Pharmafirmen und Ärzte: Ein Schritt in Richtung Transparenz

Wie viel Geld bekommt mein Arzt eigentlich von der Pharmaindustrie? Diese Frage war bis heute schwierig zu beantworten. Nun findet man die Beträge auf den Webseiten der Pharmafirmen. Sie hatten sich in einem gemeinsamen Kodex dazu verpflichtet, diese Namenslisten bis heute zu veröffentlichen.

Pillen mit der Aufschrift Roche stehen aufgereicht nebeneinander. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf den Zahlungslisten der Pharmafirmen stehen die Namen von hunderten von Ärzten, Spitälern und Organisationen. Reuters

Bisher war bekannt, dass Ärzte von der Pharmaindustrie Geld bekommen, zum Beispiel für Weiterbildungen. Nun weiss man auch, wie viel Geld es ist. Zu finden sind diese Angaben seit heute auf den Webseiten der Pharmafirmen.

Ein gemeinsamer Kodex

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Der Pharma-Kooperations-Kodex

Über 50 in der Schweiz tätige Pharmaunternehmen legen ihre Zahlungen an die Leistungserbringer im Gesundheitswesen auf ihren Internetseiten offen. Diese Transparenzinitiative wurde vom europäischen Pharmaverband angeregt und führte in der Schweiz zu einer zeitgleichen Ausarbeitung des Pharma-Kooperations-Kodex.

Auf den Listen stehen die Namen von hunderten von Ärzten, Spitälern und Organisationen zusammen mit unterschiedlich grossen Beträgen: D.M. aus Lausanne hat 2015 von Novartis 644 Franken für eine Weiterbildungsveranstaltung erhalten. C.S. aus Zürich 1090 Franken von Roche. Oft sind es 2000 bis 3000 Franken, seltener 15'000 oder 30'000.

Bei grossen Spitälern und Verbänden können die Beiträge auch in die Hunderttausende gehen. Die Pharmafirmen haben sich in einem gemeinsamen Kodex dazu verpflichtet, die Namenslisten bis heute zu veröffentlichen, um so mehr Transparenz zu schaffen.

«Etwas mehr Transparenz»

Die Namenslisten sind für Interessierte aber nicht einfach zu finden. Konsumentenschützerin Sara Stalder kritisiert, dass die Patienten ihren Arzt auf 50 Webseiten selber suchen müssen. Aber immerhin gebe es nun etwas mehr Transparenz. Und: Es habe sie überrascht, wie detailliert die Zahlungen aufgeführt sind.

Erstaunt ist Stalder aber auch über die Höhe der Beträge. GlaxoSmithKline Schweiz hat beispielsweise 2,8 Millionen Franken an ihre Partner verteilt. Oft noch grösser sind die Beträge, welche die Firmen für Forschungsleistungen zahlen. Bei Novartis sind es 16 Millionen.

Problematisch sei hier, sagt Patientenschützerin Barbara Züst, dass diese Zahlen nicht sauber aufgeschlüsselt würden: «Es ist heikel, wenn nicht klar abgegrenzt wird, was für Marketing und was für Forschung ausgegeben wird. Sogenannte Beobachtungsstudien werden teilweise eher zu Marketingzwecken gebraucht und dienen nicht effektiv der Wissenschaft.»

Die Ärzte entscheiden über die Veröffentlichung

Konsumentenschützerin Sara Stalder kritisiert zudem, dass die Ärzte selbst entscheiden konnten, ob ihr Name genannt werden darf oder nicht. Alleine bei Roche haben 76 Ärzte darauf bestanden, ihren Namen geheim zu halten.

GlaxoSmithKline hat als eine der ersten Firmen beschlossen, dies zu ändern, sagt die medizinische Direktorin Natascha Moriconi: «Wenn GlaxoSmithKline keine Zustimmung vom Arzt erhält, dass die Zahlen publiziert werden dürfen, dann arbeiten wir mit diesem Arzt auch nicht zusammen.» Novartis will im nächsten Jahr nachziehen und ebenfalls nur noch mit Ärzten zusammenarbeiten, die einer Veröffentlichung der gezahlten Beträge zustimmen.

Dass diese Firmen sich bemühen, die in einem Kodex freiwillig auferlegten Regeln mehr als zu erfüllen, tut auch Not. Denn in anderen Ländern, wie beispielsweise den USA, sind die Pharmafirmen längst gesetzlich zur vollen Transparenz verpflichtet.