Worum geht es? In Neuenkirch fand am Donnerstag die erste Landsgemeinde des Kantons Luzern statt. Der Gemeinderat lockte die Stimmberechtigten mit einem festlichen Rahmenprogramm an die Veranstaltung: Unter freiem Himmel spielten verschiedene Musikformationen, dazu gab es Getränke und Essen. Das Ziel der vorerst einmaligen Veranstaltung war es, wieder mehr Leute für die Gemeindeversammlung zu begeistern.
Weshalb diese Landsgemeinde? Die Gemeindeversammlung sei ihnen sehr wichtig, sagt Marcel Wolfisberg, der Gemeindepräsident von Neuenkirch. «Sie ist ein schönes demokratisches Element, bei dem die Leute direkt etwas bewegen können.» Verschiedene Massnahmen hätten sie schon umgesetzt, um die Versammlungen zu vergrössern: Der politische Teil wurde auf 1.5 Stunden gekürzt, danach gibt es jeweils einen Apéro. «Seither wächst die Gemeindeversammlung. Doch wir wollten wissen, wie wir noch mehr Leute gewinnen können.»
Wie lief die Veranstaltung ab? Die Gemeinde errichtete unter freiem Himmel ein regelrechtes Festgelände: je eine Bühne für den Gemeinderat und eine für die Unterhaltung. Zudem gab es mehrere Getränkestände, einen Verpflegungsstand sowie eine Bar. Vor und nach dem politischen Teil spielten verschiedene Musikformationen aus der Gemeinde. Für die eigentliche Landsgemeinde waren zwei Stunden reserviert.
Wie reagierte die Bevölkerung? Die Bürgerinnen und Bürger von Neuenkirch nahmen die Idee mehrheitlich positiv auf. Gegenüber SRF sagten einige, dass sie sonst keine Gemeindeversammlungen besuchen, diesen Anlass aber nicht verpassen wollten. «Es wurde richtig Werbung gemacht», sagte etwa ein Mann. «Da dachte ich mir: Coole Sache, ich gehe hin.» Eine Bürgerin, die erst vor sechs Wochen in die Gemeinde gezogen ist, wurde vom Gemeindepräsidenten höchstpersönlich auf die Landsgemeinde aufmerksam gemacht. «Ich bin hier, um die Leute kennenzulernen. Toll, wie das hier organisiert ist.»
Das sagt die Bevölkerung
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Bild 1 von 7. Sie sei politisch interessiert, sagt Cécile Baumeler, vor allem am Parkplatzreglement, das auf der Traktandenliste steht. «An die Gemeindeversammlung gehe ich jedoch selten.» Unter anderem sei es aufwendig, jeweils eine Betreuung für die Kinder zu finden. «Heute ist mein Mann zu Hause geblieben.». Bildquelle: SRF/Markus Föhn.
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Bild 2 von 7. Das Konzept der Landsgemeinde sei interessant, sagt Steffi Durrer. Deshalb sei sie gekommen. «Ich gehe zwar abstimmen, doch an der Gemeindeversammlung war ich noch nie.» Als alleinstehende Mutter und selbstständige Geschäftsfrau fehle es ihr an Zeit. Bildquelle: SRF/Markus Föhn.
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Bild 3 von 7. Auch er lasse die Gemeindeversammlung jeweils aus, sagt Daniel Rauch. «Ich hatte mir schon lange vorgenommen, eine zu besuchen. Jetzt nutze ich diese Gelegenheit.» Ihm gefalle die Landsgemeinde. «Es kommt richtig Feststimmung auf.». Bildquelle: SRF/Markus Föhn.
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Bild 4 von 7. Er stimme immer ab, sagt der 20-jährige Lars Nebiker, an einer Gemeindeversammlung sei er jedoch noch nie gewesen. «Ich wusste bis jetzt gar nicht, dass es dies gibt.» An die Landsgemeinde sei er gekommen, weil er im Vorfeld viel davon gehört habe. Bildquelle: SRF/Markus Föhn.
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Bild 5 von 7. Antoinette Sigrist wohnt erst seit ein paar Wochen in Neuenkirch. «Die Landsgemeinde ist super, um Leute kennenzulernen», sagt sie. Bildquelle: SRF/Markus Föhn.
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Bild 6 von 7. Gemeindeversammlungen hätten etwas Altmodisches, sagt Philipp Bättig. Ausserdem habe er nie wirklich erfahren, wann sie stattfinden. «Das ist etwas Neues, und es ist spannend, das zu sehen.» . Bildquelle: SRF/Markus Föhn.
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Bild 7 von 7. Er sei zum ersten Mal an einer solchen Versammlung, sagt der 20-jährige Noah Duss. «Ich bin noch nicht lange stimmberechtigt und bin wegen meines Militärdienstes noch nicht dazugekommen.» Für die Landsgemeinde habe es einen grossen Aufruf gegeben. «Da dachte ich mir, das wird sicher spannend.». Bildquelle: SRF/Markus Föhn.
Hat es funktioniert? Tatsächlich zog die Landsgemeinde deutlich mehr Publikum an als eine gewöhnliche Gemeindeversammlung. Der Gemeinderat erfasst 723 stimmberechtigte Personen. «Das ist eine Stimmbeteiligung von etwas mehr als 15 Prozent», so Gemeindepräsident Wolfisberg. Zum Vergleich: An einer Gemeindeversammlung finden sich in Neuenkirch sonst etwa 150 Personen ein. «Unsere Erwartungen wurden übertroffen», sagt der Gemeindepräsident, «wir hätten mit 500 bis 600 Leuten gerechnet.»
Wie nachhaltig ist das? Es sei einen Versuch wert, um zusätzliche Personen für die Gemeindeversammlung zu begeistern, ordnet der Demokratieforscher Hans-Peter Schaub ein. «Das Gemeinschaftserlebnis kann helfen, die Versammlung zu stärken.» Allgemein zögen Landsgemeinden mehr Leute an als Gemeindeversammlungen. «Trotzdem erwarte ich keinen allzu grossen Effekt», schränkt Schaub ein. Der Haupttreiber für die Teilnahme an solchen Versammlungen sei das politische Interesse der Stimmberechtigten. «Daran ändern auch solche Massnahmen nichts.»
Wie geht es weiter? Es wird sich zeigen, ob der Erfolg der Landsgemeinde die Teilnahme an regulären Gemeindeversammlungen nachhaltig erhöht. Diese finden weiterhin statt. Jedes Mal ein Fest zu organisieren, um die Leute zur Teilnahme zu bewegen, das ist zu aufwendig. «Wir überlegen uns, alle drei Jahre eine solche Landsgemeinde zu veranstalten», sagt der Gemeindepräsident. Nach dem Erfolg vom Donnerstag seien sie motiviert, die Idee weiterzuverfolgen.