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Kultcafé im Appenzellerland Café Spörri: Als in Teufen sogar der Bundesrat einkehrte

In den 1960er und 70er Jahren hatte das Café im Wiener Stil – mit Süssem nach französischem Rezept – seine Blütezeit. Nun widmet sich dem Kaffeehaus in Teufen eine Ausstellung.

Die Geschichte begann mit Jacques Spörris Wanderjahren als Konditor während der Belle Époque. Sie führten ihn vor dem ersten Weltkrieg von Genf über Marseille bis nach Paris. Die Zeit dort, beim weltbekannten österreichischen Confiseur Anton Rumpelmayer, prägte ihn nachhaltig.

Handgeschriebene Rezepte in einem Büchlein.
Legende: Rezepte aus der Fremde. Zeughaus Teufen

Als Lohn gab es auf der Wanderschaft kein Geld, aber Spörri nahm viel Wissen mit nach Hause. Er eröffnete ein erstes Restaurant im Chräzerli in Urnäsch, später führte er das Restaurant Peter Rotmonten in der Stadt St. Gallen, bis er schliesslich 1931 mit der Familie nach Teufen zog und dort eine Bäckerei übernahm. Diese führte er bis in die 50er-Jahre. Dann übernahm Sohn Peter mit seiner Frau Helen.

Meine Eltern kämpften um einen Kredit und wagten den Um- und Anbau.
Autor: Hanspeter Spörri Enkel des Confiseurs Jacques Spörri

Das Café Spörri war damals noch nichts Glamouröses, erzählt der Enkel von Jacques Spörri, Hanspeter Spörri. Seine Eltern hätten um einen Kredit von 350'000 Franken gekämpft, damit sie die Bäckerei um- und anbauen konnten. «Das schlug ein wie ein Blitz», sagt Hanspeter Spörri.

Erfolg vom ersten Tag an

Das Café sei vom ersten Tag an voll gewesen – so voll, dass die Leute in den Gängen standen und das Servicepersonal kaum durchkam, sagt Hanspeter Spörri. Die Liste von prominenten Gästen wuchs stets an.

Die Gäste kamen von weit her, erzählt Hanspeter Spörri. Aber auch aus dem Dorf Teufen kehrte man im Spörri ein. Bundesräte, Touristen, Studierende, Politikerinnen, das Dorforiginal – die Gästeschar war bunt.

So zähmte die Wirtin die Metzgerlehrlinge

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«Die Metzgerstifte benahmen sich zum Teil sehr rüpelhaft», erzählt Hanspeter Spörri. Seine Eltern seien aufgefordert worden, die jungen Berufsleute aus dem Café zu werfen. Sie würden nicht ins Klientel passen. Das kam für Helen Spörri nicht in Frage.

«Meine Mutter nahm eine Platte mit Cremeschnitten und stellte sie den Metzgerstiften hin – mit der Bemerkung, das sei für sie, weil sie so treue Gäste seien», sagt Spörri. Die jungen Metzgerleute hätten grosse Augen gemacht und sich künftig anständig benommen.

Zu den prominenten Gästen gehörten unter anderem die Bundesräte Kurt Furgler und Arnold Koller; der damalige Erbprinz und spätere liechtensteinische Fürst Hans-Adam der Zweite sowie die amerikanische Sängerin und Ikone Josephine Baker.

Arme Leute, die ans Backstubenfenster klopften, bekamen immer etwas Kuchen.
Autor: Hanspeter Spörri Enkel des Confiseurs Jacques Spörri

Der Familie von Peter und Helen Spörri war es wichtig, für alle da zu sein. Kinder oder Leute ohne Geld, die ans Backstubenfenster klopften, bekamen immer etwas Kuchen. Die offene Art und Grosszügigkeit waren laut Sohn Hanspeter Spörri auch Teil der Zutaten, dass das Café Spörri gut lief.

Der Sohn will das Geschäft nicht

Die Familie Spörri hat das Café und den Laden sieben Mal saniert und erweitert. Dass Sohn Hanspeter Spörri das Geschäft nicht übernehmen würde, war bald klar. Er war Journalist aus Leidenschaft und sagt von sich: «Ich hätte das nicht gekonnt.»

Ausstellung «Stadtcafé im Appenzellerland»

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Das Zeughaus Teufen zeigt die Geschichte des Café Spörri – von 1932 bis 2012. Die Ausstellung soll die Kunst der Patisserie dokumentieren. Aber auch einen Beitrag leisten zur Debatte um Baukultur und den Wandel des Dorflebens.

Die Familie verkaufte es in den 1980er Jahren an einen deutschen Konzern, zu dem die Confiserie Feller AG gehörte. 20 Jahre lang lief das Café weiter. Es ging langsam aber sicher bergab. «Es wurde bei wichtigen Details gespart», vermutet Hanspeter Spörri heute. Es sei nicht mehr investiert worden. Zwar hat 2001 die Appenzeller Familie Sutter das Café gekauft. Das Haus war aber so alt und ungepflegt, dass nur ein Neubau die Rettung gewesen wäre.

Die Bevölkerung hatte den Mythos des Cafés im Kopf, aber niemand hatte eine Lösung für die Zukunft.
Autor: Hanspeter Spörri Enkel des Confiseurs Jacques Spörrii

Es gab in Teufen einen grossen öffentlichen Streit über das Café. «Die Bevölkerung hatte den Mythos des Cafés im Kopf und man merkte, dass dieser Mythos verloren ging», sagt Spörri. Aber niemand wusste, wie man das Café hätte restaurieren können. Es gab keine Lösung. Das Kultcaféhaus wurde 2011 verkauft und wird seither als Privathaus genutzt. Ein wichtiger Treffpunkt für alle ging verloren.

Regionaljournal Ostschweiz, 4.5.2026, 12:03 und 17:30 Uhr ; 

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