Laut einer Studie der Universität Zürich prägen positive Alltagserlebnisse Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 24 Jahren mehr als negative. Auf die Frage, was das wichtigste persönliche Ereignis in den letzten Jahren war, antworteten sie mehrheitlich mit positiven und alltäglichen Erfahrungen aus Schule, Ausbildung, Beziehungen und Freizeit.
Bemerkenswert ist laut Studienautorin und Leiterin der Forschungsgruppe Lilly Shanahan einerseits das Ausmass, in dem positive Ereignisse berichtet wurden, und andererseits auch die Art dieser Erlebnisse.
«Meist ging es nicht um Ausnahmemomente, sondern eher um das, was man als ‹normale Lebensereignisse› bezeichnet – die aber eben in diesem Alter sehr bedeutsam sind: einen Lehrvertrag unterschreiben, eine enge Freundschaft entwickeln, die erste Liebe, die erste eigene WG oder Wohnung, die erste grosse Reise ohne die Eltern», sagt Lilly Shanahan, Professorin für klinische Entwicklungspsychologie an der Universität Zürich.
Laut Shanahan wurde in der Forschung bisher oft untersucht, was mit der psychischen Gesundheit «schieflaufen» kann, um Jugendliche davor zu schützen. So sei etwa nur nach belastenden und negativen Lebensereignissen gefragt worden.
Die Antworten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen
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Bild 1 von 4. Das sagten die 15-Jährigen auf die Frage «Wenn du an die letzten Jahre zurückdenkst: Was war für dich persönlich das wichtigste Ereignis in deinem Leben?». Bildquelle: SRF/Studiendaten.
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Bild 2 von 4. Das sagten die 17-Jährigen zu derselben Frage. Bildquelle: SRF/Studiendaten.
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Bild 3 von 4. Das sagten die 20-Jährigen. Bildquelle: SRF/Studiendaten.
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Bild 4 von 4. Das sagten die 24-Jährigen. Bildquelle: SRF/Studiendaten.
Die aktuelle Studie mit Fokus auf die wichtigsten Ereignisse zeige etwas Ermutigendes: «Junge Menschen können auch in herausfordernden Zeiten Schönes und Positives erleben und wahrnehmen. Genau das ist eine wichtige Ressource und Stärke des Jugendalters – und als Gesellschaft sollten wir gezielt darauf aufbauen, um die psychische Gesundheit der Jungen zu stärken.»
Ausbildung und Arbeit für Junge wichtig
Am häufigsten berichteten die Befragten von Schule, Ausbildung und Lehre. Dieser Bereich machte fast die Hälfte aller Nennungen aus. Danach folgten Freundschaften und Liebesbeziehungen mit rund zwölf Prozent.
«Das zeigt, welch grossen Wert junge Menschen auf die Entwicklung im Bereich Schule, Ausbildung, Arbeit und Beruf legen», sagt Lilly Shanahan. Entsprechend freuten sie sich zusammen mit ihren Familien und seien stolz, wenn etwas klappt. «Es unterstreicht aber auch, dass dadurch grosser Druck entstehen kann.»
Die genannten Themen verändern sich zudem mit dem Alter. Mit 15 geht es viel um Schule und Freunde, mit 24 dann eher um den Beruf, die Partnerschaft, und die erste eigene Wohnung. «Das reflektiert wichtige Entwicklungsmeilensteine, die junge Menschen in dieser Zeit durchlaufen», sagt Shanahan dazu.
Unterstützung auch für positive Erfahrungen
Jugendliche und junge Erwachsene mit stärkeren Symptomen von Angst und Depression berichteten auch deutlich häufiger von belastenden Erfahrungen wie Konflikten oder Verlusten.
Positive Ereignisse wie Reisen oder Ausbildungserfolge nannten sie seltener. «Die psychischen Probleme vieler Jugendlicher sind real und müssen ernst genommen werden», sagt Lilly Shanahan.
Trotzdem solle das Positive nicht aus dem Blick geraten. «Wer weiss, was jungen Menschen Freude bereitet und Kraft gibt, kann gezieltere Unterstützungsangebote entwickeln», sagt Shanahan. Diese Angebote sollen sich laut Professorin deshalb nicht nur auf die Bewältigung von Belastungen konzentrieren, sondern auch positive Erfahrungen fördern.