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Justizvollzug Statt Gefängnis will Zürich Time-outs für jugendliche Straftäter

Der Kanton Zürich hat zu wenig Platz für jugendliche Straftäter – und gar keine Plätze für junge Straftäterinnen. Für eine bessere Integration in die Gesellschaft sollen weniger Jugendliche ins Gefängnis und mehr für kürzere Zeit in Time-outs.

Es ist ein kleiner Teil aller Jugendlichen, der so schwere Delikte begeht, dass die Bestrafung nicht mit einer Busse oder einem Verweis erledigt ist. Der Kanton Zürich spricht von einem Prozent jugendlicher Straftäter, die ins Gefängnis müssen. «Diese Minderheit prägt die Diskussion zum Thema Jugendgewalt und fordert das Betreuungssystem heraus» sagt die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) vor den Medien.

Diese Jugendlichen werden aktuell im Gefängnis untergebracht - in der Jugendabteilung des Gefängnisses Limmattal in Dietikon. Platz hat es dort für 24 junge Männer, Plätze für delinquente Mädchen fehlen gänzlich.

Diese Unterbringung ohne Beschäftigung und spezifische Betreuung ist nicht für alle Jugendliche das Richtige, wie ein neuer Bericht zeigt. Denn im Gefängnis sei es schwierig bis unmöglich, mit den jungen Menschen zu arbeiten, weitere Straftaten zu vermeiden und einen Weg zurück in die Gesellschaft zu finden. Für sie brauche es nicht strengere Gesetze, sondern die richtigen Unter­bringungs­möglichkeiten, sagte Jacqueline Fehr.

Heute werden jugendliche Straftäter im Gefängnis Limmattal in Dietikon untergebracht (Archivbild)
Legende: Heute werden jugendliche Straftäter im Gefängnis Limmattal in Dietikon untergebracht. (Archivbild) Keystone/Ennio Leanza

Künftig brauche es vor allem mehr Time-out-Plätze, sagt Roland Zurkirchen, leitender Zürcher Oberjugendanwalt. «Im Time-out kann man die Jugendliche während einiger Wochen oder Monate stabilisieren, geschlossener halten und wieder beruhigen.» Eine solche Unterbringung soll möglichst nicht im Gefängnis stattfinden.

Time-out für akute Krisensituationen

Der Kanton Zürich will deshalb eine Überbrückungsstation mit Wohngruppen für sogenannte Time-outs. In der geschlossenen Station sollen sich Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren zwischen einer Woche und maximal drei Monaten aufhalten. In diesen Time-outs sollen Jugendlichen in akuten Krisensituationen aufgenommen und betreut werden. Dafür werde nun eine Machbarkeitsstudie aufgegleist.

Als Zwischenschritt – bevor die neue Einrichtung in Betrieb genommen werden kann – eröffnet die Justizdirektion im Massnahmenzentrum Uitikon neun neue Time-out-Plätze für Straftäter im Alter zwischen 16 und 18 Jahren.

Jugendabteilung im Gefängnis wird verkleinert

Bereits heute werden im Massnahmenzentrum Uitikon 58 männliche, kriminelle Jugendliche und junge Erwachsene betreut. Dieser Ort sei für Time-outs besser geeignet als das Gefängnis Limmattal, sagte die Justizdirektorin, denn hier erhalten sie jugendspezifische Therapieangebote sowie Beschäftigung. Im Gefängnis Limmattal werden die Plätze für Jugendliche entsprechend von 24 auf 15 reduziert.

Im Massnahmenzentrum Uitikon sollen neun Time-out-Plätze eingerichtet werden für jugendliche Straftäter.
Legende: Im Massnahmenzentrum Uitikon werden heute schon straffällige Jugendliche untergebracht. Neu sollen neun Time-out-Plätze eingerichtet werden für Straftäter im Alter zwischen 16 und 18 Jahren. Keystone/Ennio Leanza

Weiter plant der Kanton Zürich bessere Angebote für straffällige Mädchen, für Straftäter mit geistiger Behinderung und kriminelle, minderjährige Asylsuchende. «Es braucht passgenaue Angebote für alle Jugendliche», sagte Jacqueline Fehr. Dabei sei Zürich auf die Kooperation mit anderen Kantonen angewiesen, weil die Zahlen zu klein seien für innerkantonale Lösungen.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 5.2.2026, 12:03 Uhr ; 

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