Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Sommer-Aktion in Frankreich De-facto-GA für 29 Euro – aber nicht für Schweizer

Ein französisches Ferienabo erlaubt freie Fahrt auch auf dem Schweizer Netz. Schweizer fühlen sich ungerecht behandelt.

Freie Fahrt auf dem ganzen Schweizer Netz: Was es sonst nur mit dem GA gibt, dürfen diesen Sommer auch junge Menschen aus den Nachbarregionen der Schweiz erleben.

Konkret geht es um ein Angebot des regionalen Verkehrsnetzes Fluo Grand Est der französischen Bahngesellschaft SNCF, das sich an Unter-28-Jährige richtet. «Pass Jeune Grand Est Grenzenlos» heisst das Abo. Es erlaubt diesen Juli und August unlimitierte Fahrten mit Regionalzügen in der Französischen Region Grand Est, in drei deutschen Grenzregionen sowie im Schweizer Netz. Kostenpunkt: 29 Franken pro Monat.

Für junge Menschen in der Schweiz gibt es allerdings eine Einschränkung: «Das Angebot wird von den Schweizer Behörden für Einwohner des Landes nicht anerkannt», heisst es auf der Website der SNCF. Der «Pass Jeune» richte sich an Junge aus der Region Grand Est sowie den drei deutschen Regionen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland.

Vereinfacht heisst das: Junge Französinnen und Deutsche fahren für 29 Euro einen Monat auch auf dem gesamten Schweizer Netz. In der Schweiz wohnhafte Junge zahlen dafür 260 Franken – so viel kostet ein Monats-GA zum Jugendtarif.

Kritik aus der SBB-Community

Im SBB-Community-Forum wird Kritik laut: Von einem «de facto GA für 29 Euro im Monat im Sommer für eine bestimmte Gruppe» schreibt dort ein User. Er fühle sich «durch solche tollen Angebote im Ausland etwas ausgenommen» und fordert, dass das SNCF-Angebot auch für Schweizer gelten solle.

Zug bei der Bahnhofstafel von Basel mit Gleisen im Hintergrund.
Legende: Französinnen und Deutsche fahren hier für 29 Euro weiter, Schweizerinnen müssen ein GA für 260 Franken haben. KEYSTONE/Georgios Kefalas

Dass Schweizerinnen mit GA während der Dauer der Aktion dafür gratis auf dem Netz im Grand Est fahren dürfen, vermag in der SBB-Community nicht zu überzeugen: «absolut unattraktiv» im Vergleich zu dem, was die Jungen in Frankreich und Deutschland bekämen, findet ein User. Die SBB sollten einheimischen Jugendlichen mehr bieten.

Auch Florence Brenzikofer, Präsidentin des Verbands Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (Igöv), sieht Handlungsbedarf. Sie sagt gegenüber 20 Minuten: «Gerade in den Sommermonaten braucht es für junge Menschen aus der Schweiz, aber auch für solche, die als Touristinnen und Touristen die Schweiz bereisen möchten, attraktive Angebote wie einen GA-Day, ergänzend zum Night für 99 Franken pro Monat.»

«Politisch und finanziell so gewollt»

Die ÖV-Branchenorganisation Alliance Swisspass, die in der Schweiz für Abos und Tarife zuständig ist, spricht auf Anfrage von einem «zeitlich begrenzten Pilotversuch», bei dem «bestehende Produkte in Frankreich und der Schweiz» – also der Pass Jeunes und das Jugend-GA – gegenseitig anerkannt würden.

Darauf angesprochen, dass manche das als ungerecht empfinden könnten, schreibt Alliance Swisspass, man vergleiche hier zwei völlig unterschiedliche Systeme: «In Frankreich gibt es für Jugendliche sehr stark subventionierte Angebote. Deshalb kostet ein Pass dort in den Sommerferien nur rund 29 Euro. Das ist politisch und finanziell so gewollt.»

In der Schweiz hingegen bildeten die Billett‑Einnahmen einen wichtigen Teil der ÖV-Finanzierung, ohne die «eine milliardenschwere Finanzierungslücke» entstünde, die «von den Steuerzahlenden übernommen werden müsste». Die ÖV-Kosten für junge Menschen seien in der Vergangenheit bereits gesenkt worden.

Diskutieren Sie mit:

Regionaljournal Ostschweiz, 02.06.2026, 12:03 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel