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Landsgemeinde mit Fest Politik als Volksfest: Neuenkirch testet die Landsgemeinde

Worum geht es? In Neuenkirch fand am Donnerstag die erste Landsgemeinde des Kantons Luzern statt. Der Gemeinderat lockte die Stimmberechtigten mit einem festlichen Rahmenprogramm an die Veranstaltung: Unter freiem Himmel spielten verschiedene Musikformationen, dazu gab es Getränke und Essen. Das Ziel der vorerst einmaligen Veranstaltung war es, wieder mehr Leute für die Gemeindeversammlung zu begeistern.

Menschenmenge vor einer Bühne im Freien bei Tageslicht.
Legende: Weil im Kanton Luzern keine Landsgemeinden vorgesehen sind, habe es im Vorfeld einiges an Abklärungen gebraucht, sagt Gemeindepräsident Marcel Wolfisberg. «Die Organisation war aufwendig.» SRF/Markus Föhn

Weshalb diese Landsgemeinde? Die Gemeindeversammlung sei ihnen sehr wichtig, sagt Marcel Wolfisberg, der Gemeindepräsident von Neuenkirch. «Sie ist ein schönes demokratisches Element, bei dem die Leute direkt etwas bewegen können.» Verschiedene Massnahmen hätten sie schon umgesetzt, um die Versammlungen zu vergrössern: Der politische Teil wurde auf 1.5 Stunden gekürzt, danach gibt es jeweils einen Apéro. «Seither wächst die Gemeindeversammlung. Doch wir wollten wissen, wie wir noch mehr Leute gewinnen können.»

Gemeindeversammlungen verlieren an Bedeutung

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Die Teilnahme an Gemeindeversammlungen hat in der gesamten Schweiz stetig abgenommen. «Ende der 1980er-Jahre lag sie bei 15 bis 20 Prozent. In den 2010er-Jahren, als die Zahlen zum letzten Mal systematisch erhoben wurden, waren es noch 10 Prozent.» Das sagt der Demokratieforscher Hans-Peter Schaub.

Aktuelle Studien des Aargauer Zentrums für Demokratie zeigen an gewissen Orten einen noch stärkeren Rückgang. In den Aargauer Gemeinden lag die Beteiligung an den Gemeindeversammlungen bei durchschnittlich 8.9 Prozent. Im Kanton Zürich waren es im Jahr 2023 sogar nur 3.4 Prozent.

Wie lief die Veranstaltung ab? Die Gemeinde errichtete unter freiem Himmel ein regelrechtes Festgelände: je eine Bühne für den Gemeinderat und eine für die Unterhaltung. Zudem gab es mehrere Getränkestände, einen Verpflegungsstand sowie eine Bar. Vor und nach dem politischen Teil spielten verschiedene Musikformationen aus der Gemeinde. Für die eigentliche Landsgemeinde waren zwei Stunden reserviert.

Eine Blaskapelle in roten Hemden marschiert auf einer Strasse bei einem Freiluftkonzert.
Legende: Zur musikalischen Unterhaltung war unter anderem das Blasorchester Neuenkirch anwesend. Zu Beginn der Landsgemeinde marschierte es zusammen mit zwei anderen Musikgesellschaften ein. SRF/Markus Föhn

Wie reagierte die Bevölkerung? Die Bürgerinnen und Bürger von Neuenkirch nahmen die Idee mehrheitlich positiv auf. Gegenüber SRF sagten einige, dass sie sonst keine Gemeindeversammlungen besuchen, diesen Anlass aber nicht verpassen wollten. «Es wurde richtig Werbung gemacht», sagte etwa ein Mann. «Da dachte ich mir: Coole Sache, ich gehe hin.» Eine Bürgerin, die erst vor sechs Wochen in die Gemeinde gezogen ist, wurde vom Gemeindepräsidenten höchstpersönlich auf die Landsgemeinde aufmerksam gemacht. «Ich bin hier, um die Leute kennenzulernen. Toll, wie das hier organisiert ist.»

Das sagt die Bevölkerung

Hat es funktioniert? Tatsächlich zog die Landsgemeinde deutlich mehr Publikum an als eine gewöhnliche Gemeindeversammlung. Der Gemeinderat erfasst 723 stimmberechtigte Personen. «Das ist eine Stimmbeteiligung von etwas mehr als 15 Prozent», so Gemeindepräsident Wolfisberg. Zum Vergleich: An einer Gemeindeversammlung finden sich in Neuenkirch sonst etwa 150 Personen ein. «Unsere Erwartungen wurden übertroffen», sagt der Gemeindepräsident, «wir hätten mit 500 bis 600 Leuten gerechnet.»

Menschenmenge im Freien, viele halten rote Karten hoch.
Legende: Die Stimmbeteiligung war markant höher als an einer herkömmlichen Gemeindeversammlung. Die Stimmrechtskarten wurden per Post verteilt. SRF/Markus Föhn

Wie nachhaltig ist das? Es sei einen Versuch wert, um zusätzliche Personen für die Gemeindeversammlung zu begeistern, ordnet der Demokratieforscher Hans-Peter Schaub ein. «Das Gemeinschaftserlebnis kann helfen, die Versammlung zu stärken.» Allgemein zögen Landsgemeinden mehr Leute an als Gemeindeversammlungen. «Trotzdem erwarte ich keinen allzu grossen Effekt», schränkt Schaub ein. Der Haupttreiber für die Teilnahme an solchen Versammlungen sei das politische Interesse der Stimmberechtigten. «Daran ändern auch solche Massnahmen nichts.»

Mann mit Hemd steht vor einer Backsteinmauer.
Legende: Der Politologe Hans-Peter Schaub forscht zum Thema Demokratie. Gemeindeversammlungen hätten in der modernen Welt durchaus ihre Stärken. «Anders als in den Social-Media-Filterblasen ist man da auch mit anderen Meinungen konfrontiert.» Julian Rupp

Wie geht es weiter? Es wird sich zeigen, ob der Erfolg der Landsgemeinde die Teilnahme an regulären Gemeindeversammlungen nachhaltig erhöht. Diese finden weiterhin statt. Jedes Mal ein Fest zu organisieren, um die Leute zur Teilnahme zu bewegen, das ist zu aufwendig. «Wir überlegen uns, alle drei Jahre eine solche Landsgemeinde zu veranstalten», sagt der Gemeindepräsident. Nach dem Erfolg vom Donnerstag seien sie motiviert, die Idee weiterzuverfolgen.

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Regionaljournal Zentralschweiz, 12.6.2026, 6:31 Uhr ; 

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