Laut der FIFA gibt es an der laufenden Fussball-WM mehr fremdenfeindliche Online-Kommentare als 2022. Auch das Schweizer Nationalteam ist betroffen. Adrian Arnold, Sprecher des Schweizerischen Fussballverbands, erklärt, wie der Verband damit umgeht.
SRF News: Wie sehr spürt man die Zunahme rassistischer Kommentare beim Schweizerischen Fussballverband (SFV)?
Adrian Arnold: Es ist für uns leider kein neues Phänomen. Jetzt haben wir eine Weltmeisterschaft, das heisst, die Aufmerksamkeit, auch auf unseren Social-Media-Kanälen, ist höher. Entsprechend spüren wir auch, gerade in Situationen, in denen es für die Nationalmannschaft nicht gut läuft – wie beispielsweise nach dem 1:1-Unentschieden gegen Katar –, dass es eine Häufung niederträchtiger und leider auch rassistischer Kommentaren gab.
Wir haben nach dem Katar-Spiel die Kommentarspalten geschlossen, um unsere Spieler zu schützen.
Wie geht der SFV mit solchen Hasskommentaren um?
Wir haben unsere Community-Manager, welche vor, während und nach den Spielen unsere Kanäle beobachten. Wenn wir eine Tendenz sehen, dass Hasskommentare zunehmen, dann schliessen wir die Kommentarfunktion. Das haben wir nach dem Katar-Spiel gemacht, um unsere Spieler zu schützen. Wir haben in der Vergangenheit oft auch Zuschriften erhalten, anonyme Briefe oder Mails, mit teils entwürdigenden, niederträchtigen und auch rassistischen Kommentaren. In solchen Fällen wird unsere juristische Abteilung aktiv und reicht bei der Polizei Anzeige ein, wenn der Tatbestand der Rassismus-Strafnorm erfüllt ist.
Für uns gilt eine absolute Nulltoleranz in den Bereichen Rassismus und Diskriminierung.
Kam es nach Anzeigen Ihrerseits zu Verurteilungen?
Das können wir leider nicht ausfindig machen, weil die Weiterverfolgung dieser Fälle in den Händen der Justiz liegt. Wir haben einzig Kenntnis von einem Fall eines TikTokers in der Schweiz, den wir zur Anzeige gebracht haben. Dort hat es erst eine Verurteilung und dann einen Freispruch gegeben, aber das Urteil wird nochmals weitergezogen.
Wie unterstützt der SFV seine Spieler in Bezug auf rassistische Kommentare?
Für uns gilt eine absolute Nulltoleranz in den Bereichen Rassismus und Diskriminierung. Wir stehen unseren Spielern bei – einerseits präventiv, indem wir sie in der Kommunikation unterstützen. Andererseits unterstützen wir sie, wenn es darum geht, juristisch aktiv zu werden.
Wie erklärt man sich beim SFV, dass es eine Zunahme von rassistischen Kommentaren gibt?
Ich glaube nicht, dass es mehr Menschen gibt, die rassistisches Gedankengut in sich tragen als noch vor ein paar Jahren. Ich denke, der Hauptgrund dafür ist, dass man heutzutage über Social Media schneller die Möglichkeit hat, solche Kommentare zu verfassen. Das hat die Hemmschwelle herabgesetzt. Man hat aus der Emotion heraus schnell die Möglichkeit, solch niederträchtige Kommentare zu schreiben.
Wenn wir auf unseren Kanälen nach dem Achtelfinale nach den ersten Kommentaren entsprechende Tendenzen sehen, werden wir sofort handeln.
Wenn die Schweiz ihr Achtelfinale verlieren sollte, wird man dann proaktiv die Kommentarspalten schliessen müssen?
Wir sind immer gewappnet, aber es hängt immer stark vom Ausgang des Spiels ab. Und auch davon, welcher Spieler wie gespielt hat und ob ein Spieler einen entscheidenden Fehler gemacht hat. Wenn wir auf unseren Kanälen nach den ersten Kommentaren Tendenzen sehen, werden wir sofort handeln.
Das Gespräch führte Marc Allemann.