Am Mittwochmorgen ist im Skigebiet Engelberg eine Gondel abgestürzt. Dabei ist die 61-jährige Insassin ums Leben gekommen. Die Ursache für den Absturz der Gondel ist noch nicht bekannt, jedoch wurden am Unglücksort starke Windböen registriert. Seilbahningenieur Reto Canale über mögliche Ursachen des Unglücks.
SRF News: Was ist die mögliche Hauptursache?
Reto Canale: Es gibt zwei Möglichkeiten, die man in Betracht ziehen kann: das menschliche Versagen und das technische. Beim menschlichen Versagen etwa das Personal, das eine Prüfung der Klemmkraft nicht genügend ernst genommen hat und das Fahrzeug nicht aus dem Verkehr nahm. Beim technischen Versagen etwa ein Materialversagen oder ein Anhängen bei einer Stütze oder einem Fremdkörper.
Solche Seilbahnunfälle sind sehr selten.
Könnte der starke Wind in der Region die Ursache des Unglücks sein?
Der Wind kann ein wichtiges Element sein, eine wichtige Ursache oder Teilursache dieses Unfalls. Es können aber auch andere Faktoren mitgespielt haben. Bei extremen Windverhältnissen und entsprechenden Querpendelungen der Fahrzeuge könnte es bei gewissen Anlagen tatsächlich dazu kommen, dass ein Fahrzeug an einem solchen Standhaltungspodest anhängt und in der Folge das Seil aus der Klemme gerissen wird.
Gibt es für Seilbahnen Grenzwerte bei Windstärken?
Die Grenzwerte für den Wind sind seilbahnspezifisch angepasst. Windstärken zwischen 40 und 60 Stundenkilometern sind typische Werte, die bei solchen Anlagen zu vorgeschriebenen Abschaltungen führen.
Wie häufig kommen Seilbahnunglücke vor?
Wenn wir die Unfallstatistik anschauen, dann sehen wir, dass solche Seilbahnunfälle sehr selten sind. Sie bewegen sich im Restrisikobereich und es ist für mich schon sehr ungewöhnlich, dass ein solcher Unfall geschehen konnte. Ich bin gespannt, was die Untersuchungen ergeben werden.
Das Gespräch führte Nicola Zala (RSI).