – sei bisher einzigartig und wurde mit externen Partnern entwickelt, sagt Roger Gloor.

Laut der Projektleiterin Anna Schiff kamen herkömmliche Methoden wie die Reinigungsmolche, die in Rohrleitungen eingesetzt werden, um festgesetzte Muscheln zu entfernen, nicht infrage. «Dafür braucht man immer mindestens ein Boot und meistens eine Person, die taucht. Darauf wollten wir verzichten.»

Reinigungsgerät kann Muschelausbreitung nicht stoppen

Die Resultate der neuen Reinigungsanlage in Ipsach am Bielersee seien gut, sagt Anna Schiff. Die neue Methode bewährt sich also im Kampf gegen die Quaggamuschel-Larven.

Für die ökologische Katastrophe im See gibt es trotz der Reinigungsanlage noch keine Lösung.

Der Ausbreitung der Muschel selbst kann die Putzanlage jedoch auch nicht entgegenwirken. «Der ökologischen Katastrophe, die sich im See abspielt, sind wir genauso machtlos ausgeliefert. Dafür gibt es noch keine Lösung», sagt Anna Schiff.

Auf das Seeökosystem habe die neue Reinigungsanlage absolut keinen Einfluss. Auch Roger Gloor betont: «Was die Auswirkung der Quaggamuschel angeht, sind wir zu spät.»

Interesse anderer geweckt

Immerhin: Bei der Entfernung von Larven ist man einen Schritt weiter. Die Versorgung mit Trinkwasser sei sichergestellt, da die Rohre jederzeit gereinigt werden können, so Roger Gloor.

Ein wichtiger Aspekt für Energie Service Biel, welcher fast das gesamte Trinkwasser der Gemeinden Biel und Nidau aufbereitet. Und das Interesse am Patent ist geweckt: «Wir sind stark im Austausch mit anderen Werken, weil sie an einem ähnlichen Punkt stehen, wie wir.» Hoffentlich habe man die Kolleginnen und Kollegen aus der Branche inspirieren können.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 16.6.2026, 17:30 Uhr ; 

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