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Schweizer Landwirtschaft Fenaco-Chef: «Ertragssicherheit in der Schweiz nimmt stark ab»

Hitzewellen, unsichere Lieferketten und Kritik an der eigenen Grösse: Fenaco-Chef Michael Feitknecht spricht über die grossen Herausforderungen für die Schweizer Landwirtschaft und erklärt die Wachstumsstrategie des Konzerns.

Michael Feitknecht

Geschäftsleiter Fenaco Genossenschaft

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Michael Feitknecht arbeitet seit 2018 für die Fenaco Genossenschaft, seit Juli 2025 als Vorsitzender der Geschäftsleitung.

SRF News: Eine Hitzewelle rollt über die Schweiz. Macht Ihnen das Sorgen?
Michael Feitknecht: Wenn es so ausserordentlich heiss wird wie jetzt, kommt die Landwirtschaft an Grenzen. Das hat trotz aller Massnahmen zur Anpassung einen grossen Einfluss auf die Ernte, etwa bei Getreide und Kartoffeln.

Wie stark leidet der Ertrag?
Die Ertragssicherheit in der Schweiz nimmt extrem ab. Wir sind mittlerweile bei einer Versorgungssicherheit von nur noch rund 42 Prozent, in den letzten Jahren war sie noch über 50 Prozent. Bei den Kartoffeln zum Beispiel ist die Anbaufläche zwar stabil, aber die Schwankungen bei den Erträgen sind riesig geworden. Das ist eine grosse Herausforderung für die Verarbeitung.

Wir müssen damit rechnen, dass die Preise tendenziell steigen.

Neben dem Wetter beschäftigen Sie auch geopolitische Krisen. Wie stark treffen Sie diese?
Die Herausforderungen sind riesig, vor allem im Energiebereich ist die Volatilität sehr gross. Das spürt man an der Tankstelle. Aber auch beim Dünger ist die Lage angespannt. Wir müssen damit rechnen, dass die Preise tendenziell steigen. Unsere Strategie ist es, langfristig unabhängiger zu werden, indem wir zum Beispiel in dezentrale Energieproduktion wie Photovoltaik, Biogas oder Pellets investieren.

Förderband für Kartoffeln in einer Fabrik.
Legende: Hitzephasen bringen den Kartoffelanbau zunehmend unter Druck. KEYSTONE/Gaetan Bally

Passt der Übername «Bauernkonzern»?
Der Teil «Bauern» trifft zu: Die Fenaco gehört rund 23’000 bäuerlichen Mitgliedern, das ist etwa die Hälfte aller Schweizer Betriebe, und ist fest in bäuerlichen Händen. Dem Begriff «Konzern» würde ich aber widersprechen. Wir sind eine Agrargenossenschaft. Auf einer Skala von eins bis zehn würde ich unsere Nähe zur Landwirtschaft als eine Neun einstufen.

Wir brauchen diese Grösse, um im internationalen Umfeld bestehen zu können.

Kritiker wie der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm werfen Ihnen vor, Fenaco sei zu gross, ein «Staat im Staat». Was entgegnen Sie?
Die Fenaco wurde aus einem Effizienzgedanken gegründet. Wir brauchen diese Grösse, um im internationalen Umfeld bestehen zu können. Unsere Lieferanten sind globale Unternehmen, die um ein Vielfaches grösser sind als wir. Auch auf der Abnehmerseite sind wir mit sehr grossen Detailhändlern konfrontiert. Unsere Struktur sorgt dafür, dass möglichst viel Wertschöpfung auf den Bauernbetrieben bleibt, denen die Fenaco ja gehört.

Trotzdem wachsen Sie weiter, übernehmen Tierarztpraxen und beteiligen sich an Telekomfirmen. Warum?
Wir brauchen ein gewisses Wachstum, damit wir auch in Zukunft investieren können. Bei unserer Marge von nur 1.5 Prozent bleibt von 100 Franken Umsatz nur 1.50 Franken übrig, um in Infrastruktur und Innovation zu investieren. Mit der Übernahme von Tierarztpraxen sichern wir eine wichtige Dienstleistung im ländlichen Raum, wo es grosse Sorgen wegen der Nachfolgeregelungen gibt. Andere Bereiche, wie die Beteiligung am Telekom-Unternehmen Quickline, helfen uns, die nötige Rendite für zukünftige Investitionen zu generieren.

Das Gespräch führte Karoline Arn.

Tagesgespräch, 26.06.2026, 13 Uhr; herb

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