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Kapuzinerkloster Olten Historisches Museum Olten übernimmt Klosterschätze

Die Auflösung des Kapuzinerklosters Olten brachte historische Funde ans Licht. Viele davon sind nun im Museum.

Wer schon einmal umgezogen ist, kennt das: Beim Räumen der Wohnung tauchen auf einmal Gegenstände auf, die man schon längst vergessen hatte. Ein verloren geglaubtes Buch, eine besondere Münze oder ein alter Kerzenständer.

Bei der Räumung des Kapuzinerklosters im Olten, welches die letzten Brüder im Sommer 2024 verlassen hatten, spielte sich Ähnliches ab. Nur dass die aufgetauchten Objekte zum Teil jahrhundertealt sind – das Kloster weist eine fast 400-jährige Geschichte auf.

Ein Wunschzettel für das Museum

Bereits als die Klosterbrüder im Sommer 2024 ihre alten Möbel oder alten Briefe in die Mulden warfen, begutachtete Luisa Bertolaccini, Leiterin des Historischen Museums Olten, die Räumung des Klosters mit Argusaugen. Zahlreiche interessante Objekte konnte sie dabei entdecken. Vor allem der Estrich habe sich als historische Schatzkammer erwiesen. Statuen aus Holz, Bilder, Kisten mit Knochen von Heiligen, Gewänder und vieles mehr.

Statuen von Jesus und Engeln
Legende: Bei der Räumung des Kapuzinerklosters in Olten wurden etliche Statuen, Bilder und Schreine an das Historische Museum Olten übergeben. zvg / Historisches Museum Olten

Alles zu retten, wäre nicht möglich gewesen, sagt Bertolaccini. Es ging darum, eine gute Auswahl zu treffen. «Ich habe eine Art Wunschzettel gemacht und einige Objekte mit Post-it-Zetteln markiert, auf denen HMO stand.» HMO steht für das Historische Museum Olten.

Bei ihrer Auswahl konzentrierte sich Bertolaccini vor allem auf Objekte, die in direktem Zusammenhang mit dem Standort Olten stehen. Heiligenbilder, welche zwar qualitativ hochstehend gewesen seien, aber auch sonst wo hätten stehen können, schafften es nicht in die engere Auswahl.

Luisa Bertolaccini, Leiterin Historisches Museum Olten
Legende: Museumsleiterin Luisa Bertolaccini trat teilweise des «Erbe» des Kapuzinerklosters an. SRF / Christoph Studer

Die ausgewählten Gegenstände wurden zudem einer Qualitätskontrolle unterzogen. Besonders bei hölzernen Objekten sei dies wichtig gewesen. «Wir haben in einigen Gegenständen aktive Holzwürmer entdeckt», sagt die Museumsleiterin. Diese Gegenstände wurden in der Begasungsanlage des Landesmuseums behandelt, bevor sie ins Depot des Museums kamen. «So haben wir sichergestellt, dass wir keine Holzwürmer importieren.»

Die Knochen des heiligen Theodor

Ein besonderes Stück aus dem ehemaligen Kloster, welches nun sauber poliert im Depot des Oltner Museums liegt, ist der Reliquienschrein, der die Knochen des heiligen Theodors enthalten soll. Der heilige Theodor war Schutzpatron von Venedig und starb im vierten Jahrhundert nach Christus.

Schrein mit Knochen
Legende: In diesem Schrein sollen sich die Knochen des heiligen Theodor befinden. SRF / Christoph Studer

Ob es tatsächlich seine Knochen sind, da sei Skepsis geboten, sagt Luisa Bertolaccini. So wie bei vielen katholischen Reliquien. «Es gibt einen Witz über Johannes den Täufer: Wenn man all die Fragmente seiner Hand, welche über Europa verstreut sind, zusammenzählen würde, dann hätte er mindestens zehn Hände gehabt.»

Objekte unter drei Institutionen aufgeteilt

Nur ein Teil der Objekte des Kapuzinerklosters ging an das Historische Museum Olten, ein anderer Teil an das Bistum Basel und ein weiterer an das Provinzarchiv der Schweizer Kapuziner in Luzern.

Es sei aber nicht ein Gerangel oder gar ein Bieterwettstreit um die besten Stücke aus dem Nachlass des Klosters entstanden, sagt Luisa Bertolaccini. Im Gegenteil: «Wir waren jeweils erleichtert, wenn wir gesehen haben, dass dieses Objekt oder jenes Bild von jemandem übernommen werden kann und so für die Nachwelt gesichert ist.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 6.2.2026, 17:30 Uhr ; 

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