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Rücktritt nach fast 40 Jahren In der Flughafenstadt geht eine Ära zu Ende

Als Stadtpräsident von Kloten musste René Huber einige Krisen meistern wie etwa den «Beinahe»-Konkurs des EHC Kloten oder das Swisssair-Grounding. Nun hört der langjährige Exekutivpolitiker auf.

Sein Lebensmittelpunkt ist seit eh und je: Kloten. Hier ist René Huber aufgewachsen und früh in die Lokalpolitik eingestiegen. Fast 40 Jahre ist das her. Freunde motivierten ihn damals, die Junge SVP Kloten mitzugründen. Zuerst habe er abgewunken. «Doch sie liessen nicht locker», erzählt René Huber. Er sagte also zu. «Und plötzlich zog es mir den Ärmel rein und ich hatte Plausch.»

René Huber an einem Sitzungstisch im Stadthaus von Kloten.
Legende: René Huber im Stadthaus von Kloten. Hier leitete er als Stadtpräsident Sitzungen – jahrzehntelang. SRF / Damian Grunow

René Huber merkte, dass man in der Lokalpolitik mitreden und mitgestalten kann. Das gefiel ihm. Schliesslich wurde er ins Parlament gewählt. 1994, mit 38 Jahren, in die Stadtregierung. Er übernahm die Finanzen der Flughafenstadt. Seit 2006 ist René Huber Stadtpräsident und damit einer der amtsältesten Politiker im Kanton Zürich. Im Sommer geht diese Ära zu Ende. René Huber ist nicht mehr zu den Wahlen im April angetreten.

Erster TV-Auftritt wegen Krise des EHC Kloten

In seiner 32-jährigen Amtszeit in Klotens Stadtregierung musste René Huber so manche Krise meistern. Sogar Auftritte im nationalen Fernsehen hatte er wegen des Eishockeyclubs Kloten. Der Club kämpfte immer wieder mit Finanzproblemen. 2012 kam es zum «Beinahe»-Konkurs, weil er die Löhne der Spieler nicht mehr bezahlen konnte. Zehn Millionen Franken fehlten in der Kasse.

Unternehmer und Investor Philippe Gaydoul im Jahr 2012 vor einem Kloten-Flyers-Plakat.
Legende: Unternehmer und Investor Philippe Gaydoul an der Generalversammlung der Kloten Flyers am 20. August 2012 in Kloten. KEYSTONE / Alessandro Della Bella

René Huber war damals Stadtpräsident. Er suchte eine Lösung und fand sie: Der Unternehmer Philippe Gaydoul und SVP-Politiker Thomas Matter übernahmen den EHC Kloten. Diese Nachricht konnte René Huber den Fans damals höchstpersönlich überbringen. «Da waren rund 4000 Leute und es lief mir kalt den Rücken hinunter», erinnert er sich. Als er im Stadion verkündete, dass der Verband dem Club die Lizenz aufgrund der Finanzzusagen gab, war der Applaus riesig. «Ich habe schon Wichtigeres gemacht, aber so gross war der Applaus noch nie.»

Das war die wirtschaftlich schlimmste Zeit in der Stadt Kloten.
Autor: René Huber Stadtpräsident Kloten

Eine Krise, die René Huber meistern musste, war aber noch viel grösser: Das Swissair-Grounding am 2. Oktober 2011. Für Kloten sei das tragisch gewesen. «Es gab ganze Familien, die für den Flughafen tätig waren», sagt René Huber. Diese hätten von einem Tag auf den anderen ihre Einkommensgrundlage verloren. Man habe nicht gewusst, wie es weiter geht. «Das war die wirtschaftlich schlimmste Zeit während meiner Zeit.»

Wirtschaftlich ist Kloten stark abhängig vom Flughafen. Das Swissair-Grounding beschäftigte die Stadt im Zürcher Unterland noch Jahre. René Huber war aber nicht nur als Stadtpräsident betroffen. Auch in seinem Hauptjob als Filialleiter der UBS in Kloten habe er die Folgen gespürt.

Ein Mann demontiert das Swissair-Logo.
Legende: Der Zusammenbruch der Swissair beschäftigte Kloten und den Stadtpräsidenten René Huber lange. KEYSTONE / Steffen Schmidt

«In den Augen der Bevölkerung war die UBS schuld am Grounding», erinnert sich René Huber. Vor seiner Filiale standen die Klotenerinnen und Klotener Schlange – um ihr Konto aufzulösen. Und sie hätten auch die Mitarbeitenden beschimpft. «Das war ganz, ganz hart.»

Auch die Coronapandemie stürzte die Luftfahrt in die Krise. Doch die Branche erholte sich schnell und letztes Jahr sind so viele Passagiere via Flughafen Zürich gereist wie noch nie. Das bescherte auch der Stadtkasse von Kloten einen Rekordgewinn.

René Huber auf einem Sessel.
Legende: Bald kann sich Polit-Urgestein René Huber zurücklehnen. SRF / Damian Grunow

In seiner Politikkarriere war René Huber oft unfreiwillig Krisenmanager. Doch die Bevölkerung wählte ihn vier Mal wieder als Stadtpräsident – mit Topresultat. Vor dem baldigen Amtsende habe er schon etwas Respekt. «Aber ich gehe mit schönen Erinnerungen und einer anders gefüllten Agenda.» Klar ist für ihn schon heute: Sein Lebensmittelpunkt bleibt Kloten.

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Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 30.4.2026, 17:30 Uhr ; 

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