Worum geht es? Jacques und Jessica Moretti sind am Freitag im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe von Crans-Montana zu einer sogenannten Konfrontationsbefragung vor Gericht erschienen. Es ist das erste Mal, dass die Mitinhaber der Bar «Le Constellation» gemeinsam vom zuständigen Staatsanwältinnenteam befragt werden. An der Anhörung nehmen zudem die Anwälte der verschiedenen Parteien teil. Sie dürfte bis in den Abend hinein dauern.
Neue Beschuldigung: Laut Informationen von RTS weitet die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen Jessica Moretti aus. Ihr wird nun auch Urkundenfälschung vorgeworfen. Dabei geht es um die Rechnung für den Schaumstoff an der Decke der Bar, der am 1. Januar Feuer fing und als Ursprung des Brandes gilt. Jessica Moretti soll diese Rechnung gefälscht haben. Dies soll allerdings steuerliche Gründe gehabt haben und nicht direkt mit der Tragödie vom 1. Januar zusammenhängen.
Reaktionen zu mutmasslicher Urkundenfälschung: Nicolas Mattenberger, einer der Anwälte der Zivilparteien, hat ein Stück weit damit gerechnet, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagt. «Das eingereichte Dokument erschien fragwürdig. Deshalb mussten dazu Erklärungen geliefert werden.» Auch Opferanwalt Romain Jordan äusserte sich kritisch: «Es handelt sich nicht um irgendeine Rechnung, sondern um ein Dokument im Zusammenhang mit der Herkunft des Schaumstoffs.»
Die Situation vor Ort in Sitten: Das Paar kam gegen 8 Uhr morgens im gleichen Auto auf dem Energypolis-Campus in Sitten an. Absperrungen und Sichtschutzbanner der Walliser Kantonspolizei schirmten den Zugang zum Anhörungsraum ab. Mehr als ein Dutzend Polizistinnen und Polizisten waren im Einsatz. Zahlreiche Medienschaffende verfolgten das Geschehen mit Kameras.
Wie läuft die Konfrontationseinvernahme ab? Laut der Staatsanwaltschaft gibt es unterschiedliche Formen: Die Ermittlerinnen können Jacques Moretti eine Frage stellen und dann dieselbe Frage an Jessica Moretti richten; sie können einem der beiden Angeklagten verschiedene Fragen zu einem bestimmten Thema stellen und dann den anderen Angeklagten zum selben Thema befragen – oder sie können sich für den Ping-Pong-Modus mit direkten Reaktionen entscheiden.
Wie kam es dazu? Zunächst hatten die Staatsanwältinnen nur Jacques Moretti vorgeladen. Er sollte Anfang April befragt werden, legte jedoch ein ärztliches Attest vor. Seine Anhörung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Erst in einem zweiten Schritt beschlossen die Staatsanwältinnen, auch Jessica Moretti vorzuladen. Die verschiedenen Versionen ihrer Aussagen dürften der Grund für die Befragung sein.
Beschimpfungen bei früheren Anhörungen: Mitte Februar sorgten die Befragungen von Jessica und Jacques Moretti für erhebliche Spannungen: Angehörige von Opfern stellten das Ehepaar bei dessen Ankunft auf dem Campus zur Rede, umringten und bedrängten es. Nach diesem Vorfall kündigte die Kantonspolizei eine Verschärfung ihres Sicherheitsdispositivs an.
Beschuldigte Personen: Bislang wird in diesem Fall gegen 14 Personen ermittelt: nebst dem Ehepaar Moretti sind das fünf amtierende oder ehemalige Gemeindevertreter sowie sieben derzeitige oder ehemalige Gemeindemitarbeiter. Gegen sie alle läuft eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung, gegen Jessica Moretti nun auch wegen Urkundenfälschung. Es gilt die Unschuldsvermutung.