In der iranischen Diaspora schaut man in der Schweiz mit einer Mischung aus Sorge, Beunruhigung und leichter Hoffnung in die alte Heimat. Rund 6000 Exil-Iranerinnen und -Iraner leben in der Schweiz. Einerseits sind viele froh über die Intervention und die Schwächung des brutalen Regimes, andererseits löst der neue Krieg Betroffenheit aus.
Einige haben seit dem Beginn des Krieges nichts von ihren Familien und Bekannten gehört. Mozghan Rasouli, Geschäftsführerin eines persischen Spezialitätenladens im zürcherischen Seebach, versuchte am Montagnachmittag, ihre Familie in Teheran zu erreichen. «Meine Schwester hat ständig Angst und hat geschrien, mit der Tochter und dem Mann, weil die Umgebung ihres Zuhauses bombardiert wurde.» Es sei momentan sehr schwer für sie, sagt sie unter Tränen.
Die Sorge um die Familie teilen viele Kunden, die in den Spezialitätenladen kommen. Ein Mann teilt mit, dass seine Familie sich seit Tagen in einem Bunker befinde. «Wir haben im Keller einen Bunker eingerichtet, weil wir gewusst haben, dass so eine Situation kommt.»
Wir denken, mit Bomben kann man keine Demokratie herbeiführen.
Am Sonntagmorgen hatte der Iran den Tod von Ajatollah Ali Chamenei bestätigt. Während viele den Tod des religiösen Oberhaupts feiern, ist klar: Das Mullah-Regime ist nicht weg. Majid Bani Talebi sieht den Angriff ambivalent. Der Besitzer des Pars Market Seebach sieht den Angriff ambivalent. «Wir denken, mit Bomben kann man keine Demokratie herbeiführen», so Talebi.
«Man soll die Leute im Iran in Ruhe lassen, dass sie selbst entscheiden, nicht durch irgendwelche ausländische Mächte versuchen, Demokratie herbeizuführen. Denn ich denke nicht, dass das gut geht. Das hat nicht funktioniert in Afghanistan, auch nicht im Irak und wahrscheinlich auch nicht im Iran.»
Manche setzen auf Reza Pahlavi
Auch Awin Tavakoli ist voller Sorge um ihre Familie. Die Juristin hatte am Montagnachmittag seit Samstag nichts von ihren Eltern gehört.
Zuerst muss das islamische Regime entmachtet werden.
«Mein Elternhaus ist gegenüber Chameneis Palast, und seit ich gehört habe, dass sie seinen Palast dem Erdboden gleichgemacht haben, kocht es in meinem Herzen. Daher konnte ich mich auch nicht eigentlich so richtig wie alle anderen Iraner über seinen Tod freuen.»
Für sie ist der Weg in die Zukunft klar: Zuerst müsse das islamische Regime entmachtet werden, und Reza Pahlavi, der Sohn des einst gestürzten Schahs, soll die neue Führung übernehmen. «Mit allem Respekt gegenüber anderen potenziellen Kandidaten: Herr Reza Pahlavi ist im Moment der meistgerufene Kandidat im In- und Ausland.»
Zwischen Angst und Aufbruch
Hossein Maleki versteht sehr gut, welches Gefühl das iranische Volk jetzt hat. Heute ist er Taxifahrer, vor 36 Jahren hat er selbst im Iran für Demokratie gekämpft – und dafür teuer bezahlt. «Ich habe selbst diese Repression erfahren», so Maleki. «Ich war ungefähr elf Jahre im Gefängnis, nur weil ich ein normales Leben gesucht habe. Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit für alle im Iran.»
Der Tod des totalitären Herrschers Chamenei ist für Maleki ein Lichtblick für eine demokratische Zukunft. «Er war das Symbol für den Tod. Er war nicht nur ein diktatorischer Führer, er war das Symbol von Folter, Repression und des Todes des iranischen Volkes.»
Von der Zukunft ihres Landes haben Iranerinnen und Iraner unterschiedliche Vorstellungen. Was sie aber teilen: Sie wollen endlich Freiheit für die Menschen im Iran.