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KI an Hochschulen Schummeln Studierende mit KI? Kaum jemand kann es belegen

Eine Umfrage bei 31 Schweizer Hochschulen zeigt: Nur die wenigsten prüfen auf KI-Plagiate. Dafür wird auf Vertrauen gesetzt.

KI-Tools können ganze Seminararbeiten schreiben. Die Verlockung für Studierende scheint real: Badi statt Bibliothek? Doch wie gross ist das Problem der KI-Plagiate bei Hochschulen tatsächlich? SRF hat eine exklusive Umfrage bei 31 Schweizer Hochschulen gemacht. Die Antworten zeigen, dass KI im Studienalltag angekommen ist, aber die Hochschulen gehen sehr unterschiedlich damit um.

Offiziell nur wenige Betrugsfälle

Die Pädagogische Hochschule Luzern verzeichnete seit Anfang 2023 27 Arbeiten, in denen KI unerlaubterweise zum Einsatz kam. Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) registrierte in den letzten zwei Jahren 17 solcher Fälle. Die ETH bestätigt Fälle im «niedrigen einstelligen Bereich pro Jahr». Viele weitere Hochschulen führen keine gesonderte Statistik, berichten aber von einzelnen Fällen in den letzten Jahren.

Auf den ersten Blick scheinen diese Zahlen sehr tief, die Zahl der klassischen Plagiate war in derselben Zeit jeweils höher. Haben Schweizer Hochschulen also kein Problem mit KI-Plagiaten? Die Antworten der Umfrage könnten auf etwas anderes hindeuten: Da kaum gemessen wird, dürfte die Dunkelziffer erheblich sein.

KI-Tools wie ChatGPT überall erlaubt

Die Berner Fachhochschule (BFH) zählt KI-Betrugsfälle bewusst nicht: «Eine gesonderte Statistik zu KI-spezifischen Fällen führen wir nicht, weil wir KI-Nutzung grundsätzlich nicht als Betrugstatbestand behandeln, sondern als Kompetenzfrage.» Auch die anderen Hochschulen sehen den Umgang mit KI als wichtige Kompetenz.

Grundsätzlich erlauben und fördern alle Hochschulen den Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT. Im Gegenzug verlangen sie Transparenz. Die Studierenden müssen jeweils deklarieren, wo und zu welchem Zweck sie KI nutzen.

KI-Tools sollen assistieren, nicht die komplette Denkarbeit übernehmen. «Der Einsatz von KI soll das Lernen unterstützen und nicht ersetzen. Entscheidender Bestandteil des Lernerfolgs bleibt die akademische Eigenleistung», schreibt die Universität St. Gallen und vertritt damit eine weitverbreitete Haltung bei Schweizer Hochschulen.

Schwierig zu kontrollieren

Der Vertrauensvorschuss an den Hochschulen ist gross. Vielleicht auch aus Mangel an Alternativen. Denn ob eine Eigenleistung tatsächlich erbracht wurde oder nicht, ist einem Text nur schwer anzumerken. Betrugsfälle mit KI in Abschlussarbeiten sind nur schwer zu erkennen oder gar zu beweisen.

Mindestens 11 der 31 angefragten Hochschulen setzen Software mit KI-Detektoren ein, um Betrugsfälle zu erkennen. Sie betonen jedoch unisono, dass diese Systeme nur bedingt verlässlich sind und nur ergänzende Hinweise liefern können. Andere Hochschulen schliessen KI-Detektoren aus diesen Gründen kategorisch aus. Solche Software könne auch zu falschem Verdacht und damit im schlimmsten Fall zu einer schlechteren Bewertung führen, wenn die Dozierenden einen KI-Betrug vermuten, so etwa die Universität Lausanne.

Mehrere Menschen sitzen an Tischen in einer grossen Bibliothek mit Regalen.
Legende: Lieber Badi statt Bibliothek? Die Verlockung, mit KI die Abschlussarbeit zu schreiben, ist gross. Keystone / Gaëtan Bally

Andere Indizien für fehlende Eigenleistung lassen sich leichter verschleiern, etwa das klassische Copy-Paste-Plagiat. Anstatt ganze Textabschnitte einfach zu übernehmen, lassen sich fremde Texte mit grossen KI-Sprachmodellen leicht und schnell paraphrasieren. Die Kalaidos Fachhochschule und die Universität St. Gallen beobachten beide einen Rückgang der klassischen Plagiatsfälle.

Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass die Erkennung von KI-Texten nicht nur für Software, sondern auch für Menschen schwierig ist. In einem Experiment haben Forschende gezeigt, dass Lehrpersonen nicht in der Lage sind, zwischen KI-Texten und von Schülern geschriebenen Aufsätzen zu unterscheiden.

Anpassung an die neue Realität

Trotzdem setzen die Hochschulen auf das Fachwissen ihrer Dozierenden. Sie würden die Arbeiten eng betreuen und so Auffälligkeiten entdecken. Etwa wenn sich der Schreibstil in den Texten abrupt ändert oder erfundene Quellen aufgeführt werden. Die Hochschulen nutzen vermehrt mündliche Prüfungen und Präsentationen, um das Verständnis zu überprüfen, und setzen auf regelmässige Zwischenversionen, um den Fortschritt transparent zu machen.

Es ist ziemlich illusorisch, sich vorzustellen, einen vollständigen Studiengang abzuschliessen, indem man alles an die KI delegiert.
Autor: Universität Lausanne

Fachhochschulen setzen auf ihren hohen Praxisbezug und auf fachliche Kompetenzen, bei denen KI nur bedingt verwendet werden kann. An der Zürcher Hochschule der Künste «dominieren praktische Leistungsnachweise wie Werke, Präsentationen, Aufführungen oder Prototypen». Die Ostschweizer Fachhochschule schreibt: «Rein theoretisches Wissen oder potenziell KI-generierte Inhalte mit Bezug zur Fachliteratur spielen eine untergeordnete Rolle. KI-generierte Inhalte haben deshalb nur einen begrenzten Einfluss auf die Leistungsnachweise von Studierenden.»

Die Universität Lausanne widerspricht dem Generalverdacht dezidiert: «Es ist ziemlich illusorisch, sich vorzustellen, einen vollständigen Studiengang abzuschliessen, indem man alles an die KI delegiert.» Auch die ETH geht davon aus, «dass die grosse Mehrheit der Studierenden ihre Leistungen eigenständig und redlich erbringt».

Tagesschau, 22.6.2026, 19.30 Uhr

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