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Mehr Schweizer Holzproduktion Einheimisches Holz zum Bauen: Pläne für grosses Werk gestoppt

Im Aargau plante die Kuratle Group ein grosses Werk für die Verarbeitung von Schweizer Holz. Nun ist es gescheitert. Eine Übersicht.

Das war der Plan: Holz aus der Schweiz sollte auch in der Schweiz verarbeitet und später verbaut werden. Das plante eine der schweizweit grössten Holzhändlerfirmen, die Firma Kuratle aus Leibstadt AG. 2024 wurden die Pläne bekannt. Kuratle kaufte ein grosses Industrieareal in Full-Reuenthal AG. Geplant waren unter anderem ein Lagerplatz für Baumstämme, ein Sägewerk, eine Trocknungsanlage und ein Leimwerk. Hier wären Produkte zu Brettschichtholz verleimt worden. Gut 100 Millionen Franken wollte das Unternehmen in diese Swiss Timber Production investieren.

Industriegebäude neben feld mit kühlturm im Hintergrund.
Legende: So hätte das Holzwerk aussehen sollen. Das von der Firma Kuratle erworbene Industriegelände in Full-Reuenthal liegt direkt an der Bahnlinie. Kuratle Group AG

Deshalb gibt die Holzfirma auf: Doch aus Holz- und Bauprodukten aus Schweizer Holz aus dem Aargau wird nichts. Darüber hat zuerst die Zeitung «Die Botschaft» berichtet. Die Ausgangslage habe sich geändert, bestätigt CEO Roger Kuratle gegenüber SRF. Die schwankenden Holzpreise und der starke Franken seien schuld: «Wir haben Optionen geprüft, auch mit Investoren. Im aktuellen politischen und geopolitischen Umfeld ist das aber kein guter Zeitpunkt.» Das Risiko sei zu gross gewesen, deshalb stoppe man das Projekt. Auch wenn es schmerze.

Waldbesitzer enttäuscht: Einen Fünftel des Holzes hätte das Holzwerk aus Aargauer Wäldern bezogen. Den Rest aus anderen Schweizer Wäldern. Auch Aargauer Waldbesitzer hatten auf das neue Holzverarbeitungswerk gehofft. Felix Moor, Geschäftsführer bei Wald Aargau, ist enttäuscht: «Für die Waldeigentümer ist das wirklich schade. Die Holzindustrie ist in der Schweiz sowieso dünn besiedelt. Das hätte den Markt belebt.» Moor verweist damit auf die wenigen grossen Werke, die es bei uns gibt. Die meisten befinden sich im Berner Oberland oder in der Zentralschweiz. Die Waldeigentümerinnen könnten aktuell nicht gross über Preise verhandeln. Mit einem neuen Player auf dem Markt wäre das anders, glaubt Moor.

Gestapelte Holzbalken im Lager.
Legende: Eines der Holzprodukte der Firma Kuratle. Das Familienunternehmen wurde in 1955 in Laufenburg gegründet. Der Hauptsitz befindet sich in Leibstadt. Kuratle Group AG

Bund sieht mehr Potenzial: Nur knapp die Hälfte der rund elf Millionen Kubikmeter Holz, die jährlich in der Schweiz verbraucht werden, stammen aus der Schweiz. Das stellte der Verband Holzindustrie Schweiz fest. Laut der Waldpolitik des Bundes könnten aber bis zu acht Millionen Kubikmeter nachhaltig geerntet werden. Dabei wächst Holz, das als Baustoff verwendet wird, unterdurchschnittlich.

Stapler transportieren Holzstapel in Lagerhalle.
Legende: Im Bild Holzprodukte der Firma Schilliger Holz in Haltikon bei Küssnacht SZ. Schweizer Holz wird vor allem in der Zentralschweiz und im Berner Oberland verarbeitet. Keystone/Sigi Tischler

Kleiner Hoffnungsschimmer? Was geschieht nun mit dem 65'000-Quadratmeter-Areal in Full-Reuenthal? CEO Roger Kuratle sagt, man prüfe einen Verkauf des Industrieareals. Und doch: «Sag niemals nie. In der aktuellen Situation ist das Projekt auf diesem Areal vom Tisch.» Weil sich die Technologien in der Holzbranche aber ständig weiterentwickelten, könne sich die Situation in fünf oder zehn Jahren ändern, so Kuratle weiter.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 24.3.2025, 17:30 Uhr ; 

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