Die letzten neun Monate waren schwierig für Heinz Weber. Nach einer Lungenembolie wäre er fast gestorben. Seit neun Monaten liegt er im Spital Bülach ZH, war immer wieder auf der Intensivstation.
«Du bist hier drin so lange alleine, kämpfst mit Medikamenten, mit Nebenwirkungen, vermisst deine Familie. Schlussendlich beginnst du, die Löcher in der Decke zu zählen, nur um dich abzulenken», sagt Weber.
«Und dann kommt der Hund und der lenkt dich in ganz andere Bahnen. Dann denkst du einfach wieder etwas positiver.»
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Bild 1 von 4. Sozialhündin Oriana hat Heinz Weber während seiner schwierigen Zeit auf der Intensivstation Kraft und Zuversicht geschenkt. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. Dass der Hund auf einer Intensivstation sein darf, ist aufgrund von Hygienevorschriften keine Selbstverständlichkeit. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 4. Mittlerweile gehört Oriana aber zu den beliebtesten Mitarbeiterinnen im Spital Bülach. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Aber: Sie stellt nach wie vor eine Ausnahme dar im Spitalbetrieb in Bülach. Bildquelle: SRF.
Gemeint ist damit Oriana, eine 14-jährige Labradorhündin. Als eines der ersten Spitäler in der Schweiz lässt das Spital Bülach einen Hund auf die Intensivstation. «Wenn du die Gelegenheit bekommst, dass du so ein Tier auf einer Intensivstation bekommen kannst, das Wärme ausstrahlt, das zu dir ins Bett liegt und sagt, dass du nicht alleine bist, dann bringt dir das einfach unheimlich viel», meint Heinz Weber.
Hund auf Intensivstation braucht Regeln
Dass Oriana überhaupt auf die Intensivstation darf, ist aufgrund von Hygienevorschriften aussergewöhnlich. Zwar gibt es auch im Spital Bülach schon länger Besuchshunde auf der Palliativstation, aber auf einer Intensivstation, wo Menschen um ihr Leben kämpfen und jede Infektion fatal sein kann, ist der Vierbeiner keine Selbstverständlichkeit.
Darum sagt auch Stefan Schöne, Leiter Pflege auf der Intensivstation: «Ich habe erstmal die Bremse gezogen, als ich davon gehört habe. Weil, grundsätzlich: Tiere, Haustiere haben Keime.»
Rund ein Jahr lang hat das Spital Bülach deshalb ein Konzept ausgearbeitet. Dieses regelt zum Beispiel, welche Patientinnen und Patienten mit dem Hund in Kontakt kommen dürfen, aber auch, wie Oriana gepflegt sein muss.
«Sie darf kein rohes Fleisch essen», sagt Hundeführerin Christine Bucher. «Sie muss geimpft und entwurmt sein, regelmässig vom Tierarzt kontrolliert und immer ganz sauber gehalten und geputzt sein. Das können wir einhalten.»
Grosser Einfluss auf Genesung und Psyche
Mittlerweile ist Oriana feste Mitarbeiterin auf der Intensivstation im Spital Bülach und liefert einen wertvollen Beitrag zur Genesung der Patientinnen und Patienten.
Was wir sehen, ist Entspannung, Freude, ein Blutdruck, der sich reguliert, eine Herzfrequenz, die sich normalisiert.
Die Patientinnen würden sehr gute Rückmeldungen geben, sagt Pflegeleiter Stefan Schöne. So habe beispielsweise ein Patient gesagt, er würde sich zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder wie ein Mensch fühlen. «Was wir sehen, ist Entspannung, Freude, ein Blutdruck, der sich reguliert, eine Herzfrequenz, die sich normalisiert.»
Auch Heinz Weber sagt, der Kontakt mit Oriana habe einen grossen, positiven Effekt gehabt. Nicht nur, wenn sie anwesend war, sondern auch, wenn er sich darauf gefreut habe, dass sie wiederkomme. Und das macht sie nun regelmässig.