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Quantencomputer und Sicherheit Ignazio Cassis: «Wer die Technologie kontrolliert, hat gewonnen»

Quantencomputer könnten bald heutige Verschlüsselungen knacken – mit Folgen für die weltweite Sicherheit.

Quantencomputer gelten als die nächste grosse technologische Revolution nach der künstlichen Intelligenz. Fachleute warnen: Die Technologie könnte schon in wenigen Jahren die internationale Sicherheit grundlegend verändern.

Denn Quantencomputer wären deutlich leistungsfähiger als heutige Rechner. «Sie sind um vieles schneller und stärker», sagt Enrica Porcari. Sie ist Informatikchefin am Genfer Forschungszentrum Cern und leitet dort das Open Quantum Institute.

Wer als Erster über leistungsfähige Quantencomputer verfügt, hätte enorme Vorteile.
Autor: Thomas Greminger Direktor Zentrum für Sicherheitspolitik Genf

Die neue Technologie könnte etwa heutige Verschlüsselungssysteme knacken – jene Systeme, die Stromnetze, den Zahlungsverkehr oder militärische Kommunikation schützen.

Für Botschafter Thomas Greminger, Direktor des Genfer Zentrums für Sicherheitspolitik, ist klar: «Wer als Erster über leistungsfähige Quantencomputer verfügt, hätte enorme Vorteile. Gleichzeitig entstehen grosse Risiken für alle anderen.»

Sein Chef, Bundesrat Ignazio Cassis, warnt davor, die Entwicklung zu unterschätzen. «Wer die Technologie kontrolliert, hat gewonnen. Das unterschätzen wir heute», sagt der Aussenminister.

Quantencomputer existieren bereits. «Aber noch sind Quantencomputer instabil und teuer im Betrieb», erklärt Informatikerin Porcari. In fünf bis zehn Jahren könnten jedoch Systeme entstehen, die tatsächlich eine neue Computerära einläuten.

Abschreckendes Beispiel: künstliche Intelligenz

Wie schnell technologische Entwicklungen den Alltag verändern können, hat zuletzt die künstliche Intelligenz gezeigt. Noch vor wenigen Jahren galt sie als Zukunftsmusik. Heute steckt sie in Handys, Computern und Suchmaschinen.

Damit die Politik bei der Quantentechnologie nicht erneut überrascht wird, versucht die Schweiz, Wissenschaft und Diplomatie früh zusammenzubringen, zum Beispiel vor Kurzem an einer Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Genf. Für Cassis ist klar: «Wissenschaft und Diplomatie zusammenzubringen, gibt uns die Möglichkeit, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.»

Gruppe von Personen in Anzügen blickt nach oben und winkt.
Legende: Die Diplomatie begrüsst die Wissenschaft an der OSZE-Konferenz in Genf. Keystone / Martial Trezzini

Über die Ziele einer angestrebten Regulierung sind sich der Aussenminister, die Informatikerin und der Sicherheitsexperte einig: Die Risiken der Technologie sollen begrenzt werden. Gleichzeitig soll nicht nur eine kleine Gruppe von Grossmächten Zugang zu Quantencomputern haben.

China und die USA mit wenig Interesse an Regulierung

Heute investieren vor allem die USA und China Milliarden in die Technologie. «Diese Grossmächte sind nicht wirklich daran interessiert, reguliert zu werden», sagt Greminger.

Hinzu kommt: Neue Technologien werden heute nicht mehr nur von Staaten entwickelt. Auch Konzerne wie IBM, Google oder Microsoft spielen eine zentrale Rolle. Auch sie müssten mit am Verhandlungstisch sitzen, sagt der Sicherheitsexperte.

Die Schweiz will vorbereitet sein

Und wo steht die Schweiz? Ist sie genügend auf die Risiken der Quantentechnologie vorbereitet? Aussenminister Cassis gibt sich vorsichtig. «Die Politik hinkt bei neuen Technologien immer hinterher», sagt er. Wer sich aber frühzeitig mit den Entwicklungen befasse, könne den Rückstand zumindest verkleinern.

Echo der Zeit, 21.5.2026, 18:00 Uhr, schn;herb;brus

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