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KI-Kurse für Ältere Allein mit der App: Isolation wegen ChatGPT?

Pro Senectute bietet KI-Kurse für Senioren an. Ein Thema ist: Wie ChatGPT einsam machen kann, statt zu verbinden.

Antworten auf Alltagsfragen, Hilfe bei der Reiseplanung, Buchtipps: Dass Assistenten mit künstlicher Intelligenz unterstützen, hat sich in kurzer Zeit bei vielen Menschen zur Gewohnheit entwickelt. Nicht nur junge Leute nutzen die digitalen Helfer, auch die ältere Generation. Pro Senectute etwa bietet eigens Kurse an, zu Chancen und Gefahren von ChatGPT und Co.

Frau steht vor Präsentation über ChatGPT-App und KI.
Legende: Das KI-generierte Bild zum Start in den KI-Kurs mit Leiterin Daniela Portmann. SRF

Die Nachfrage sei gross, sagt Daniela Portmann, die in Wohlen AG einen KI-Kurs für Seniorinnen und Senioren gibt. Sie zeigt praktisch, wie man die ChatGPT-App im Alltag nutzen kann. Es gebe ängstliche, interessierte und kritische Teilnehmende. Und sie mache die Erfahrung, dass Ältere generell kritischer im Umgang mit künstlicher Intelligenz seien als die Jungen.

Macht ChatGPT Lebenserfahrung überflüssig?

Ein Gesprächsthema im Kurs der Pro Senectute: die Gefahr, sich in der App zu «verlieren». Wer allein ist, könne mit der KI wie mit einem Menschen interagieren, so Portmann. «Und so isoliert man sich noch mehr.»

Auch einige Kursteilnehmende sehen diese Gefahr. Brigitta Graf zum Bespiel sagt, für sie sei die KI-App etwas Technisches. «Ich erhalte immer gute Antworten. Ich kann mir vorstellen, dass die KI sehr interessant ist für jemanden, der einsam ist oder das Gespräch sucht.» So könne der menschliche Kontakt verloren gehen.

Teilnehmer Roland Hubler stimmt das nachdenklich: «Bis anhin hat man jemanden nach Rat gefragt, der über ein Thema Bescheid wusste. Jetzt kann man die KI fragen. So vereinsamt man, anstatt dass man sich anderen gegenüber öffnet.» Zudem könne man sich nie sicher sein, ob die Auskünfte von ChatGPT korrekt seien.

Zwei Personen sitzen an einem Tisch und verwenden Smartphones.
Legende: Brigitta Graf und Roland Hubler sehen Chancen und Gefahren der Anwendung von künstlicher Intelligenz. SRF

Hubler ergänzt: «Durch unser Alter haben wir eine grosse Lebenserfahrung. Dieses Wissen möchten wir weitergeben. Aber was, wenn man merkt, dass es der Enkel selbst checken kann? Er braucht das Wissen und die Erfahrung der Grosseltern vielleicht gar nicht mehr.»

Dank KI nicht abgehängt werden

Kursleiterin Daniela Portmann sieht aber auch eine Chance. Dank KI sei es möglich, mit anderen Menschen weiter kommunizieren zu können. Dass man von der persönlichen Kommunikation nicht abgehängt werde, sondern dabeibleibe.

Dazu erzählt sie ein persönliches Beispiel: «Mein Vater kann nicht mehr sprechen. Er hatte aber früh den Zugang zur KI und dadurch können wir heute mit ihm in Kontakt bleiben.» Künstliche Intelligenz könne helfen, dass Menschen daheim oder in einem Heim nicht einsam bleiben. Die Medaille habe wie so oft zwei Seiten. Wichtig sei, dass man auch hier den gesunden Menschenverstand einsetze.

Gartentipps statt Handlungsanweisung

Klar ist: ChatGPT und andere KI-Tools sind auf dem Vormarsch. Laut dem Bundesamt für Statistik benutzt rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung solche Anwendungen. Bei den über 55-Jährigen ist es etwa ein Drittel.

Person hält ein Smartphone über einem Tisch mit Brillenetui und Schreibwaren.
Legende: Den gesunden Menschenverstand müsse man auch im Umgang mit KI einsetzen, finden die Kursteilnehmenden. Viele setzen für Notizen im Kurs ganz analog auf Papier und Stift. SRF

Die Teilnehmenden am Kurs der Pro Senectute in Wohlen sind zwischen Mitte 60 und Ende 70 Jahre alt. Nach dem Vormittag wissen sie nun, was ChatGPT kann, was nicht und auch, wo man aufpassen muss. Sie wissen auch, dass man sich vom virtuellen Helfer lieber Gartentipps oder Kochideen geben lassen soll, als Ratschläge mit grösserer Auswirkung auf das Leben.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 15.04.2026, 17:30 Uhr ; 

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