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Nach Unterbruch am Netz AKW Gösgen startet nach zehn Monaten Pause

Nach zehn Monaten Stillstand läuft das AKW Gösgen wieder. Das Hochfahren dauert zwei bis drei Wochen.

Zehn Monate lang stand das Atomkraftwerk Gösgen still. Seit Mai letzten Jahres hat das AKW in Däniken SO keinen Strom mehr produziert. Die bekannte Dampfwolke über dem Kühlturm blieb aus.

Rauchender Kühlturm über nebliger Stadt.
Legende: Wieder das gewohnte Bild: Seit dem 23. März steigt die Dampffahne aus dem Kühlturm des AKW Gösgen auf. SRF

Das Werk war am 24. Mai 2025 für die geplante Revision vom Netz gegangen. Wegen eines möglichen Problems im Speisewassersystem brauchte es Nachrüstungen. Neue Ventile wurden eingebaut. Das System ist Teil des Kreislaufs, der die Dampfturbinen antreibt, die den Strom erzeugen.

Kernkraftwerk mit Kühlturm und Stadt im Vordergrund, Berge im Hintergrund.
Legende: Zehn Monate trübte keine Dampfwolke den Blick auf den Solothurner Jura. SRF

Am Montag hat das Nuklear­sicherheits­inspektorat ENSI dem Kernkraftwerk Gösgen die Freigabe zum Wiederanfahren erteilt, wie die Behörde schreibt. Das AKW habe «umfangreiche sicherheitstechnische Nachweise» erbracht.

Zwei bis drei Wochen hochfahren

Nun liefert das Kraftwerk wieder Strom. Üblicherweise erzeugt es jährlich rund acht Milliarden Kilowattstunden Strom – rund 13 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs.

Leitstelle mit mehreren Bildschirmen und Mitarbeitern.
Legende: Das Anfahren dauert laut Kraftwerksleiter Herbert Meineke (Mitte) zwei bis drei Wochen. SRF

Einfach einen Schalter umlegen, um die Anlage zu starten, könne man natürlich nicht, erklärt Kraftwerksleiter Herbert Meineke. Das dauere zwei bis drei Wochen. «Es ist eine komplexe, grosse Maschine. Die wird Stück für Stück, System für System in Betrieb genommen. Wir hatten das Kraftwerk konserviert, um Standschäden zu vermeiden.» Man habe etwa Lüftungen und Heizungen eingebaut, die nun wieder entfernt werden mussten.

Mehr zu tun im Stillstand

Zehn Monate: Einen so langen Stillstand gab es in der 47-jährigen Geschichte des AKW noch nie. Das Anfahren sei ein herausfordernder Prozess, so Meineke.

Blick in eine industrielle Anlage mit grossen orangefarbenen Maschinen und gelben Kranen.
Legende: Das Speisewassersystem ist Teil des Kreislaufs, der die Turbinen (im Bild) antreibt, die den Strom erzeugen. SRF

Die Angestellten des Kraftwerks hatten während des Unterbruchs aber nicht etwa Ferien. «Wir hatten im Stillstand mehr zu tun als im normalen Betrieb.» Es brauche Instandhaltungsarbeiten, Tests und Prüfungen. Am stärksten gefordert seien jene Mitarbeitenden gewesen, die an den neuen Ventilen gearbeitet haben.

Pro und Kontra in der AKW-Gemeinde

In der Standortgemeinde Däniken nehmen viele den Unterbruch und das Wiederanfahren gelassen. Sie sind sich gewohnt, dass nebenan ein Atomkraftwerk steht. Alle seien auf Strom angewiesen. Von irgendwo müsse dieser kommen, sagen einige.

Doch auch in der AKW-Gemeinde gibt es kritische Stimmen. Lange hab es geheissen, der Strom aus dem Werk sei günstig. Dabei sei die Entsorgung des radioaktiven Abfalls noch gar nicht gelöst, sagen kritische Stimmen.

Finanzielle Folgen

Gemeindepräsident Matthias Suter zweifelt nicht an der Sicherheit der Anlage. Aber: «Es war ein ungewohntes Bild, dass man die Dampffahne lange nicht gesehen hat.»

Er ist erleichtert, dass das Kraftwerk wieder Strom produziert. Ein Ausfall bedeutet für Däniken weniger Geld. Das AKW ist nicht nur der grösste Arbeitgeber, sondern auch der grösste Steuerzahler. Einen Betrag kann Suter aber noch nicht nennen. Den Ausfall sehe man dann im Jahresabschluss.

Kontrollraum mit Bildschirmen und Person am Schreibtisch.
Legende: Das AKW Gösgen konnte zehn Monate keinen Strom liefern. Dieser Ausfall ist vor allem für die Eigentümer sehr teuer. SRF

Ihre finanziellen Ausfälle wegen des Stillstands bereits benennen können andere. Der Kanton Solothurn etwa rechnet mit bis zu sieben Millionen Franken weniger Steuern und drei Millionen weniger Wassergebühren.

Eine halbe Milliarde

Richtig teuer ist es für die Eigentümer. Der Energiekonzern Alpiq, mit einem Anteil von 40 Prozent grösster Aktionär, geht von einem Ausfall von rund 210 Millionen Franken aus. Für alle Eigentümer zusammen dürfte es um über 500 Millionen gehen.

Bald steht das Atomkraftwerk Gösgen schon wieder still. Ende Mai startet die jährliche Revision. Wie beim letzten Mal ist dazu ein Monat eingeplant.

Schweiz aktuell, 23.3.2026, 19 Uhr ; 

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