Seit Donnerstag ist bekannt, dass über die Confiserie Schiesser am Basler Marktplatz der vorläufige Konkurs eröffnet wurde. Das traditionsreiche Unternehmen hat seinen Betrieb bereits Anfang Woche eingestellt.
Als Grund für die vorübergehende Schliessung verweist die Confiserie auf die Baustelle am Marktplatz. Gemäss einem Aushang im Schaufenster bleiben Geschäft und Tearoom voraussichtlich sechs bis acht Wochen geschlossen.
Auf den Strassen Basels sorgt die Nachricht für grosses Bedauern. Viele verbinden persönliche Erinnerungen mit dem traditionsreichen Kaffeehaus. «Ich finde das sehr traurig, dass so ursprüngliche, alte Kaffeehäuser zumachen», sagt eine Passantin.
Wenn ich Besuch aus dem Ausland habe, dann gehört ein Besuch beim Schiesser zum Pflichtprogramm.
Eine andere Frau spricht an diesem Freitagmorgen von einer «Katastrophe», sollte das Schiesser endgültig verschwinden. Und eine weitere Fussgängerin erklärt: «Wenn ich Besuch aus dem Ausland habe, dann gehört ein Besuch beim Schiesser zum Pflichtprogramm.»
Die Confiserie Schiesser wurde 1870 gegründet und über fünf Generationen von der Gründerfamilie geführt. Seit 1910 befindet sie sich in ihrem markanten Gebäude am Marktplatz. Besonders bekannt ist das Haus für seinen grossen Tearoom im Stil eines Wiener Kaffeehauses. Dort verfügt sie über eine Backstube und eine Schokoladenmanufaktur.
Für viele Gäste war das Schiesser nicht bloss ein Ort für Kaffee und Patisserie. Das traditionsreiche Ambiente machte den Besuch für manche zu einer Reise in die Vergangenheit. «Man fühlt sich 100 Jahre zurückversetzt, weil sich die Einrichtung kaum verändert hat», sagt ein Stammgast.
Nirgends gibt es bessere Macarons.
Eine andere Baslerin bezeichnet das Schiesser als «Kulturinstitution». Das Café sei «etwas ganz Besonderes» für die Stadt. Andere erinnern sich vor allem an das kulinarische Angebot. «Die Törtchen sind sehr lecker», sagt ein Passant. Eine weitere ergänzt: «Nirgends gibt es bessere Macarons.»
Hotelleriesuisse Region Basel hofft auf Rettung
Auch in der Basler Hotellerie löst der Konkurs Betroffenheit aus: Franz-Xaver Leonhardt, Präsident des Verbands Hotelleriesuisse Region Basel, bezeichnet die Confiserie Schiesser ebenfalls als «Institution». Ihr mögliches Verschwinden wäre «ein grosser Verlust für Basel».
Ich hoffe, dass es bei einer temporären Schliessung bleibt. Ich hoffe, dass ein Retterteam einspringt.
Noch gibt er die Hoffnung auf eine Zukunft des Traditionshauses nicht auf: «Ich hoffe, dass es bei einer temporären Schliessung bleibt. Ich hoffe, dass ein Retterteam einspringt.»
Die Rahmenbedingungen für Gastrobetriebe seien anspruchsvoll geworden. Gestiegene Personalkosten und Probleme in der Führung könnten ein Unternehmen heute rasch in Schwierigkeiten bringen, sagt Leonhardt.
Ungewisse Zukunft
Zur schwierigen Situation des Unternehmens kommt ein weiterer Einschnitt hinzu: Ende April verstarb der Inhaber. Bereits vor zwei Jahren hatte eine neue Geschäftsleitung die operative Führung übernommen. Ob das Traditionshaus weitergeführt werden kann, ist derzeit offen. Die Verantwortlichen haben sich bisher nicht öffentlich zur Zukunft des Betriebs geäussert.