Das Problem: Wer sich nicht via Gotthard südwärts stauen möchte, kann alternativ über die San-Bernardino-Route ins Tessin reisen. Aber auch die Reise über die Bündner Autobahn A13 führt an Spitzentagen oft in den Stau, besonders an Feiertagen und zu Beginn der Sommerferien. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer suchen deshalb nach Ausweichmöglichkeiten. Diese führen sie durch die Bündner Dörfer entlang der A13. Der Ausweichverkehr verstopft die Strassen im Dorf. Viele Gemeinden haben genug davon.
Die Idee: Das verkehrsgeplagte Domat/Ems hat an Ostern erstmals eine «Blue-Line» ausprobiert. Das ist eine spezielle Strasse nur für Einheimische. Um sie zu nutzen, braucht es eine Bewilligung. Die Zusatzumfahrung ist rund anderthalb Kilometer lang. Normalerweise sind auf diesem Abschnitt Velos sowie Fussgängerinnen und Fussgänger unterwegs. Nun wurde die Strasse zur Vorzugsroute für Autos und den ÖV umfunktioniert. Wer die «Blue-Line» über Ostern befahren wollte, musste sich vorab bei der Gemeinde anmelden. Die Benutzung ist gratis.
Die Oster-Bilanz: Knapp 2500 Emserinnen und Emser haben sich eine Bewilligung für die «Blue-Line» geholt. Gemeindepräsident Erich Kohler ist zufrieden mit dem Versuch. Zwei Ziele standen im Vordergrund: mehr Sicherheit und mehr Bewegungsfreiheit für Einwohnerinnen und Einwohner. Beide Ziele habe man erreicht. Nur wer im Besitz eines gültigen Tickets war, durfte die Umfahrung nutzen. Der Zugang wurde von Sicherheitskräften kontrolliert. Wer zwar im Dorf wohnte, aber keine entsprechende Bewilligung hatte, durfte nicht passieren.
Die Reaktion des Kantons: Auch der Kanton Graubünden sucht nach Lösungen gegen den Ausweichverkehr. Eine davon sind Ampeln. Sie erzeugen künstlichen Stau und sollen so den Verkehr aus den Dörfern raushalten. Eine solche Anlage steht auch vor dem Ortseingang von Domat/Ems und war an Ostern in Betrieb. Die «Blue-Line» der Gemeinde sei keine dauerhafte Lösung, so Andreas Pöhl, Verkehrsleiter beim Tiefbauamt Graubünden. Der Verkehr würde damit in den Naherholungsraum verlagert. Befürchtet wurde vorgängig, dass sich durch die Umfahrung zusätzlich Rückstau im Dorf bilden könnte. Dies sei nicht der Fall gewesen, so Pöhl. Auch die Ampel habe bei der Staubewältigung geholfen.
So geht es weiter: Auch an Auffahrt und Pfingsten geht die «Blue-Line» in Domat/Ems wieder in Betrieb. Nach dem Sommer wollen Kanton und Gemeinde gemeinsam Bilanz ziehen. Die Gemeinde steht mit ihrem Problem nicht alleine da. Inwiefern sich ähnliche Lösungen in anderen Ortschaften umsetzen lassen könnten, soll dann vertieft angeschaut werden.