Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana haben die ersten Brandopfer mit der Rehabilitation begonnen. In den auf Brandverletzte spezialisierten Suva-Rehakliniken in Sitten VS und Bellikon AG werden aktuell neun Patientinnen und Patienten betreut. Manuela Tuchschmid, Leiterin Pflege, und Thomas Koller, Fachexperte für muskuloskelettale Physiotherapie in Bellikon über die körperlichen und seelischen Grenzerfahrungen ihrer Arbeit.
SRF: In der Rehaklinik Bellikon wird aktuell ein Opfer von Crans-Montana behandelt: Wann ist jemand bereit, um in die Reha verlegt zu werden?
Manuela Tuchschmid: Ein Patient muss medizinisch stabil sein. Die akute Wundbehandlung muss so weit abgeschlossen sein, dass sie ohne Narkose durchgeführt werden kann und die Schmerzen gut eingestellt sind.
Kliniken wie ihre behandeln sonst dreissig bis vierzig Brandverletzte pro Jahr, nun könnten es innert Wochen ähnlich viele sein. Wie bereiten sie sich vor?
Manuela Tuchschmid: Wir verschieben intern unsere Ressourcen, und wir schöpfen unsere Räumlichkeiten besser aus. Noch haben wir in Bellikon kein zusätzliches Personal eingestellt. Die Patientinnen und Patienten kommen gestaffelt, je nach Entwicklung ihrer Verletzungen. Wir haben also jeweils genügend Vorlaufzeit, um zu planen.
Wenn sie nun zu uns kommen, werden wir mit vielen Emotionen konfrontiert.
Sie sind spezialisiert auf Brandverletzte. Ist es für Sie dennoch anders, wenn nun die Opfer von Crans-Montana kommen?
Thomas Koller: Es ist schon eine andere Dimension. Es war ein Ereignis, von dem viele betroffen sind, die sich untereinander vielleicht kennen oder Freunde verloren haben. Wenn sie nun zu uns kommen, werden wir mit vielen Emotionen konfrontiert. Die psychische Verarbeitung, der seelische Druck, die Trauer: Das ist etwas, das uns mehr fordern wird, als wenn eine Einzelpatientin eingeliefert wird.
Wenn die Person bereit ist, begleiten wir sie zum Spiegel, oft in enger Zusammenarbeit mit dem psychologischen Dienst.
Die Arbeit mit Brandverletzten ist anspruchsvoll, auch weil sich deren Aussehen verändert hat. Wie gehen Sie damit um?
Thomas Koller: Auf Wunsch decken wir die Spiegel im Zimmer ab. Wenn das Gesicht betroffen ist, führen wir die Menschen langsam heran, oft über das Taktile: Dass sie sich zuerst selbst berühren, eine neue Form wahrnehmen, eine andere Oberflächenqualität. Wenn die Person bereit ist, begleiten wir sie zum Spiegel, oft in enger Zusammenarbeit mit dem psychologischen Dienst. In meiner langen Berufserfahrung war es noch immer so, dass die Betroffenen einen Weg für Akzeptanz gefunden haben, für das Weitergehen und Weiterleben.
Wann ist eine Rehabilitation abgeschlossen?
Manuela Tuchschmid: Für uns ist eine Reha erfolgreich, wenn der Patient oder die Patientin keine weiteren Ziele mehr erreicht, wenn sie so viel Selbstständigkeit wie möglich zurückerlangt hat und das Leben wieder selbst bewerkstelligen kann. Das kann wenige Wochen bis viele Monate dauern.
Das Gespräch führte Simone Hulliger.