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Selbsttest mit Exoskelett Ganz schweissfrei den Berg hinauf – dank der Maschine

Mit einem Exoskelett in die Berge. Laut Hersteller spart man damit einen Drittel Kraft. Wir haben den Selbsttest gemacht.

Mit Hilfe von Exoskeletten wird der Mensch immer mehr zur Maschine. Dank den kraftunterstützenden Geräten können Gelähmte wieder gehen, werden schwere Lasten in der Armee leichter oder strenge Arbeiten auf dem Bau weniger schweisstreibend. Nun drängen neue Hersteller immer mehr in den Freizeitbereich.

Der amerikanische Hersteller Arcteryx bietet neu eine Wanderhose mit elektromechanischer Unterstützung an. Und die chinesische Konkurrenz von Hypershell verkauft ein Exoskelett für den Einsatz bei Skitouren, Velofahrten oder Joggingrunden. Laut Hersteller spart man damit einen Drittel Kraft. Doch was taugen solche Versprechungen?

Von bleischwer zu federleicht

Bei einer Skitour in den Toggenburger Churfirsten mache ich den Selbsttest. Das Exoskelett Hypershell wiegt nicht einmal zwei Kilo. Mit einem Hüftgurt und Beinschienen fixiere ich das Gerät mit wenigen Handgriffen am Körper und los geht’s. Zwei Elektromotoren auf Höhe der Hüftgelenke bewegen die Beinschienen erstaunlich geschmeidig auf und ab.

Person beim Skifahren mit gelben Skiern im Schnee.
Legende: Das getestete Exoskelett wiegt nicht einmal zwei Kilogramm. srf / Matthias Rusch

Ob man damit wirklich ein Drittel Kraft spart, ist für mich schwierig zu sagen. Allerdings: Nach einer Stunde bergaufgehen mit Tourenskis und maximaler Motoren-Unterstützung schalte ich das Exoskelett aus. Und siehe da: Plötzlich werden meine Beine gefühlt bleischwer. Und kaum schalte ich die Motoren wieder ein, fühlt sich alles wieder federleicht an.

Zum Vergleich reiche ich das Exoskelett meiner Kamerafrau weiter. Kaum hat sie das Gerät angezogen, zieht sie zügig mit den Tourenskis bergauf. Und ich muss schauen, dass ich mithalten mag. Und nicht ausser Puste gerate.

Mann mit Rucksack im Schnee beim Skitourengehen.
Legende: Mithilfe des Exoskeletts geht es fast schweissfrei bergauf – für zwei Stunden. Dann ist der Akku leer. SRF / Matthias Rusch

Nach etwa zwei Stunden mit maximaler Kraftunterstützung ist der Akku leer. Mit wenigen Handgriffen wechsle ich die Batterie. In diesen gut zwei Stunden habe ich mit dem Exoskelett fast 1000 Höhenmeter absolviert, ohne gross zu schwitzen.

Künstliche Intelligenz erkennt Bewegungsmuster

Dank KI-Steuerung erkennt das Gerät meine Bewegungsmuster und passt sich automatisch an, ob ich nun bergauf oder bergab gehe, renne, spaziere oder auf dem Velo strample. Allerdings mit gewissen Einschränkungen: Es dauert jeweils ein bis zwei Sekunden, bis das Exoskelett eine andersartige Bewegung erkennt und darauf reagiert.

Bei ruckartigen, unregelmässigen Bewegungen ist das Gerät überfordert. Beispielsweise, wenn ich auf dem Velo schnell von einem Gang in den anderen schalte und plötzlich viel schneller oder langsamer strample. Oder wenn ich beim Skifahren abrupt bremsen oder eine Kurve machen will.

Mann auf Skiern im Schnee, hält Ausrüstung.
Legende: Dank KI-Steuerung erkennt das Exoskelett die Bewegungsmuster des Trägers oder der Trägerin. srf / Matthias Rusch

Fazit: Bei gleichmässigen Bewegungen ist die Unterstützung des Hypershell-Exoskeletts erstaunlich gut. Mühe hat das Gerät, wenn es zu ruckartig wird. Und trägt man einen grossen Rucksack, drückt dieser unangenehm auf den Hüftgurt des Exoskeletts.

Während die Wanderhose von Arcteryx rund 5000 Franken kostet, muss man für das Exoskelett von Hypershell je nach Ausführung zwischen 1000 und 3000 Franken zahlen. Ob solche Geräte einen ähnlichen Boom erleben werden wie E-Bikes, bleibt abzuwarten. Das Potenzial dazu haben sie jedenfalls, in einem boomenden Outdoor-Markt, wo immer mehr technische Gadgets zum Einsatz kommen.

Ich persönlich bewege mich immer noch am liebsten mit eigener Muskelkraft – ganz ohne Unterstützung. Aber da bin ich vielleicht etwas altmodisch.

 

10vor10, 3.2.2026, 21:50 Uhr; stal;wilh

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