In Thun auf die Welt gekommen, im Berner Jura und in Schaffhausen aufgewachsen, in Bern studiert – und jetzt im Bündnerland in die Politik einsteigen. Die Bernerin Manuela Gebert will der Personalnot trotzen und in Albula das Amt der Gemeindepräsidentin übernehmen. Die Gemeinde war in jüngster Zeit wegen des Felssturzes im Dorf Brienz bekannt geworden, das zur Gemeinde Albula gehört.
Wenn Wohnen, Arbeiten und Politisieren nicht in der gleichen Gemeinde stattfinden, kann das zu Diskussionen führen. Bekanntestes Beispiel ist wohl die Abwahl des Schaffhauser SP-Politikers Simon Stocker. Laut Bundesgericht hatte er zum Zeitpunkt seiner Wahl zum Ständerat im November 2023 seinen Wohnsitz nicht in Schaffhausen, sondern in Zürich.
Bei Manuela Gebert ist die Situation eine andere. Ihren Hauptwohnsitz hat sie im Kanton Graubünden. In Bern, wo sie eine Anwaltskanzlei führt, ist sie als Wochenaufenthalterin gemeldet. «Ich wohne seit ein paar Jahren in Albula und fände es schön, wenn ich dort noch mehr verwurzelt wäre.»
Vor zwei Jahren habe sie realisiert, dass der amtierende Gemeindepräsident aufhören möchte und sich keine Nachfolgelösung abzeichnete. Also sei er Gemeindepräsident geblieben, sagt Manuela Gebert. Das habe ihr zu denken gegeben.
Warum immer denken, der andere solls machen? Stell dich doch selbst zur Verfügung.
Deshalb habe sie ihn kontaktiert und sich über das Amt informieren lassen. Sie habe zwar mit Gemeinden zu tun, selbst eine Gemeinde geführt habe sie aber noch nie. «Warum immer denken, der andere soll es machen? Stell dich doch selbst zur Verfügung.» Sie sei überzeugt, dass es ein Gemeindepräsidium brauche. «Jemand muss es machen.»
Ich habe mein Leben nie geplant.
In Albula ein Dorf – in Bern eine Anwaltskanzlei führen. So stellt sich Manuela Gebert ihr Leben in Zukunft vor. Ob ihr das Politisieren in der 1300-Seelen-Gemeinde ohne Erfahrung gelingen wird? Sie wisse es nicht, aber sie packe es mal an, meint Gebert. «Ich habe mein Leben nie geplant. Wenn etwas Neues auf mich zukommt, schaue ich es an und mache es einfach.»
«Ich bin sehr vielseitig interessiert. Es macht mir Freude, mich in verschiedene Gebiete einzuarbeiten.» Manuela Gebert ist in mehreren Verwaltungsräten und Stiftungsräten aktiv, singt Sopran und ist Pilotin. Bei der Fluggruppe Reichenbach war sie Präsidentin, auch dort stand niemand sonst zur Verfügung.
Das «Nein-Sagen» falle ihr manchmal schwer. Trotzdem sei dies nicht der Grund, dass sie das Gemeindepräsidium in Albula übernehmen wolle. Sie habe es sich gut überlegt, der Entscheid sei nicht einfach aus einer Laune heraus entstanden.
Als Bernerin gut integriert
Einen Fuss habe sie immer im Kanton Bern gehabt, bis heute. Manuela Gebert spricht Berndeutsch. «Das ist wohl der einzige Punkt, der mich von den Einheimischen in Albula unterscheidet.» Ihre Kandidatur fürs Präsidium sei ausschliesslich positiv aufgenommen worden, erzählt sie.
Ich werde nicht als Auswärtige angeschaut.
Sie wohne bereits seit einigen Jahren in Albula. Dass sie vorher an einem anderen Ort gelebt habe, sei kein Thema. «Ich werde nicht als Auswärtige angeschaut. Ich wurde vom ersten Moment an gut integriert.»
Über die Gemeinde Albula ist sie noch nicht geflogen. Auch Pendeln würde die ausgebildete Pilotin nicht mit dem Flugzeug. «Ich fahre entweder Zug oder Auto, seit ein paar Jahren fliege ich nicht mehr.»
Ihr Mann und Hund Nelly würden immer mal wieder mitreisen – egal, ob sie am 14. Juni die Wahl zur Gemeindepräsidentin schafft oder nicht. Die Chancen stehen indes gut. Denn Manuela Gebert kandidiert als Einzige.