An der Aarauer Bahnhofstrasse sind sie regelmässig zu sehen. Und auch kaum zu überhören. Autoposer, welche ihr Automobil auf der Strasse zeigen wollen. Schnell und vor allem laut.
So war es auch bei jenem 26-jährigen Familienvater, der mit seinem BMW M3 – einem teuren Auto mit viel PS – im Mai letzten Jahres an der Bahnhofstrasse unterwegs war und seinen Auspuff mit Absicht laut knallen liess, wie er selbst sagte. Direkt hinter ihm war ein Patrouillenfahrzeug der Kantonspolizei Aargau unterwegs.
Extra laut und ein illegaler Frontspoiler
Wegen seines lauten Fahrstils wurden die Polizisten auf den jungen Lenker aufmerksam. Sie hielten den 26-Jährigen an und unterzogen sein Fahrzeug einer Kontrolle. Dabei stellte sich heraus, dass am BMW neben dem besonders lauten Fahrmodus auch ein illegaler Frontspoiler montiert worden war.
Deswegen und wegen weiterer geringfügiger Delikte wurde der Auto-Poser per Strafbefehl zu einer Busse von 1300 Franken verurteilt, zuzüglich einer Strafbefehlsgebühr von 600 Franken. Der fehlbare Lenker hätte also einen Betrag von 1900 Franken bezahlen müssen, und dann hätte diese Geschichte hier geendet.
Doch der 26-Jährige war mit dem Strafbefehl nicht einverstanden. Er zog die Angelegenheit vor Gericht. Bei der Verhandlung diese Woche gab er alles zu. Er erklärte, dass er es «toll» fände, wenn er in seinem schönen Boliden von seinen Mitmenschen gesehen und gehört würde.
Zur Busse kommen Gerichtskosten hinzu
Dass es illegal sei, seinen Motor extra knallen zu lassen, habe er nicht gewusst. Ausserdem verdiene er nicht viel und könne sich die Busse gar nicht leisten.
Der Richter des Aarauer Bezirksgerichts hatte jedoch kein Gehör für die Argumente des Lenkers. Er sprach ihn in allen Anklagepunkten für schuldig. Zusätzlich zu den 1900 Franken Bussgeld und der Gebühr für den Strafbefehl muss der junge Familienvater nun auch noch 1500 Franken für die Gerichtskosten bezahlen.
Lärmliga fordert Lärmblitzer
Die Aargauer SP-Nationalrätin Gabriela Suter begrüsst das Urteil des Aarauer Bezirksgerichts im Prinzip. Als Präsidentin der Lärmliga Schweiz sind ihr Auspuffknaller ein Dorn im Auge. Lärm verursache Stress und sei deshalb ungesund, betont Suter. Sie würde sich aber eigentlich wünschen, dass Auspuffknaller nicht nur mit Bussen, sondern auch noch mit einem Entzug des Führerscheins bestraft würden.
Ausserdem: «Beim Poser-Lärm gibt es ein grosses Vollzugsproblem», sagt Suter. Die Polizei müsse für einen solchen Fall eigentlich vor Ort sein und direkt Kontrollen durchführen. «Dazu fehlen die personellen Ressourcen.» Sie fordert daher Lärmblitzer, wie sie zum Beispiel in England oder Taiwan eingesetzt werden. «Die Lärmblitzer erkennen zu laute Fahrzeuge – und dann kann man die fehlbaren Lenker zur Kontrolle aufbieten.»
«Weniger Lärm in Tempo-30-Zonen»
Dass die Aarauer Bahnhofstrasse ein Hotspot für Autoposer ist, beurteilt auch Gabriela Suter so. «Ich habe den Eindruck, dass der Poserlärm in den Tempo-30-Zonen an der Bahnhofstrasse abgenommen, doch ausserhalb wieder zugenommen hat.»