Sie ist gut zwei Kilometer lang und eineinhalb Kilometer breit, eingeklemmt zwischen der Stadt Zug und drei Agglomerationsgemeinden, zwischen Zugersee und Autobahn – inmitten eines boomenden Siedlungsgebiets also. Die Rede ist hier von der Lorzenebene.
Nun erhält sie von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz die Auszeichnung «Landschaft des Jahres». Die Lorzenebene ist tatsächlich ein erstaunlicher Flecken Land. Hier geht man am Bauernhof mit den weidenden Kühen vorbei, sieht die Hochspannungsleitung und die Skyline von Zug, hört den Lärm der Autobahn, spaziert am See entlang.
«Dieses Nebeneinander von Erholung, Landwirtschaft und Natur zu organisieren, ist hier besonders gut gelungen. Und auch wie diese Koexistenz gelebt wird», sagt Franziska Grossenbacher, Co-Geschäftsleiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.
Dass es die Lorzenebene überhaupt noch gibt, ist nicht selbstverständlich. Mit dem wachsenden Siedlungsgebiet kamen im 20. Jahrhundert neue Begehrlichkeiten für die Ebene auf: So wurden kurz vor dem Zweiten Weltkrieg Ideen für einen Militärflugplatz wieder fallen gelassen.
Flughafen- und Autobahnpläne
Wenige Jahre später unterlag die Lorzenebene Zürich-Kloten im Wettbewerb um einen Interkontinentalflughafen. 1958 stand zudem im Raum, die Autobahn N4 quer durch das Ufergebiet zu führen.
All diese grossen Pläne scheiterten zwar, doch die Bevölkerung im Kanton Zug wuchs rasant. Die boomende Stadtlandschaft hatte Folgen für die Lorzenebene. Sie schrumpfte zunehmend.
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Bild 1 von 2. 1970 ist die Lorzenebene eine noch ziemlich unberührte Landschaft,. Bildquelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv .
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Bild 2 von 2. Heute ist das Gebiet besiedelter. Der Kanton Zug ist aber bemüht, die Natur zu erhalten. Bildquelle: Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.
Das Wachstum war nicht mehr zu stoppen. Seit dem Jahr 2000 ist die Bevölkerung im Kanton Zug um 34 Prozent gewachsen. Doch genau zu diesem Zeitpunkt fand plötzlich in Sachen Lorzenebene ein Umdenken statt, sagt Martina Brennecke.
Sie setzt sich als Projektleiterin im Zuger Amt für Raumentwicklung für den Erhalt der Ebene ein: «Vor allem die Gemeinden haben gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann. Dass die Ebene, wenn es so weitergeht, komplett überbaut ist.» Und das wollten sie nicht.
2004 zog der Kanton Zug deshalb eine Siedlungsbegrenzunglinie, um die unbebaute Ebene zu erhalten. Doch wie sie genutzt werden sollte, musste zuerst noch ausgehandelt werden. Es wurde ein langer Prozess mit Workshops und Bevölkerungsbefragungen. Dabei seien sämtliche Anspruchsgruppen an einem Tisch gesessen. Die Verhandlungen seien nicht leicht gewesen.
Am Ende entstand aber ein Leitbild, das Eingang in die kantonale Richtplanung gefunden hat. Seither wurde die Lorzenebene aufgewertet, das Seeufer umgestaltet, die Zugänglichkeit für Velos sowie Fussgängerinnen und Fussgänger verbessert.
Die Lorzenebene sei ein gutes Beispiel, dass Agrarlandschaften auch dann erhalten werden könnten, wenn die Bevölkerung stark wachse, sagt Franziska Grossenbacher von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: «Wie dieses Miteinander gelingen kann, das ist modellhaft.»
Bei der Lorzenebene zeige sich exemplarisch, was vorausschauende Raum- und Landschaftsplanung bewirken kann, heisst es bei der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Darum verdiene dieser Landfleck das Prädikat «Landschaft des Jahres».
Die Auszeichnung ist mit 10’000 Franken dotiert. Die Preisträgerinnen sind die Korporation Zug (stellvertretend für Landeigentümer und Landeigentümerinnen), der Kanton Zug, die Stadt Zug sowie die Gemeinden Baar, Cham und Steinhausen.