Bauwerktrenner, Drechslerin, Seilbahner oder Orgelbauer: Auf den ersten Blick haben diese Berufe nicht viel gemeinsam. Es sind aber alles «Kleinstberufe», die noch mehr als andere Branchen für ihr Weiterbestehen kämpfen müssen. Helfen soll ihnen ein gemeinsames Netzwerk. Eine Idee: Mehrere Betriebe bieten gemeinsam eine Lehrstelle an.
Eine Lernende schweizweit
Interesse an seinem Beruf gebe es, sagt etwa Manuel Ruff. «Die Frage ist aber: Wer bildet die Lernenden aus, die Drechsler lernen wollen?» Ruff führt in Engwilen TG zusammen mit seinem Bruder eine Drechslerei. Die Firma stellt Produkte aus Holz her – vom Tischbein über die Pfeffermühle bis zu Graburnen. Manuel Ruff hat Schreiner gelernt und später, mit 27 Jahren, eine weitere Lehre zum Drechsler gemacht.
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Bild 1 von 3. Manuel Riff hat mit 27 Jahren Drechsler gelernt. Unterdessen leitet er mit seinem Bruder den Familienbetrieb. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Gedrechselt wird bei der Ruff AG auch auf computergesteuerten Maschinen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Stuhlbeine, Urnen oder Pfeffermühlen (im Bild) entstehen auf Drehbänken. Bildquelle: SRF.
«Holzhandwerker Fachrichtung Drechslerei» ist die genaue Bezeichnung für den Lehrberuf. «Meine eigene Klasse war gross. Wir waren zu viert», lacht Manuel Ruff. Heute sind es noch weniger: «Unsere aktuelle Lehrtochter ist im dritten Lehrjahr und die einzige in der ganzen Schweiz. Im zweiten und dritten Lehrjahr gibt es momentan gar niemanden.»
Mehrere Lehrbetriebe für eine Person
Als Kleinstberufe gelten Berufe, in denen schweizweit nicht mehr als 80 Lernende ausgebildet werden – Drechsler beispielsweise. Für viele ist es schwierig, genügend Nachwuchs zu finden. Die Arbeiten dieser Berufe brauche es aber auch in Zukunft, sagt Nadja Sternik, Präsidentin des Netzwerks.
Eine mögliche Lösung seien solche Lehrbetriebsverbünde. «Ein Betrieb bildet so nicht alleine einen Lernenden aus, sondern schliesst sich dazu mit einem zweiten zusammen. Die Ausbildung erfolgt im Wechsel in beiden Betrieben.»
Mit vielen Firmen und Verbänden hätten Treffen stattgefunden. Ziel sei, dass bereits 2027 die ersten Betriebe zusammen Nachwuchs ausbilden, so Sternik. Ansonsten soll 2028 gestartet werden.
Eine grosse Herausforderung sei, dass die Lehrbetriebe teils geografisch weit auseinanderliegen. Erschwerend komme der «Kantönligeist» hinzu. «Kantonsgrenzen helfen den Lehrbetriebsverbünden nicht.»
Verbindende Schwingungen
Manuel Ruff konnte in seinem Betrieb die Lehrstelle besetzen. Nach den Sommerferien bildet er jemanden aus. Trotzdem setzt der Drechsler grosse Hoffnung in das Verbundsystem. «Auch kleinere Betriebe haben so die Möglichkeit, Lehrlinge auszubilden.» In der Branche sei der Kontakt unterdessen sehr gut. Im Netzwerk der Kleinstberufe erachtet er aber auch den Austausch mit anderen Berufen als hilfreich – auch in Bezug auf die Ausbildung.
Auch Orgelbauer Peter Meier aus Rheinfelden AG sieht Vorteile im Austausch mit Fachleuten aus völlig anderen Branchen: «Oft sind es Berufe mit traditionellen Handwerken. Wir haben ähnliche Schwierigkeiten. Bei Vermarktung oder Ausbildung etwa sind wir sehr verwandt.»
Der Kontakt über die Berufsgrenzen hinaus bringe manchmal interessante Gemeinsamkeiten zutage, sagt Nadja Sternik. Sie erzählt von der Diskussion eines Bauwerktrenners und einer Klavierbauerin. «Sie hatten ein gemeinsames Thema: Schwingungen.» Oder der Austausch eines Goldschmieds und einer Keramikerin, die über Eheringe aus Ton gesprochen hätten.