Nach Gripen-Nein: Soll man PC-9 bewaffnen?

Slowenien setzt für den ergänzenden Luftpolizei-Dienst bewaffnete Pilatus PC-9M ein. Diese seien besser für die Abwehr von langsam fliegenden Flugobjekten geeignet als die grossen Kampfjets. Eine Idee auch für die Schweiz?

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Bewaffnete PC-9 für den Luftpolizei-Dienst?

2:27 min, aus Tagesschau am Mittag vom 19.10.2014

Seit 16 Jahren besitzt die Alpenrepublik Slowenien neun bewaffnete Pilatus-Flugzeuge vom Typ PC-9M. Diese wurden nach dem Import aus der Schweiz legal von den israelischen Firmen Radom und Rokar aufgerüstet. Sie können mit Maschinengewehren, Bomben, Zusatztanks und Raketen bestückt werden, sagt Vize-Luftwaffenchef Igor Skerbis der «Tagesschau».

Ein Kampfjet kostet mehr als neun PC-9

Seither setzt der Nato-Staat Slowenien seine Pilatus-Trainingsflugzeuge zur Unterstützung der Bodentruppen und zum ergänzenden Luftpolizeidienst ein. Letztmals an einer grossen Nato-Übung im Juni in Slowenien.

Ursprünglich wollten die Slowenen F-16 Kampfjets kaufen und die PC-9 als Trainingsflugzeug verwenden. Doch ein US-Kampfjet kostete mehr als alle 9 bewaffneten PC-9 zusammen, sagt Fähnrich Janez Krosl, Mediensprecher der slowenischen Armee. Dies konnte sich die junge Alpenrepublik mit zwei Millionen Einwohnern nicht leisten.

Ein Kampfjet und ein Propeller-Flugzeug Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Slowenien setzt auf PC-9 für luftpolizeiliche Dienste – unterstützt von Nato-Kampfjets, die den Luftraum schützen. SRF

Darum sind heute für den Schutz des slowenischen Luftraums primär Nato-Jets aus Italien und künftig Gripen aus Ungarn verantwortlich. Die bewaffneten PC-9 ergänzen die Nato-Jets im Luftpolizei-Dienst bei erhöhter Gefahrenlage. So geschehen während der EU-Präsidentschaft 2008 oder dem Treffen von Wladimir Putin und George W. Bush 2001 in Slowenien.

Oben Nato-Jets, unten Pilatus-Flugzeuge

Die Slowenen haben sich mit ihren Pilatus-Flugzeugen auf langsam fliegende Flugobjekte nahe am Boden spezialisiert. Bei erhöhter Gefahr gebe es ein Aufgabenteilung: Die Nato-Jets sichern den Luftraum in grosser Höhe, die PC-9 fliegen weiter unten, sagt Luftwaffenchef Bojan Brecelj.

«Wenn ein langsam fliegendes Objekt sehr tief aus einem Tal kommt, dann muss man die Mittel sehr schnell vor Ort haben, um es zu stellen. Wenn ein Kampfjet den ganzen Luftraum abdecken muss, dann hat man für ein solches Ziel nur eine sehr kurze Reaktionszeit.»

VBS hält wenig von der Idee

Nach dem Nein zum Gripen im Mai äusserte Pilatus-Chef Oskar J. Schwenk mehrmals öffentlich die Idee, die Schweizer Luftwaffe könnte ihre Pilatus-Flugzeuge bewaffnen.

Auf Anfrage von SRF sagt das Verteidigungsdepartement (VBS), jedes Land müsse selber über den Waffeneinsatz entscheiden. Ohne eigene Kampfflugzeuge sei der Einsatz der PC-9 für Luftpolizeiaufgaben in Slowenien verständlich.

«Ein Vergleich mit der Schweiz als Nicht-Nato-Mitglied ist aber nicht sinnvoll, weil die Schweiz gerade wegen der geringen geographischen Ausmessungen sehr schnell fliegende Kampfjets einsetzen muss. Für eine Bewaffnung der PC-21 besteht daher kein zwingender Grund – und aus heutiger Sicht auch keine Priorität», heisst es beim VBS.

Sicherheitspolitiker zur Bewaffnung von Pilatus-Flugzeugen

1:32 min, aus Tagesschau vom 19.10.2014

Problem langsam fliegende Objekte

Anders tönt es beim ehemaligen Berufsmilitärpiloten und Präsidenten der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates (SiK-NR), Thomas Hurter (SVP/SH). Grundsätzlich müsse man eine Erweiterung der Einsatzfähigkeit sicher prüfen. «Wir haben heute in tiefen Höhen und im Langsamflugbereich (Drohnen) völlig neue Bedrohungsszenarien, auf die man reagieren muss.» Man müsse aber Kosten und Nutzen im Auge behalten.

Die Zürcher SP-Nationalrätin und ehemalige Präsidentin der SiK-NR, Chantal Galladé, findet die Idee der Bewaffnung der Schweizer Pilatus-Flugzeuge «sehr interessant». «Sicher ist es aus Kostengründen eine interessante Variante. Aber auch sicherheitspolitisch, weil es ein angemessenes Flugzeug wäre. Heute wird der ‹Ferrari› für den Verkehrsdienst benutzt», sagt Galladé.

Laut Galladé wurde in der SiK-NR noch nie über die mögliche Bewaffnung von Pilatus-Flugzeugen gesprochen. Sie wolle aber das Thema an der nächsten Sitzung der Kommission prüfen – im Rahmen des VBS-Konzepts «Luft».

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Comeback des «Tiger F-5»

    Aus Tagesschau vom 23.9.2014

    Im Ständerat ist heute als Gripen-Alternative ein Kampfflugzeug zur Diskussion gestanden, das eigentlich schon bald ausgemustert werden sollte: der Tiger F-5. Ein vorübergehendes Comeback des alten Tigers schliesst niemand mehr kategorisch aus.

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    Aus Tagesschau vom 23.7.2014

    Das Nein des Stimmvolks zum Kauf der Gripen-Kampfjets ist auch wegen der politischen Mitte zustande gekommen. Gemäss der heute veröffentlichten VOX-Analyse lehnte die Hälfte der Mitte-Wähler die Vorlage ab.

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    Aus 10vor10 vom 19.6.2014

    Nach dem Nein zum Gripen fordert die SVP in einem Positionspapier, dass die Tiger-Kampfflugzeuge länger fliegen sollen, als von Verteidigungsminister Ueli Maurer geplant. Aber nicht nur die SVP sondern auch andere Politiker und Experten verlangen von Bundesrat Maurer, dass er auf den Entscheid, die Tiger-Flotte 2016 ausser Dienst zu stellen, noch einmal zurückkommt.