In der Küche des Pflegeheims Meierhöfli im luzernischen Sempach geht es an diesem Vormittag noch nicht geschäftig zu und her. Im Hintergrund läuft leise das Radio, ein gleichmässiges und rhythmisches Geräusch erfüllt den Raum.
Noor Mohammad Nek Mohammad ist gerade daran, Rüebli zu rüsten. Ravioli mit Tomatensauce und Gemüsestreifen stehen heute Mittag auf dem Menüplan.
Vor kurzem hat er die Lehre als Küchenangestellter bestanden. Zwei Jahre war er in der Küche des Pflegeheims in der Ausbildung. «Ich bin zufrieden – und mein Team ist zufrieden mit mir», sagt Nek Mohammad.
Von Tag eins an hat er mich mega beeindruckt.
Um seine Geschichte zu erzählen, geht es nach draussen, auf die Terrasse des Pflegeheims. Die Sonne scheint. Etwas weiter unten glitzert der Sempachersee. Der junge Mann sitzt an einem runden Tisch, zusammen mit Küchenchef Tobias Minder.
«Von Tag eins an hat er mich mega beeindruckt», sagt Minder. Dass jemand so anpacke, engagiert sei und das Beste aus einer schwierigen Situation mache, das imponiere ihm.
Vor acht Jahren floh Noor Mohammad Nek Mohammad aus Afghanistan in die Schweiz. Zuerst kam er in einem Bundesasylzentrum unter. «Ich konnte kein Deutsch, kein Wort. Es war wirklich schwierig», erzählt er.
Auf sich allein gestellt
Er versuchte, sich die Sprache allein beizubringen – nutzte Youtube-Videos und besuchte offene Treffen, um Deutsch zu lernen und Leute kennenzulernen. Da er allein floh, seine Eltern seien inzwischen verstorben in Afghanistan, habe er selbst kochen müssen.
Nek Mohammad kochte auch für seine neuen Kolleginnen und Kollegen. «Sie haben mich auch dazu motiviert, eine Lehre in der Küche zu starten.» Vor zwei Jahren konnte er dann in Sempach mit der Ausbildung starten.
Küchenchef Minder würde sofort wieder jemanden anstellen mit einer ähnlichen Geschichte. Es fehle allerdings vielerorts noch am Verständnis. «Man muss Geflüchteten eine Chance geben», findet er. «Vielleicht ist es am Anfang schwierig mit der Sprache, aber Menschen entwickeln sich.»
Grosse Unterstützung im Betrieb
Damit Nek Mohammad in der Berufsschule mithalten konnte, benötigte er mehr Zeit. Der Betrieb gab ihm deshalb einen Nachmittag in der Woche frei zum Lernen und eine pensionierte Lehrerin unterstützte ihn dabei.
Wenn die Menschen glücklich sind, macht mich das auch glücklich.
Jetzt hat er den Lehrabschluss als Küchenangestellter in der Tasche. Wie geht es für ihn jetzt weiter? In Sempach kann er nicht mehr lange bleiben, das Pflegeheim hat keine freie Stelle.
Nek Mohammad würde aber gerne weiterhin kochen – in einem Pflegeheim oder in einem Spital. «Wenn die Menschen dort eine feine Mahlzeit haben, sind sie glücklich. Und das macht mich dann auch glücklich.»
Später möchte er eine Lehre zum Koch absolvieren – jetzt aber ist es im Meierhöfli Zeit für das Mittagessen. Noor Mohammad Nek Mohammad geht zurück in die Küche, um zusammen mit Tobias Minder die Ravioli zu kochen.