Familie Arnould wohnt in der Gemeinde Giffers im deutschen Teil des Kantons Freiburg. Vor elf Jahren ist sie vom welschen Teil des Kantons zugezogen. «Wir haben hier Bauland gefunden und fanden es eine gute Idee, hierher zu kommen. So lernen die Kinder Deutsch.»
Die Familie Arnould ist nicht allein. In Giffers, wie auch in der Nachbargemeinde Tentlingen, ist in den letzten Jahren viel gebaut worden. Das Bauland ist günstiger als rund um die nahe Stadt Freiburg. Die Zuzüger sind oft frankofon.
Das bringt Veränderungen mit sich. Zum Beispiel auf der Gemeindeverwaltung, sagt die Tentlinger Gemeindepräsidentin Josiane Broch: «Unsere Angestellten reden sicher zur Hälfte Französisch.» Auch Unterlagen würden auf Französisch verlangt, «wir übersetzen aber nur sehr wenig, weil wir eine Deutsch sprechende Gemeinde sind.» Hin und wieder gebe es Missverständnisse: «Es gab auch schon Leute, die hier mit einer französischen Schule gerechnet hatten», sagt die Gemeindepräsidentin.
Schule zu geben mit so vielen Frankofonen, sei eine Herausforderung sagt Thomas Bertschy, Leiter der Primarschule Tentlingen-Giffers-St. Silvester: «Wir bieten eine grosse Zahl an Lektionen in Deutsch als Zweitsprache an, das Angebot hat sich vervielfacht in den letzten 10 Jahren.» Das koste viel, sei aber nötig. «Teilweise kommen die Kinder mit null Wortschatz hier an, oder mit sehr wenig.» Mit Intensivdeutsch sollen die Kinder möglichst schnell integriert werden, um dann zum normalen Schulstoff überzugehen.
Von Skepsis bis Wohlwollen
Was Tentlingen und Giffers erleben, widerspiegelt sich im ganzen Kanton Freiburg: Der Anteil der Romands steigt. Manch einer passt sich an. Wenn man sich an öffentlichen Orten in Deutschfreiburg umhört, dann sagen nicht wenige, dass sie inzwischen zum Beispiel das Spital im nahen Kanton Bern aufsuchen, um auf Deutsch behandelt zu werden.
Auch einkaufen sei in Bern oft einfacher. Was die Verwaltung betrifft: Auf den Freiburger Ämtern müsse man die Deutschsprachigen oft suchen. Andere sehen die sprachliche Durchmischung als Bereicherung.
Doch wie kommt man zurecht miteinander? Im Bernischen Gals mit seinen 45 Prozent Frankofonen besuchen wir eine Gemeindeversammlung. Keine einzige frankofone Person ist anwesend unter den rund dreissig Leuten. Für Gemeindepräsident Bruno Dorner kein Grund zur Aufregung. Er glaubt, die Zuzüger seien sich solche Versammlungen wohl noch nicht gewohnt.
Fehlende Integration?
Doch es gibt auch Kritik an der fehlenden Integration, dass es kein Miteinander gebe. Auch die Musikgesellschaft Gals ist stark von Deutschschweizern geprägt. Präsident Nicolas Kessler gehört zur französischsprachigen Minderheit: «Ich weiss, es gibt Romands, die sich überhaupt nicht im Dorf integrieren.» Viele richteten sich halt nach wie vor nach dem nahen Neuenburg aus, wenn es um die Freizeitbeschäftigungen gehe. Aber das Miteinander werde schon noch kommen, glaubt Kessler, früher oder später.