Judenfeindlichkeit bleibt auch in der Schweiz ein Problem. Das zeigte der Antisemitismus-Bericht 2025, den der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus heute früh veröffentlicht haben. In vielen Fällen sind die Kriege im Nahen Osten ein Auslöser für antisemitische Vorfälle.
Während in der realen Welt ein Rückgang antisemitischer Vorfälle zu verzeichnen war, registrierte der Israelitische Gemeindebund eine starke Zunahme von Online-Antisemitismus. Im Internet wurden im Berichtsjahr fast 2200 Vorfälle erfasst, wie dem Antisemitismusbericht des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus GRA zu entnehmen ist. Im Jahr zuvor waren es rund 1600.
Vor dem 7. Oktober hatten wir alle paar Jahre vielleicht mal eine Tätlichkeit.
Seit dem 7. Oktober 2023, also dem grossen Terroranschlag der Hamas und dem Krieg im Gazastreifen, habe sich auch das Leben der Jüdinnen und Juden in der Schweiz verändert, sagt Jonathan Kreutner, der Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes.
«Vor dem 7. Oktober hatten wir alle paar Jahre vielleicht mal eine Tätlichkeit. Das war etwas, das sehr, sehr selten war. Etwas, das deshalb medial auch grosse Aufmerksamkeit gebracht hat.» Seit dem 7. Oktober 2023 habe es über zwei Dutzend Tätlichkeiten gegeben. Das sei eine massive Zunahme von physischen Attacken an jüdischen Menschen.
Beschimpfungen, Aussagen oder auch Tätlichkeiten
Diese Zunahme sorge in der jüdischen Gemeinschaft für grosse Besorgnis und Verunsicherung. So gab es letztes Jahr in Luzern und Davos Vorfälle, in denen orthodoxe Juden geschlagen und herumgeschubst wurden. In Zürich wurde eine jüdisch orthodoxe Frau mit Steinen beworfen.
Der Antisemitismusbericht erfasst für das letzte Jahr fünf solcher Tätlichkeiten. Das sind zwar weniger als im Jahr zuvor, aber eben immer noch viel mehr als in der Zeit vor dem 7. Oktober. Und mehr als 40 Fälle sind dokumentiert, in denen Jüdinnen und Juden im öffentlichen Raum beschimpft wurden, auch hier häufig mit Bezug auf die Lage im Nahen Osten.
Die Entwicklung zeigt einen deutlichen Anstieg von antisemitischen Vorfällen online von 37 Prozent.
Auch antisemitische Äusserungen im Internet bereiten Jonathan Kreutner grosse Sorgen. «Die Entwicklung zeigt einen deutlichen Anstieg von antisemitischen Vorfällen online von 37 Prozent.» Auch in früheren Jahren habe es immer wieder einen Anstieg gegeben. Aber dieser Anstieg sei doch aussergewöhnlich.
Zwei Drittel auf Telegram
Vor allem Telegram sei davon betroffen, zwei Drittel der Vorfälle wurden dort verzeichnet, aber zum Teil auch andere Social Media Plattformen und Kommentarspalten von Onlinezeitungen.
Kreutner betont, kritische Äusserungen gegen die israelische Politik seien absolut legitim. Eine Grenze werde aber dann überschritten, wenn etwa Schweizer Juden für die Lage im Nahen Osten verantwortlich gemacht würden, wenn Israel mit Nazideutschland verglichen werde oder Juden als blutrünstig dargestellt würden.