Noch ist der ehemalige Lagerraum in der Nähe des Oltner Bahnhofs Hammer fast leer. Die Räume sind dunkel und noch nicht wirklich eingerichtet. «Es muss nicht hübsch sein, sondern praktisch», schmunzelt Ivo Lanz. Schön sei es nicht gerade. Dennoch spricht Lanz liebevoll vom «Bijou», wenn es um den künftigen Treffpunkt für Randständige im solothurnischen Olten geht.
Ivo Lanz ist Präsident des Vereins City-Träff Olten, der das Projekt lanciert und vorangetrieben hat. Die Idee entstand vor rund zwei Jahren. Damals war Lanz bei einem Austausch zwischen der Stadt und den Randständigen mit dabei.
Schnell war klar: Der Wunsch nach einem Ort, an dem die Betroffenen einfach sein dürfen und akzeptiert werden, ist gross. Jetzt steht die Eröffnung des «City-Träff» Anfang März kurz bevor.
Weg vom Kirchensockel
Heute treffen sich viele der Randständigen aus Olten rund um den Kirchensockel. Inmitten der Stadt. Zwischen Einkaufsläden und Stadtkirche sind sie fast täglich anzutreffen. Sie sitzen, diskutieren, trinken Bier, rauchen und konsumieren teilweise auch härtere Drogen. Auch wenn Gewalt und Polizeieinsätze selten ein Thema sind, ist die Szene besonders den Gewerbetreibenden ein Dorn im Auge.
Dass sich Ivo Lanz für diese Szene einsetzt, kommt nicht von ungefähr. Ab den 80er-Jahren war auch er Teil dieser Szene. Damals lebte der 51-Jährige am Rand der Gesellschaft und kämpfte mit seiner Drogensucht. Bei der Stadtkirche in Olten traf er Menschen, die ihn so nahmen, wie er ist.
Lanz schaffte es zurück in die Gesellschaft
Seit rund 15 Jahren geht es für Ivo Lanz wieder bergauf. Er ist clean, hat einen geregelten Job und steht wieder mit beiden Beinen im Leben. Den Kontakt zu den Menschen aus jener Zeit hat er jedoch nicht verloren. Viele kennt er seit Jahren und teils sogar seit Jahrzehnten.
Jetzt will Lanz als Präsident des Vereins City Treff Olten die Szene unterstützen. «Ich habe gute Leute im Rücken, und da haben wir uns gesagt: Komm, wir nehmen das in Angriff.» Es gehe darum, eine Alternative zu schaffen zum bisherigen Stammplatz rund um die Kirche.
Viele sind nicht gerne da. Sie möchten sich nicht zur Schau stellen.
Doch die Räume beim Bahnhof Olten Hammer sind längst nicht so zentral wie die Stadtkirche. Dennoch glaubt Lanz, dass die Leute den Weg auf sich nehmen werden: «Viele sind nicht gerne bei der Stadtkirche. Sie möchten sich nicht zur Schau stellen.» Darum ist Lanz positiv eingestellt.
Der zuständige Oltner Stadtrat Raphael Schär hofft ebenfalls, dass der Raum genutzt und akzeptiert wird. «Wir geben den Leuten die Chance auf einen eigenen Raum, den sie mitgestalten können», so Schär. «Ich habe zudem grosses Vertrauen in Ivan Lanz – auch, weil er die Menschen kennt und von ihnen respektiert wird.»
Strenge Hausordnung für Treffpunkt
Der Treffpunkt ist von Montag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Ein Vorstandsmitglied ist jeweils anwesend und schaut zum Rechten – ehrenamtlich. «Wir haben eine strenge Hausordnung», betont Ivo Lanz. Weder harte Drogen noch harter Alkohol seien erlaubt, Gewalt werde nicht toleriert. «Wer sich nicht daran hält, muss gehen.»
Auch die Suchthilfe Ost will regelmässig vorbeigehen und sich mit den Gästen des «City-Träff» austauschen. Ivan Lanz und sein Team möchten regelmässig Anlässe oder spezielle Nachmittage organisieren. «Viele dieser Menschen haben ein grosses Potenzial. Wir möchten ihnen Anreize geben, etwas aus ihrem Leben zu machen.»