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Schweizer Jugendkriminalität Wieso werden Jugendliche mehr für Verkehrsdelikte verurteilt?

In den letzten sechs Jahren hat sich in der Schweiz verändert, wofür Jugendliche verurteilt werden – vor allem mehr im Verkehr.

Im Jahr 2025 wurden insgesamt 22'957 Urteile für Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren ausgesprochen. Diese Zahl hat gegenüber dem Vorjahr leicht abgenommen, wie aus den neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) hervorgeht. Über eine längere Zeitspanne von sechs Jahren ist die Zahl der Jugendurteile um 18 Prozent gestiegen.

Die Jugend verhält sich zunehmend friedlicher und nur ein kleiner Teil verhält sich derart problematisch, dass es einer juristischen Sanktionierung bedarf.
Autor: Dirk Baier Kriminologe an der ZHAW

Deswegen dürfe die Jugendkriminalität jedoch nicht als zunehmendes gesellschaftliches Problem dargestellt werden, sagt Dirk Baier, Leiter des Instituts Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Im Gegenteil: «Die Jugend verhält sich zunehmend friedlicher und nur ein kleiner Teil verhält sich derart problematisch, dass es einer juristischen Sanktionierung bedarf», sagt Baier.

Tatsächlich blieb die Anzahl der Straftaten gemäss Strafgesetzbuch in den letzten sechs Jahren mit einem leichten Plus von zwei Prozent relativ stabil. Darunter fallen etwa Gewalt- und Vermögensdelikte wie Körperverletzung und Diebstahl. In anderen Bereichen gab es jedoch deutliche Veränderungen.

Mehr Jugendliche und mehr Mobilität

So nahmen die Urteile wegen Straftaten gegen das Strassenverkehrsgesetz zwischen 2020 und 2025 um 83 Prozent zu. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass es sich dabei vor allem um eine Zunahme der Verurteilungen bei der Verletzung der Verkehrsregeln, beim Fahren ohne Berechtigung und beim Fahren mit einem nicht betriebssicheren Fahrzeug handelt.

Ebenfalls stiegen die Verurteilungen wegen Widerhandlungen gegen das Personen­beförderungsgesetz um 68 Prozent an. Dabei handelt es sich vor allem um «Fahren ohne Fahrausweis» in den öffentlichen Verkehrsmitteln, wie das BFS sagt.

Wenn die Polizei mehr kontrolliert, werden mehr Verstösse aufgedeckt.
Autor: Dirk Baier Kriminologe an der ZHAW

Der Anstieg in diesen Bereichen könnte laut BFS mit der zunehmenden Mobilität der Jugendlichen zu tun haben. Auch Kriminologe Baier sieht das als mögliche Erklärung – insbesondere wenn die verschiedenen neuen Elektrofahrzeuge berücksichtigt würden, welche Jugendliche zunehmend nutzen.

Zudem sei die Mobilität 2020 und 2021 durch die Corona-Pandemie eingeschränkt gewesen und habe nach der Pandemie wieder zugenommen, gibt Baier zu bedenken.

Person im Auto nimmt Zigarette von anderer Person entgegen.
Legende: Urteile wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz waren stark rückläufig. (Symbolbild) Keystone/CHRISTOF SCHUERPF

Der Kriminologe sieht zudem noch zwei weitere Gründe: Die polizeilichen Kontrollen hätten in diesem Bereich zugenommen. «Wenn mehr kontrolliert wird, werden mehr Verstösse aufgedeckt», sagt er. Zudem sei zwischen 2020 und 2025 die Anzahl an Jugendlichen in der Schweiz um fast zehn Prozent gestiegen. «Ein Anstieg der Verurteilungen ist daher einfach durch einen Anstieg der Bevölkerung zu erklären», sagt Dirk Baier.

Junge konsumieren weniger Drogen

Im gleichen Zeitraum waren hingegen die Urteile wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz stark rückläufig. Sie sanken um 63 Prozent. Dabei hat vor allem der Konsum von Drogen abgenommen.

Doppelt so viele Freiheitsentzüge

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Auch bei den verhängten Strafen gab es Verschiebungen. Die Zahl der unbedingten Freiheitsentzüge verdoppelte sich seit 2020 von 258 auf 524. Dieser Anstieg ist laut BFS ausschliesslich auf ausländische Jugendliche ohne B- oder C-Ausweis zurückzuführen. Die Zahl der entsprechenden Verurteilungen stieg von 161 auf 422.

«Der Anstieg könnte vor allem einen Anstieg der international agierenden Kriminalität widerspiegeln», sagt der Kriminologe Baier. Denn im Vergleichsjahr 2020 sei auch die internationale Mobilität durch Corona eingeschränkt gewesen. Zudem sei möglich, dass die abgewiesene Asylbevölkerung stärker in die Kriminalität involviert sei.

Es sei jedoch falsch zu sagen, dass ein Kriminalitätsanstieg der Migration geschuldet ist. «In dieser Pauschalität ist das falsch und deckt sich auch nicht mit Befunden der Polizeilichen Kriminalstatistik, in der Kriminalitätsanstiege meist gleichermassen bei Schweizer wie bei ausländischen Jugendlichen festzustellen sind», sagt Baier.

«Beim Cannabiskonsum sehen wir einen Rückgang, beim Konsum anderer Drogen sind die Raten auf niedrigem Niveau konstant», sagt Baier. Er geht jedoch davon aus, dass nicht nur der Konsum zurückgegangen ist, sondern dass auch polizeiliche Kontrollen – insbesondere bei Cannabis – zurückgegangen sind.

SRF 4 News, 15.6.2026, 9 Uhr

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