Thomas Minder sagt zur Vergütung von 24.9 Millionen Franken: «In den letzten zwölf oder dreizehn Jahren ist kein CEO-Gehalt mehr über 15 Millionen Franken gestiegen – nun dieser Auswuchs bei Novartis. Novartis hat ein Rekordjahr mit Milliardengewinn, elf Prozent mehr Umsatz und einer höheren Dividende.» Der gute Geschäftsverlauf wird auch vom ehemaligen Ständerat aus Schaffhausen anerkannt, der als Parteiloser die sogenannte Abzocker-Initiative vor dem Volk deutlich durchgebracht hat.
Wenn ein Verwaltungsrat solche Gehälter noch genehmigt, ist der Einzige, der es korrigieren kann, der Aktionär.
Aber dieses Gehalt sei «absolut störend». Minder sagt: «Wenn ein Verwaltungsrat solche Gehälter noch genehmigt, ist der Einzige, der es korrigieren kann, der Aktionär.» Minder bleibt bei seinem liberalen Standpunkt, dass nicht der Staat Vergütungsvorschriften machen solle.
Bezüglich der Aktionäre wünscht sich Thomas Minder: «Dass die grossen institutionellen Anteilseigner, vor allem der AHV-Ausgleichsfonds und die staatlichen Pensionskassen, etwa der SBB, der Swisscom und des Bundes, schon im Vorfeld offenlegen, dass sie diese Gehälter nicht durchwinken wollen. Die haben ein gewaltiges Druckmittel.»
CEO-Löhne sind ein heikles Thema
Das Thema Managerlöhne ist bis heute heikel. Auf Anfrage von Radio SRF äussern sich weder der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse noch der Branchenverband Interpharma zur Vergütung für den Novartis-CEO.
Das Topmanagement der grössten hundert Schweizer Unternehmen hat Guido Schilling im Blick. Er ist Headhunter und sucht Führungskräfte für Schweizer Firmen. Darum durchleuchtet er mit dem «Schillingreport» jeweils die Zusammensetzung der Topkader. Auch für ihn bewegt sich das Gehalt beim Novartis-CEO in einer Grössenordnung, die man zuletzt in der Schweiz nicht mehr gesehen hat.
International sei diese Vergütung aber nicht aussergewöhnlich, sagt Guido Schilliing: «In den USA wäre sie kaum eine Schlagzeile wert. Genau darin liegt die Spannung: Ein CEO eines grossen Schweizer Unternehmens wird global entlöhnt, aber lokal wahrgenommen.»
Wenn Topvergütungen deutlich steigen, während breite Teile der Bevölkerung unter steigenden Lebenshaltungskosten leiden, entsteht zwangsläufig Konfliktpotenzial.
Die Schweiz müsse sich bewusst sein: Wenn sie global führende Unternehmen habe und diese im Land halten wolle, dann müsse man die Vergütungen mit einem globalen Massstab bewerten. Das berge aber Konfliktpotenzial, sagt Schilling: «Solche Beträge sind immer ein politischer Reizpunkt. Wenn Topvergütungen wieder deutlich steigen, während breite Teile der Bevölkerung unter steigenden Lebenshaltungskosten leiden, entsteht zwangsläufig Konfliktpotenzial. Es ist gut möglich, dass diese Diskussionen alte Fronten zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft neu beleben.»
Diskussion um höhere Medikamentenpreise
In der Schweizer Gesundheitspolitik fällt diese üppige Vergütung mitten in die Diskussion um höhere Medikamentenpreise in der Schweiz. Diese werden von den Pharmaunternehmen nach einer Einigung mit der US-Regierung verlangt.
Diese Vergütung zeigt, dass der CEO eher egoistisch funktioniert als zum Wohle des Pharmastandorts Schweiz.
Hannes Germann (SVP/SH) präsidiert die ständerätliche Gesundheitskommission. Zum Gehalt des Novartis-CEO sagt er: «Das steht aus nationaler Sicht völlig quer in der Landschaft. Es ist unschweizerisch und es hilft auch dem Pharmastandort Schweiz nicht, sich global zu etablieren. Und genau das würden wir brauchen. Es zeigt auch, dass der CEO eher egoistisch funktioniert als zum Wohle des Pharmastandorts Schweiz.»
Die Vergütung von 24.9 Millionen Franken für Novartis-CEO Vas Narasimhan dürfte auch bei der Beurteilung höherer Medikamentenpreise im Bundeshaus Nebenwirkungen haben.