Eine Generalversammlung, die Cheerleaders Schweiz und ein «Fight Workshop» – das sind Veranstaltungen, die nächstens in der St. Jakobshalle Basel stattfinden.
Ganz anders 2025: Da wurde in dieser Halle die grösste Musikshow der Welt ausgetragen: der Eurovision Song Contest (ESC). Danach hatte man in Basel den Eindruck, bewiesen zu haben, dass die Halle nicht nur für Generalversammlungen und Sportanlässe taugt, sondern auch für Konzerte internationaler Rock- und Popgrössen.
«Wir konnten allen zeigen, was in der St. Jakobshalle möglich ist», sagt Eduard Löw, der neue Direktor der St. Jakobshalle, mit Blick auf den weltweit grössten Musikanlass.
Kritik an der St. Jakobshalle
Vor dem ESC stand die Halle nämlich immer wieder in der Kritik. Sie sei nicht fit für grosse Konzerte, hiess es. Mal war es die Deckenkonstruktion, die nun erneuert wird. Mal waren es unzulängliche Brandschutzmassnahmen.
Mit der Austragung des ESC schien aber der Beweis erbracht, dass die Halle den Anforderungen für grosse Konzerte genügt. Nur: Wer aufs Veranstaltungsprogramm schaut, sucht vergeblich danach.
«Die Halle ist gut belegt», entgegnet Hallen-Direktor Eduard Löw, wenn man ihn auf die fehlenden Rock- und Popkonzerte anspricht. Viele Veranstaltungen hätten aber nur einen halböffentlichen Charakter, würden also nicht von allen bemerkt, fügt er an. Die Auslastungszahlen der St. Jakobshalle seien aber gut.
Statt internationaler Stars besuchen die Halle auch nach dem ESC vor allem Sporttreibende oder dann Leute, die an grossen Versammlungen oder einer Esoterikveranstaltung teilnehmen. Dabei will Basel-Stadt seit Jahren wieder mehr Rock- und Popkonzerte.
Basel habe «das Momentum verpasst, sich als Stadt für grosse Konzerte zu positionieren», glaubt Konzertveranstalter Thomas Dürr von Act Entertainment. In seiner Jugend seien Weltstars wie Pink Floyd oder Michael Jackson nach Basel gekommen. Dann habe sich Basel aber jahrelang auf Sportanlässe konzentriert.
«Man kann nicht das Tennisturnier Swiss Indoors machen und gleichzeitig tolle Rock- und Popkonzerte veranstalten», sagt Dürr.
Aber auch ohne klingende Namen aus der Popwelt, ist die Basler Tourismusdirektorin Letizia Elia zufrieden mit der St. Jakobshalle und dem ESC. Für den Musikwettbewerb etwa kamen 2025 eine halbe Million Menschen nach Basel. Und noch mehr Menschen haben den ESC am Fernsehen mitverfolgt.
ESC kurbelte Tourismus an
«Wir konnten mit dem ESC und der Berichterstattung darüber etwa 450 Millionen Menschen erreichen», sagt Elia. Basel habe damit viel an Bekanntheit gewonnen – und das zahle sich nun aus.
Bei Freizeitreisenden sind die Übernachtungen um zehn Prozent gestiegen nach dem ESC.
Elia legt ihren Fokus nicht auf die Anzahl Konzerte in der St. Jakobshalle, sondern auf die Übernachtungen im Kanton. Und diese hätten sich nach dem ESC verbessert. «Bei Freizeitreisenden sind die Übernachtungszahlen um zehn Prozent gestiegen.»
Basel und die St. Jakobshalle hätten vom ESC profitiert, findet neben der Tourismusdirektorin Elia aber auch Konzertveranstalter Dürr. «Wir machen etwa doppelt so viel in der St. Jakobshalle wie vor dem ESC.» Dabei handelt es sich aber längst nicht immer um grosse Konzerte.
Die ESC-Bilanz des Kantons Basel-Stadt ist ein Jahr nach der Austragung des Musikanlasses also gut – obwohl internationale Stars weiterhin kaum in der St. Jakobshalle auftreten und nur wenige Basel auf ihren Tourenkalendern haben.