- Vor einer Woche verendeten mehrere hundert Fische und Flusskrebse im Tegelbach bei Frauenfeld TG.
- Jetzt ist klar: Verschmutztes Industrieabwasser tötete die Tiere. Es stammt von einer Tochterfirma der Schweizer Zucker AG.
- Beim Tegelbach kam es in den letzten sieben Jahren bereits zu vier anderen Verschmutzungen mit Fischsterben – alle der Zuckerfabrik geschuldet.
Mehrere hundert Fische und Flusskrebse starben Anfang Juli im Tegelbach in Frauenfeld TG, weil das Wasser verschmutzt war. Von einem lokalen Unternehmen lief dreckiges Abwasser in den Bach. Die toten Tiere wurden auf einer Länge von rund drei Kilometern aufgefunden.
Das dreckige Abwasser stammte von der Bioenergie Frauenfeld AG. Geschäftsführer Sebastian Sauerbeck bestätigt gegenüber SRF einen entsprechenden Bericht der Thurgauer Zeitung: «Wir hatten in einem Rohr eine Verstopfung, wodurch Abwasser über einen uns nicht bekannten Weg in den Tegelbach gelangte.»
Zum aktuellen Vorfall sagt Bioenergie-CEO Sauerbeck, man untersuche nun, wie es zu dieser Verstopfung im Rohr kommen konnte: «Wir sind in sehr engem Kontakt mit dem Amt für Umwelt, um diesen Fall aufzuarbeiten.»
Beim Kanton Thurgau ist die Abteilung Abwasser und Anlagensicherheit des Amts für Umwelt zuständig. Dieses Amt nahm die Pläne für das Abwassersystem ab, als die Bioenergie Frauenfeld AG vor sechs Jahren gebaut wurde.
Dort heisst es: An diesen Plänen habe es nichts auszusetzen gegeben. Abteilungsleiter Manuel Tille sagt: «Aus unserer Sicht war das Entwässerungskonzept im Baugesuch sehr gut.» Dem Konzept sei mit wenigen, eher allgemeineren Auflagen zugestimmt worden.
Tille sagt weiter: «Das vorliegende Schadensereignis ist eher auf eine Störung zurückzuführen als auf eine falsche Planung.» Es stehe aber auch die Frage im Raum, ob das Unternehmen die Leitungen besser hätte unterhalten müssen: «Das ist Gegenstand einer der Untersuchungen.»
Situation am Tegelbach «gibt zu denken»
Ebenfalls in die Baueingabe involviert war die Stadt Frauenfeld. Dort hält man sich mit Aussagen zum erneuten Fischsterben zurück und verweist auf das laufende Verfahren. Stadtbauingenieur Sascha Bundi sagt, die Situation rund um den Tegelbach gebe zu denken: «Es ist nie gut, wenn ein solches Tiersterben festgestellt werden muss. Die Stadt Frauenfeld erwartet, dass sämtliche Betriebe ihre Anlagen gemäss gesetzlicher Vorgaben betreiben und unterhalten.»
Und weiter: «Nur wenn alle Beteiligten ihre Verantwortung übernehmen, können Gewässer wie der Tegelbach nachhaltig geschützt werden.»
Wer in diesem aktuellen Fall die Verantwortung übernimmt, bleibt offen. Die Aufgaben der Baukontrolle und der Baupolizei obliegen der Stadt, heisst es vom Kanton. Die direkte Aufsicht über Industrie- und Gewerbeabwasser und die entsprechende Kontrolle der Anlagen liege aber beim kantonalen Amt für Umwelt, heisst es von der Stadt. Diese sei nur für die öffentliche Kanalisation zuständig.
Die betroffene Bioenergie Frauenfeld AG spricht von einer unglücklichen Verknüpfung von Umständen. Ein Unglück, das mehreren hundert Fischen und Flusskrebsen das Leben kostete. Tiere, die der Kanton im Tegelbach erst im Frühjahr neu angesiedelt hat – wegen einer früheren Verschmutzung.